Das Ziesel 

Das Ziesel (Spermophilus citellus), ein mittelgroßes Hörnchen, ist eine seltene und streng geschützte Tierart, deren Vorkommen regional sehr unterschiedlich sein kann. 

Ziesel bewohnen steppenartige trockene Standorte. Durch ihre Grabetätigkeit kann es auch zu Einbrüchen auf Wegen kommen. Die Anwesenheit von Ziesel auf Flächen kann auch durch Fraßspuren an Feldfrüchten deutlich werden. 

Ziesel auf Wiese
© G. Hubich

Probleme können dann entstehen, wenn Ziesel kurz gehaltene Flächen bewohnen und das benachbarte Feld zur Nahrungssuche dient. Um zu verhindern, dass Ziesel teilweise auch Feldfrüchte nutzen, kann ein 5-6m breiter Grünstreifen angelegt werden, der i.d.R. zumindest teilweise eine Barriere für Ziesel darstellt. Dies kann u.a. eine Glatthafer/Knäuelgras-Grünbrache oder ein Blühstreifen mit Leguminosen (z.B. Luzerne) sein. Wichtig ist dabei, dass der Blühstreifen sehr dicht und ausreichend hoch ist. Natürlich vorhandene Raine mit hoher Vegetation sollten erst gemäht werden, wenn die Feldfrucht geerntet ist. Handelt es sich beim Ziesel – Lebensraum um einen Weingarten, der neben dem Acker liegt, könnten die äußeren 2-3 Reihen des Weingartens später gemulcht werden oder sogar ganz vegetationsfrei gehalten werden. Ziesel mögen solche vegetationsfreien Flächen nicht und somit kann zumindest ein gewisser Lenkungseffekt erzielt werden.

Auf landwirtschaftlichen Flächen mit Ziesel-Vorkommen kann das Befahren mit schweren Maschinen eine Bodenverdichtung bewirken, wodurch nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf das Erreichen der Oberfläche verhindert werden kann. Daher ist es förderlich auf Zieselflächen den Schnittzeitpunkt so zu legen, dass die Ziesel bereits aus dem Winterschlaf erwacht sind (ab April). Andere artenschutzfachlich hilfreiche Maßnahmen, sind der Verzicht auf Pestizide, keine Lagerung von Festmist, das Abtragen des Mähguts und das Pflügen mit einer Eindringtiefe bis 30cm. 

Vorkommen und Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Ziesels erstreckt sich über das östliche Mitteleuropa und südliche Osteuropa. In Österreich erreicht das Vorkommen seine westliche Verbreitungsgrenze und ist auf das pannonische Tief – und Hügelland beschränkt.

Ziesel brauchen als Lebensraum Grünflächen, die das ganze Jahr über kurz gehalten werden (durch Mahd oder Beweidung). Einzelnen Sträucher oder Gehölze auf der Fläche dienen als Deckung gegen Feinde. Der Boden muss tiefgründig und gut entwässert sein, da Ziesel in Bauen leben. Der Lebensraum des Ziesels sind daher Steppen- und Trockenrasen, Brachen, Wiesen und Weiden, begrünte Weingärten, Raine und Böschungen aber auch Sekundärlebensräume wie Grünflächen von Gewerbegebieten, Flug- oder Golfplätzen oder Liegewiesen von Bädern.

Das Vorkommen bzw. der Lebensraum des Ziesels wird durch Aufforstung von Wiesen und die Aufgabe der Bewirtschaftung geeigneter Flächen sowie zunehmende Verbauung und Zerschneidung des Lebensraums (Straßen, Siedlungen…) eingeschränkt.

Kate der Zieselverbreitung in NÖ
Quelle: Artikel 17 Bericht 2013 – 2018 gem. FFH - Richtlinie


Biologie des Ziesels

Das europäische Ziesel lebt in Kolonien die nur wenige aber auch hunderte Tiere umfassen können. Jedes Individuum bewohnt einen selbst gegrabenen Bau mit einem Baueingang von 5 – 7cm. Die Hörnchen werden bis zu 24cm lang und wiegen 150 – 430g. 

Ziesel frisst
© G. Hubich

Ziesel sind tagaktiv und daher leicht bei der Nahrungssuche zu beobachten. Die Nahrung besteht vorwiegend aus Gräsern, Kräutern, Blüte und Wurzeln, aber auch kleine wirbellose Tiere werden gerne gefressen. Dabei halten sie Männchen-machend nach Feinden (Fuchs, Iltis, Greifvögel, Krähen, Katzen…) Ausschau und warnen mit einem Pfiff ihre Artgenossen.

Von September/Oktober bis März halten Ziesel einen Winterschlaf, für den sie sich über den Sommer ein Fettdepot aufbauen müssen.


Aktuelle Situation

Im letzten nationalen Bericht gemäß Artikel 17 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie, Richtlinie 92/43 EWG) (2013- 2018) wurde der Erhaltungszustand des Ziesels österreichweit als ungünstig/schlecht (U2 = unfavourable) eingestuft (http://eionet.europa.eu/article17).


Gesetzliche Rahmenbedingungen

Im internationalen Recht ist das Ziesel als "geschützte Tierart" in der Berner Konvention und in der FFH-Richtlinie (Anhang II und Anhang IV) verankert. Seine Nennung im Anhang II der FFH-Richtlinie regelt, dass für den Erhalt dieser Art Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Im Anhang IV befinden sich all jene Tier- und Pflanzenarten zu deren Schutz entsprechende Artenschutzbestimmungen einzuhalten sind. Die Verpflichtungen der FFH-Richtlinie sind im NÖ Naturschutzgesetz 2000 umgesetzt, das in §18 Abs. 4 die Verbote für besonders geschützte Arten, wie das Ziesel, regelt.

Aktuelle rechtliche Grundlagen finden Sie unter Rechtliche Grundlagen für den Artenschutz.

Logoleiste

Ihre Kontaktstelle des Landes für Naturschutz

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Landhausplatz 1, Haus 16 3109 St. Pölten E-Mail: post.ru5@noel.gv.at   
Tel: 02742 / 9005 - 15237
Fax: 02742 / 9005 - 15220
Letzte Änderung dieser Seite: 30.8.2021
© 2021 Amt der NÖ Landesregierung