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22.11.2021 | 14:06

Arbeitsmarktgipfel im NÖ Landhaus unter dem Eindruck der aktuellen Corona-Lage

LH Mikl-Leitner: Betriebe und Arbeitnehmer bestmöglich unterstützen

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landesrat Jochen Danninger und Landesrat Martin Eichtinger beim Arbeitsmarktgipfel im NÖ Landhaus.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landesrat Jochen Danninger und Landesrat Martin Eichtinger beim Arbeitsmarktgipfel im NÖ Landhaus.© NLK PfeifferDownload (1.4Mb)

Ganz unter dem Eindruck der aktuellen Corona-Lage stand der aus diesem Grund auch nur per Videokonferenz abgehaltene Arbeitsmarktgipfel im NÖ Landhaus. „Wirtschaft und Arbeit im Dialog“ lautet das Motto dieser Gespräche, die in regelmäßigen Abständen stattfinden. Mit dabei am heutigen Montag: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger und Arbeitsmarktlandesrat Martin Eichtinger seitens des Landes Niederösterreich sowie die online zugeschalteten Sozialpartner AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich, der Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich Thomas Salzer, der Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich Markus Wieser, der Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich Wolfgang Ecker, Landesstellenleiter-Stv. Günther Widy vom Sozialministeriumservice und Experten wie Christian Helmenstein (Leiter des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung), Christoph Schneider (Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Handelspolitik der WKO und Martin Etlinger (Geschäftsführer Menschen und Arbeit GmbH).

„Wir alle haben Corona leid, aber sind es noch nicht los“, leitete Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ihre Stellungnahme ein. Sie verwies auf Maßnahmen wie „3G am Arbeitsplatz“, die bereits zu einer Steigerung der Impfquote geführt hätten. Um die steigenden Infektionen zu bremsen und vor allem die Gesundheitsinfrastruktur sowie das Gesundheitspersonal vor einer Überlastung zu schützen, habe man sich auf einen Lockdown verständigt. Dieser sei aber nicht die einzige Maßnahme, führte sie auch die Impfpflicht an: „Die Impfung ist der einzige Ausweg aus der Pandemie.“ Die Impfpflicht sei „der einzige Weg“, hielt sie fest.

Man befinde sich derzeit in Niederösterreich in einer „Phase des Aufschwungs“, und man hoffe, dass es sich beim aktuellen Lockdown nur um „die Pausetaste“ handle, sagte Landesrat Jochen Danninger. Der Landesrat betonte auch die Bedeutung der Impfpflicht, um „die Ursachen zu bekämpfen“. Entscheidend sei jetzt, dass „die Wirtschaftshilfen so wie von der Bundesregierung angekündigt rasch und unbürokratisch ausbezahlt werden“, so Danninger. Seitens des Bundeslandes Niederösterreich habe man „unsere Hilfsinstrumente parat“, etwa Liquiditätshilfen und Haftungsinstrumente. Die Bevölkerung sei aufgerufen, die regionalen Angebote, etwa Click und Collect, zu nutzen, so der Wirtschaftslandesrat.

Landesrat Martin Eichtinger sprach von einer „positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt in den letzten Monaten“ und man hoffe, dass diese durch den Lockdown keinen Rückschlag erleide. Das Instrument der Kurzarbeit habe in der Vergangenheit sehr gut durch die Krise geführt. Eichtinger verwies auch auf Maßnahmen wie den Freistellungsanspruch für Risikogruppen oder die Sonderbetreuungszeit für Eltern deren Kinder abgesondert wurden. „Alle sind daran interessiert, dass durch die aktuelle Situation möglichst wenig Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt entstehen“ hielt Eichtinger fest. In Niederösterreich sei man mit den getroffenen Maßnahmen und erarbeiteten Programmen „sehr gut aufgestellt“, man könne für alle Zielgruppen am Arbeitsmarkt Unterstützungen anbieten, so Eichtinger.

„Wir beobachten einen bemerkenswert robusten Konjunkturaufschwung“, und das trotz Störfaktoren wie Steigerung der Rohstoff- und Energiepreise oder Fachkräftemangel, leitete Christian Helmenstein sein Fachreferat ein. Der aktuelle Lockdown werde sich auf die Entwicklung des BIP nicht stärker als in wenigen Zehntel-Prozentpunkten auswirken, prognostizierte er für das heurige Jahr. Der Großteil des Schadens, den er mit rund 170 Millionen Euro bezifferte, werde auf die Tourismus- und Freizeitwirtschaft entfallen. Die größten Potentiale für das nächste Jahr bestünden mit Sicherheit auf den Exportmärkten, so Helmenstein.

Christoph Schneider sprach ebenfalls von einem „stabilen Aufschwung“, Corona als Störfaktor komme aber natürlich „massiv zur Geltung“. Es gebe eine wesentliche Veränderung im Verhalten der Konsumenten aufgrund von Corona, eine Verschiebung von Dienstleistungen hin zu einem warenorientierten Konsum, konstatierte er. Dies helfe in der Stabilisierung des Wachstums. Die Analyse für die KMU bis 100 Beschäftigte, in Niederösterreich rund 111.000 Unternehmen, zeige trotz der unsicheren Zeiten einen stabilen Aufschwung, berichtete Schneider.

Wirtschaftskammer-Präsident Wolfgang Ecker sprach von einem „harten Schlag“ und einer „großen Herausforderung für die Unternehmerinnen und Unternehmer“ durch den Lockdown. Die Unternehmer hätten jedoch schnell darauf reagiert. „Click und Collect“ funktioniere und sei eine große Erleichterung. Ein großes Thema seien die Unterstützungsleistungen, der Ausfallsbonus habe hier eine besonders große Bedeutung. Beim Testen und Impfen würde man seitens der Wirtschaftskammer die Betriebe mobilisieren und stark unterstützen.

Arbeiterkammer-Präsident Wieser sprach von einer „großen Betroffenheit bei den Arbeitnehmern“. Es sei „ganz wichtig“ gewesen, für die 3G-Regelung Angebote in den Betrieben zu schaffen, verwies er etwa auf Schichtarbeiter oder Bäcker. Zum Thema Kurzarbeit hielt er fest, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Einbußen hätten, gleichzeitig würde sich etwa Energie verteuern. Hier gebe es wesentliche Belastungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ausgeglichen werden müssen.

Der Geschäftsführer des AMS Niederösterreich, Sven Hergovich, sagte, derzeit stünden die Sicherstellung der Existenzsicherung sowie die Abwicklung der Kurzarbeit im Vordergrund. Man rechne mit sehr vielen Anträgen im Kurzarbeitsbereich, man stocke hier die Kräfte auf, ebenso bei der Abwicklung der Existenzsicherung. Man glaube auch, dass es weiterhin Auswirkungen auf die Branchen gebe, d. h. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die öfters betroffen seien, würden sich überlegen, die Branche zu wechseln.

Der Präsident der Industriellenvereinigung Thomas Salzer ging auf die 3G-Regelung ein, und sprach auch über die Auswirkungen des großen Arbeitskräftemangels in vielen Bereichen. Das mache vielen Unternehmen Sorgen. In der Aussicht nach vorne gehe es vor allem um das Thema Energiekosten. Es sei im Blick auf die Investitionen wichtig, wieder Vertrauen zu schaffen, dass es nach wie vor Sinn mache, in Österreich zu investieren.

Günther Widy, Landestellenleiter-Stellvertreter des Sozialministeriumservice, ging auf die Auswirkungen der Krise auf Menschen mit Behinderung oder gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen näher ein. Das SMS setze verstärkt das Instrument des Arbeitsplatzsicherungszuschusses ein, um diese Dienstverhältnisse abzusichern.

Seitens der „Menschen und Arbeit GmbH“ wurde das Instrument des „Kompetenzatlas“ vorgestellt. Der „Kompetenzatlas“ ist eine Informationsdrehscheibe für Kompetenzorientierung und berufliche Weiterbildung. Unter www.noe-kompetenzatlas.at findet man alles zu den Themen berufliche Förderungen, Weiterbildungsangebote, Kompetenzerhebungsinstrumente und Beratungsangebote. Die Plattform richtet sich an Jung und Alt, Berufstätige und Arbeitslose.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte dazu: „Eine der tragenden Säulen unserer Arbeitsmarktstrategie ist das Thema Kompetenzorientierung. Der erfolgreiche Kompetenzkompass war dabei der erste Schritt, jetzt haben wir den Kompetenzatlas entwickelt und sind damit wieder Vorreiter in ganz Österreich“. Mit dem neuen „Kompetenzatlas“ wolle man das Thema Kompetenzen „für beide Seiten nutzen – sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Unternehmen“, betonte die Landeshauptfrau, die sich bei allen Sozialpartnern für die Zusammenarbeit bedankte.

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