02.04.2021 | 10:14

Weltautismustag: Individuelle Therapie für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung in St. Pölten

LR Eichtinger/Fidler/Gobara: Ziel der Behandlung ist ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben sowie eine chancenreiche Zukunft

Etwa sechs von 1.000 Menschen sind von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen. Für betroffene Kinder bietet das Autismuszentrum Sonnenschein individuell zugeschnittene Therapieangebote. „Es ist uns wichtig, den Kindern durch die Therapie eine chancenreiche Zukunft zu ermöglichen“, betont NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger. Der Landesrat war im vergangenen Jahr mit dabei, als einige Kinder des Autismuszentrums gemeinsam mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner den Papst in Rom besuchten. „Das Autismuszentrum Sonnenschein zeigt vorbildlich, welche positiven Effekte eine passende Therapie erreichen kann“, so Eichtinger.

Ein Beispiel dafür ist Daniel (Name geändert). Früher konnte Daniel nicht sprechen. Durch Jammern versuchte er sich auszudrücken, seine Wünsche waren aber meist nicht zu verstehen. Alleine zu spielen fiel ihm schwer, er wiederholte oft die gleichen Abläufe. Fühlte er sich in seinen Ritualen unterbrochen, reagierte er häufig aggressiv. Er brauchte die Aufmerksamkeit anderer Menschen. Seine Mutter gelang es kaum, den Raum zu verlassen. Gleichzeitig ließ er beim Spielen aber auch keine Einflüsse von außen zu. Im Autismuszentrum Sonnenschein lernte er damit umzugehen.

„Das Autismuszentrum Sonnenschein ist ein absolutes Leuchtturmprojekt“, ergänzt Norbert Fidler, Vorsitzender des Landesstellenausschusses der ÖGK in Niederösterreich. „Kinder mit Autismus erhalten hier genau jene Behandlung, die sie brauchen – unabhängig von der finanziellen Situation der Familie. Die Therapie startet frühzeitig, ist intensiv und qualitativ hochwertig. So werden die Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung und auf dem Weg zu einem eigenständigeren Leben unterstützt.“

„Das Ziel aller Unterstützungen und Begleitungen ist es, ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“, betont Sonja Gobara, die Leiterin des Autismuszentrums Sonnenschein.

Daniel lernte, Spiel-Ideen von anderen Menschen aufzugreifen, imitierte sie. Er probierte viel mehr Spielsachen aus, sein Spielen wurde abwechslungsreicher. Und er lernte alleine zu spielen. Die volle Aufmerksamkeit der Mutter war nicht mehr nötig, sie konnte den Raum verlassen. Und so wurde es möglich, dass Daniel den Kindergarten besucht.

Es gelang ihm immer besser, Spiele selbst zu beenden oder zuzulassen, dass diese von jemand anderem beendet werden. Er schaffte es auch, abzuwarten und Begrenzungen zu akzeptieren. Durch Bildkarten kann er sich ausdrücken, er wurde seltener aggressiv. Und er lernte Gegenstände, Bilder, Personen, Tätigkeiten zu benennen, auch sein Sprachverständnis wurde immer besser.

Für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung bietet das Autismuszentrum Sonnenschein seit Oktober 2015 individuell zugeschnittene Therapieangebote. Das interdisziplinäre Behandlungsteam - Medizin, Psychologie, Sonder-Heilpädagogik, Musiktherapie, Ergotherapie und Logopädie - ist speziell ausgebildet. Die Kinder sind üblicherweise unter sechs Jahre alt, eine Therapie dauert zwei Jahre, erfolgt ambulant und aufsuchend im Umfeld des Kindes. Seit einem Jahr (16. März 2020) findet die Therapie in einem neuen, auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichteten Gebäude statt. 60 Patientinnen und Patienten wurden seitdem hier behandelt. Seit 2015 waren es insgesamt bereits über 200. Der NÖGUS und die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) fördern den Betrieb des Autismuszentrums.

Was es braucht, damit Therapie erfolgreich sein kann?

• „Besonders wichtig, ist die Früherkennung“, so Gobara. Je früher und intensiver ein Kind behandelt wird und die Eltern in ihrer Erziehungs-Kompetenz unterstützt werden, desto höher sind die Chancen auf eine gute Entwicklung.

• „Sehr wichtig ist auch die Mitarbeit der Eltern“, ergänzt die stellvertretende Leiterin Lisa Jägersberger. Eltern können Kompetenzen erlernen, um ihr Kind zu unterstützen. Sie können mit ihrem Kind das, was es in der Therapie gelernt hat, im Alltag üben. Daniels Eltern stellten sogar eigeninitiativ Therapiematerial für zuhause her und besorgten auch immer wieder entsprechende Spielmaterialien, die Daniel in der Therapie gut gefielen.

• Die Integration gelernter Verhaltensweisen in den Alltag ist ein wesentlicher Faktor. In der Therapiestunde gibt es wenig Ablenkung. Das Kind kann sich ganz auf die Übungen konzentrieren. Außerhalb der Therapieräume aber gibt es wieder jede Menge Reize, die ablenken, viele andere Orte und viele andere Menschen. Daher ist es zum Beispiel sinnvoll, mit verschiedenen Personen zu üben.

• Das individuelle Eingehen auf das Kind ist ebenfalls sehr wichtig. Autismus ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Bei manchen Kindern im Spektrum sind Anzeichen kaum wahrzunehmen, sie brauchen kaum Unterstützung. Bei anderen Kindern bemerken Eltern schon sehr früh, dass eine Therapie nötig sein könnte. „Das Therapiekonzept wird immer individuell angepasst“, so Jägersberger. Daher wird beobachtet, was dem Kind Spaß macht, und das wird dann in der Therapie hervorgehoben. „Spaß und Motivation!“, betont Jägersberger. Das sei besonders wichtig. „Wir achten darauf, dass die Kinder gerne hier sind.“

Rückfragehinweis: Christine Haiderer, Bakk., Kommunikation NÖGUS, Telefon: +43 (0) 676 / 812 165 36, Mail: christine.haiderer@noel.gv.at

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