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24.03.2026 | 10:17

„Vienna Soil Dialogue“ – Bodenschutz als Zukunftsstrategie

LH Mikl-Leitner: „In Niederösterreich wissen wir: Bodenschutz und wirtschaftliche Entwicklung sind keine Gegensätze, es braucht beides“

Abendpanel im Rahmen des „Vienna Soil Dialogue“ (v.l.) Keynote Speaker Harald Katzmair (FAS Research), AGRANA-CEO Stephan Büttner, Erwin Hameseder (Raiffeisen-Generalanwalt), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Moderatorin Maria Salomon, Bundesminister Norbert Totschnig, Diözesanbischof Alois Schwarz und Journalist Christian Wehrschütz.
Abendpanel im Rahmen des „Vienna Soil Dialogue“ (v.l.) Keynote Speaker Harald Katzmair (FAS Research), AGRANA-CEO Stephan Büttner, Erwin Hameseder (Raiffeisen-Generalanwalt), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Moderatorin Maria Salomon, Bundesminister Norbert Totschnig, Diözesanbischof Alois Schwarz und Journalist Christian Wehrschütz.© NLK PfefferDownload (1.2Mb)

Im Rahmen des „Vienna Soil Dialogue“, gemeinsam organisiert von AGRANA, Raiffeisen, dem International Institute of Applied Systems Analysis (IIASA) und FAS Research, trafen sich am gestrigen Montagabend Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Medien und Sicherheit im Raiffeisen Forum Wien. In einem Panel diskutierten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bundesminister Norbert Totschnig, Diözesanbischof Alois Schwarz, AGRANA-CEO Stephan Büttner, Raiffeisen-Generalanwalt Erwin Hameseder und Journalist Christian Wehrschütz Fragen rund um Wirtschaftswachstum und Bodenschutz.

Niederösterreich nehme als „Kornkammer Österreichs“ eine besondere Rolle ein, sagte die Landeshauptfrau. 94 Prozent der Fläche seien Äcker, Wiesen, Wälder, Berge und Gewässer, nur sechs Prozent verbaut. Die Sichtweise habe sich jedoch grundlegend verändert: „Die alte Denke, wonach mehr Flächenverbrauch automatisch mehr wirtschaftliche Dynamik bedeutet, ist falsch.“ Niederösterreich habe dieses überwunden. Vielmehr setze das Bundesland alles daran, kostbare Böden intelligent zu nutzen. „In Niederösterreich wissen wir: Bodenschutz und wirtschaftliche Entwicklung sind keine Gegensätze, es braucht beides. Deshalb heißt es bei uns nicht ,entweder-oder‘, sondern ,sowohl-als auch‘.“

Ein zentrales Instrument sei die Raumordnung, erklärte Mikl-Leitner. 250.000 Hektar seien als agrarische Schwerpunkträume gesichert und rund 1.600 Siedlungsgrenzen definiert worden. Diese würden helfen, Böden zu schützen und bestehende Infrastruktur besser zu nutzen. Auch wirtschaftlich setze man auf nachhaltige Flächennutzung: „Die Wirtschaftsagentur ecoplus hat 120 Brachflächen erhoben und bietet diese gezielt Unternehmen an.“ Beispiele seien der Wirtschaftspark IZ NÖ Süd, der Wirtschaftspark Krems sowie der Campus Hainburg.

Zugleich betonte die Landeshauptfrau, Boden sei weit mehr als Grundlage für die Landwirtschaft: „Unsere Ackerflächen sind die Basis vieler Rohstoffe und somit auch Basis für Industrie und die Wirtschaft.“ Ein unsensibler Umgang gefährde sowohl die Lebensmittelversorgung als auch die wirtschaftliche Produktion. „Auf unseren Feldern wachsen nicht nur Lebensmittel, sondern die Rohstoffe für ganze Wertschöpfungsketten. Bodenschutz ist damit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschafts- und industriepolitische Schlüsselaufgabe und zentraler Baustein für eine nachhaltige Zukunft.“ Als Beispiel für Kreislaufwirtschaft nannte sie das Unternehmen KernTec, das aus Steinobstkernen hochwertige Produkte wie Pflanzendrinks, Öle oder Cremes herstellt.

Kritik an Landwirtinnen und Landwirten wies Mikl-Leitner im Zuge der Diskussion zurück. Der Vorwurf, sie seien bloße „Fördernehmer“ sei falsch. Vielmehr würden sie unverzichtbare Leistungen für unsere Versorgungssicherheit erbringen: „Ich lasse mir die Leistungen unserer Bäuerinnen und Bauern nicht schlecht reden.“

Beim Bodenschutz komme man mit Verboten und Geboten allein nicht weiter. „Bodenschutz muss eine gemeinsame Zukunftsstrategie sein.“ Niederösterreich wolle hier als Modellregion vorangehen. Dazu setze man auf Kooperation mit den Gemeinden, die Nutzung von Brachflächen vor der „grünen Wiese“ sowie eine neue Bauordnung für schnellere und effizientere Sanierungen. Mit dem „Bodenbonus“ verfolge man zudem eine gezielte Entsiegelungsstrategie.

Auch in der Raumordnung gehe Niederösterreich neue Wege: „Wir arbeiten als erstes Bundesland an einer Raumordnung für Datencenter“, so Mikl-Leitner. Hintergrund sei der steigende Bedarf durch Künstliche Intelligenz – Ziel sei es, Daten im eigenen Land zu halten und Abhängigkeiten von den USA oder China zu vermeiden.

Bundesminister Norbert Totschnig sprach unter anderem über die Bodenstrategie für Österreich und nannte hier Erfolge wie etwa im Bereich der Bewusstseinsbildung. „Die Sensibilität in der Bevölkerung ist heute viel höher als noch vor fünf Jahren, etwa beim Thema Flächenverbau.“ Man habe zudem ein Monitoring aufgesetzt, dort sehe man ganz klar: „Es gibt eine Reduktion der Flächeninanspruchnahme von 10,3 Hektar pro Tag auf 6,5 Hektar pro Tag im Zeitraum von 2023 auf 2025.“ Ein wichtiger Erfolg, auf dem man weiter aufbauen wolle. Auch im Bereich Bodengesundheit habe man schon viel geleistet, etwa durch das Agrar-Umweltprogramm. Totschnig betonte zudem: „Wir müssen den Bodenverbrauch weiter reduzieren und die Bodenqualität verbessern, um gerade in Zeiten des Klimawandels die Fruchtbarkeit unserer Böden zu halten und so die Produktion sicherzustellen.“

AGRANA-CEO Stephan Büttner erklärte, Boden sei längst nicht mehr nur Umwelt- und Landwirtschaftsthema: „Boden ist nicht nur Agrarpolitik, Boden ist auch Industrie- und Sicherheitspolitik.“ Boden entscheide darüber, „ob wir Lebensmittel produzieren können, ob unsere Industrie Zugang zu biogenen Rohstoffen hat und ob unsere Volkswirtschaften in Zeiten geopolitischer Spannungen resilient bleiben.“ Boden sei heute Teil der Geoökonomie und Teil der Sicherheit, betonte Büttner.

Erwin Hameseder, Raiffeisen Generalanwalt und Milizbeauftragter des österreichischen Bundesheeres, sagte, Globalisierung habe uns unglaublichen Wohlstand, aber auch unglaubliche Abhängigkeiten gebracht. Die Lösung sei: „Wir müssen alles tun, um Industrie wieder zurückzuholen, und wir müssen dafür Sorge tragen, so viel als möglich im eigenen Land produzieren zu können, um regionale Wertschöpfung zu schaffen, gerade in der Landwirtschaft.“ Er sprach auch über die Sicherung strategischer Flächen im Rahmen der Risikovorsorge.

Journalist Christian Wehrschütz, angesprochen auf die „Ukraine als Kornkammer Europas“, erklärte, es sei seiner Meinung nach kein Kalkül Putins gewesen, diese Kornkammer zu destabilisieren, um Europa wirtschaftlich und politisch erpressbar zu machen. „Dieser Krieg war nie ein Raubkrieg, sondern dieser Krieg war auf die Unterwerfung eines Gebietes aus.“ Zum Thema, was Europa tun müsse, um bei seinen Rohstoffquellen wieder zum aktiven Mitspieler zu werden, meinte Wehrschütz: „Künftig endlich handeln und in eine langfristige Planung übergehen.“

Diözesanbischof Alois Schwarz sprach von Boden als Diamant, dessen verschiedene Seiten man gemeinsam und ohne Macht auszuspielen nutzen solle. Er zitierte u.a. aus dem Buch Deuteronomium und sagte: „Vergessen wir nicht: der Herrgott hat uns in ein prächtiges Land geführt, das uns alles gibt, was wir brauchen. Und wenn die Dankbarkeit in uns wächst, dann handeln wir menschlich.“ Gerade in der heutigen Zeit erlebe man: „Wenn ich Gott vergesse, dann spielen sich Menschen als Gott auf und benützen Religion noch dazu als Machtinstrumentarium.

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Das Abendpanel im Rahmen des „Vienna Soil Dialogue“ im Raiffeisen Forum Wien.
Das Abendpanel im Rahmen des „Vienna Soil Dialogue“ im Raiffeisen Forum Wien.© NLK PfefferDownload (1.4Mb)

Das Abendpanel im Rahmen des „Vienna Soil Dialogue“ im Raiffeisen Forum Wien.

„In Niederösterreich wissen wir: Bodenschutz und wirtschaftliche Entwicklung sind keine Gegensätze, es braucht beides“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beim „Vienna Soil Dialogue“-Panel.
„In Niederösterreich wissen wir: Bodenschutz und wirtschaftliche Entwicklung sind keine Gegensätze, es braucht beides“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beim „Vienna Soil Dialogue“-Panel.© NLK PfefferDownload (1.4Mb)

„In Niederösterreich wissen wir: Bodenschutz und wirtschaftliche Entwicklung sind keine Gegensätze, es braucht beides“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beim „Vienna Soil Dialogue“-Panel.

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