Verbotenes Land - ersehnte Stadt. Juden in Wien und Niederösterreich im 18. Jahrhundert

Elisabeth Loinig

Forbidden Country – Longed-for City. Jews in Vienna and Lower Austria in the 18th Century.

Nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus Wien und Niederösterreich im Jahr 1670/71 war den Juden der ständige Aufenthalt dort grundsätzlich untersagt worden. In Wien konnten sich wenig später einzelne Hofjuden auf der Grundlage kaiserlicher Privilegien etablieren. Sie und ihre Familien, Angestellten und Bediensteten bildeten im 18. Jh. die ansässige jüdische Bevölkerung Wiens. Auch auf andere Jüdinnen und Juden übte die Haupt- und Residenzstadt eine beträchtliche Anziehungskraft aus: Geschäftsleute, Kleinhändler, Gastwirte Studenten, Ärzte usw. versuchten, sich in Wien anzusiedeln. Doch der Zuzug war restriktiv geregelt, Aufenthaltsbewilligungen – die sogenannten Toleranzen – wurden nur wenigen und oft nur für wenige Jahre gewährt. Der Linienwall, errichtet 1704 als Schutz der Stadt und der Vorstädte vor den Kuruzzen, erfüllte bald „nur“ mehr die Funktion einer Steuer- und Zutrittsgrenze. Für Jüdinnen und Juden war das Betreten der Stadt an den „Linien“ nur unter restriktiven Bedingungen möglich. Den immer wieder verordneten behördlichen Kontrollmaßnahmen stehen ebenso viele Strategien gegenüber, um dennoch in die ersehnte Stadt zu gelangen. In Niederösterreich blieb Jüdinnen und Juden der ständige Aufenthalt bis 1848 verboten, eine Lockerung brachte erst das Toleranzpatent von 1782. Doch einige erhaltene Quellen lassen schließen, dass Niederösterreich im 18. Jh. keineswegs ein Land ohne Juden war. Die Gründe für diese restriktive Aufenthaltspolitik sind nicht allein wirtschaftspolitischer Natur. Im zeitgenössischen Diskurs werden teils jahrhundertealte antijüdische Stereotype, Vorurteile und Ängste tradiert, die die Überwachung, Kontrolle und Reglementierung jüdischen Zuzugs und jüdischen Lebens geboten schienen ließen. Erst Joseph II. tat 1782 den ersten Schritt zu einer neuen „Judenpolitik“.

Bibliography
  • Elisabeth Loinig, "Toleriert oder abgewiesen. Die Niederösterreichische Regierung und die Juden in Wien im 18. Jahrhundert", In: Elisabeht Loinig/Martha Keil (Hrsg.), "Quellen zur jüdischen Geschichte Niederösterreichs", St. Pölten 2016
  • Eveline Brugger, Martha Keil, Albert Lichtblau, Christoph Lind, Barbara Staudinger, "Geschichte der Juden in Österreich", In: Herwig Wolfram, "Quellen zur Geschichte der Juden in Niederösterreich und Wien 1496-1671", Wien 2011
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Letzte Änderung dieser Seite: 15.4.2019
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