Gemüsebau

Gemüse- und Gartenbau

2011 verzögerte ein kühles Frühjahr etwas den Saisonstart. Ausgeglichene Witterungsbedingungen über die gesamt Kulturzeit beeinflusste die Entwicklung vieler Gemüsearten positiv. Lang anhaltende milde Bedingungen im Herbst brachten Massenerträge bei vielen Gemüsearten. Lagergemüsearten konnten aufgrund fehlenden Lagerraum oft nicht mehr geerntet werden. 

Feldgemüsebau

Der Zwiebelanbau wurde ausgeweitet. Die Zwiebelbestände waren sehr gut entwickelt und die Hektarerträge über dem Durchschnitt der Jahre. Die Qualität der Zwiebel war sehr gut und die Sortierungen groß. Die Lagerware aus 2010 konnte zu zufriedenstellenden Preisen abverkauft werden. Mit dem Beginn der neuen Ernte kam es zu einem rapiden Preisverfall, der bis zum Jahresende anhielt.

Entwicklung der Zwiebelerzeugerpreise

Zwiebelerzeugerpreise in EUR/100 kg, sortiert in Kiste, ohne MWSt.
      200920102011
Juli23,436,636,3
August1527,318,5
September11,518,58,1
Oktober10,318,95,1
November11,1197
Dezember13,821,756

Quelle: NÖ LK

Der Anschluss der frischen Ware mit Ende Mai an die Lagerware war problemlos möglich. Die Karottenbestände entwickelten sich über die gesamte Anbauperiode sehr gut. Aufgrund der warmen Witterung war die Ernte bis Mitte Dezember möglich. Allgemein war zu viel Ware am Markt. Die in den Wintermonaten gestiegenen Importe von Bundkarotten beeinflussen den heimischen Markt negativ. Ca. ein Viertel der österreichischen Karotten werden biologisch produziert.

Entwicklung der Karottenerzeugerpreise

Karottenerzeugerpreise in EUR/100 kg gewaschen, gesackt, ohne MWSt.
  200920102011
Juli39,254235,9
August32,138,230,5
September31,835,528,2
Oktober3035,524
November27,633,822,5
Dezember21,430,7524

Quelle: NÖ LK

Die Spargelerntemengen 2011 waren durchschnittlich und in der Verteilung ausgeglichen.

Die Preisentwicklung im Ab-Hof Verkauf war zufriedenstellend. Eine durchgehende Versorgung des Lebensmitteleinzelhandels konnte gesichert werden. Speziell für die Spargel erzeugenden Betriebe wäre es wichtig, ein flexibles Modell zur Anstellung von Saisonarbeitskräften zu schaffen, um die heimische Produktion im Vergleich zu vor allem den osteuropäischen Mitbewerberländern konkurrenzfähig zu halten. Der Anbau von Biospargel gewinnt an Bedeutung.

Die Anbaufläche von Tiefkühlgemüse im Marchfeld nimmt leicht zu. Die Grünerbsen als wichtigste Kultur ist davon besonders betroffen Die Erträge waren auf sehr hohem Niveau. Alle anderen Tiefkühlgemüsekulturen wie Spinat, Bohnen, Karotten blieben im Anbauumfang annähernd gleich. Modernisierungsschritte im Anbau, bei der Ernte und im Verarbeitungswerk in Großenzersdorf konnten gemeinsam durch die ETG (Erzeugerorganisation) und ARDO umgesetzt werden. Dies wie auch das Aufgreifen von Alternativkulturen sollen dazu beitragen den Standort langfristig zu sichern. Auf Grund der guten Böden und ausgebauten Bewässerungsnetze für Feldgemüse sowie des technischen Know-hows der Anbauer bietet das Marchfeld gute Voraussetzungen für die Produktion von Tiefkühlgemüse.

Anbauflächen und Erträge

Die Anbauflächen haben sich 2011 um ca. 1000 ha erhöht. Steigerungen in der Anbaufläche erfolgten bei Erbsen und bei Zwiebeln. Geringe Flächenausweitungen gab es bei Karotten und bei Kürbissen. Bei allen Kulturen, die im Herbst zur Ernte kamen waren die Erträge überdurchschnittlich. Besonders hohe Erträge waren bei Zwiebeln, Karotten, Kraut, Speisekürbissen, Bohnen und Grünerbsen zu verzeichnen. Die Qualitäten des Erntegutes waren durchwegs gut. Die Lagerkapazitäten in NÖ kamen an ihre Grenzen zum Teil musste Erntegut am Feld belassen werden.

Gemüseanbaufläche Niederösterreichs im Jahr 2011 in ha in Relation zu Österreich (mit Mehrfachnutzung)

Österreich                 NÖ
Industriekraut incl. Rotkraut438200
Frisch- und Lagerkraut509195
Kraut insgesamt947395
Blattsalate1.549192
Chinakohl50332
Spinat601575
Karotten, Möhren1.7291.400
Rote Rüben211105
Salatgurken (Freiland u.Gewächsh.)19924
Industriegurken19710
Paradeiser (Freiland u. Gewächsh.)18523
Paprika, Pfefferoni1647
Zwiebeln3.2293.005
Grünerbsen1.7851.780
Pflückbohnen485380
Spargel506310
Sellerie313185
Speisekürbis383220
sonstige Gemüsearten3.172614
Feldgemüse gesamt 16.1589.257

Quelle: NÖ LK

Biologischer Anbau hat besonders bei Zwiebel und Karotten einen hohen Stellenwert im NÖ Anbau. AMA-Gütesiegel ist mittlerweile Standard in dem Gemüsebaubetrieben. Ca. 90 % des heimischen Gemüses in Niederösterreich werden nach Grundsätzen der Integrierten Produktion angebaut. Überdies sind Gemüsebaubetriebe mit verschiedensten Nachhaltigkeitskonzepten des Lebensmitteleinzelhandels konfrontiert. Eine Vereinheitlichung, die auch für den Konsumenten Transparenz schaffen könnte, wäre wünschenswert.

Gärtnerischer Gemüsebau

Die Hauptkulturen in der Produktion sind nach wie vor Paradeiser, Paprika und Gurke im Unterglasbereich. Kulturbeginn ist Mitte Jänner und Kulturende Dezember. Bereits im März können heimische Gurken angeboten werden. Paprika und Paradeiser aus heimischer Produktion sind in größeren Mengen ab April im Handel zu finden.

Die Produktionsmengen im Jahr 2011 waren unterdurchschnittlich. Ganz besonders wurde im heurigen Jahr ab Mitte Mai der Unterglasbereich, speziell aber die Gurkenproduktion von der EHEC Krise erfasst. Vergiftungen durch Shigatoxion des EHEC Stammes Serotyp O104 in Deutschland und die durch die deutschen Behörden ausgerufene Verzehrswarnung ließen den Gemüsekonsum für ein Monat zusammenbrechen. Nachwirkungen im Absatz waren das ganze Jahr zu spüren. In dieser Zeit war bemerkenswert festzustellen, dass der Absatz in der Direktvermarktung boomte und bevorzugt auf Gemüse mit dem AMA Gütesiegel gegriffen wurde.

Da der Lebensmittelhandel vermehrt bereit ist, Regionalbonus für die heimische Ware zu bezahlen, ist es derzeit möglich Paradeiser, Paprika und Gurken aus heimischer Produktion kostendeckend zu erzeugen.

weiterführende Links

Ihre Kontaktstelle des Landes für Gemüsebau

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Landwirtschaftsförderung, LF3
Landhausplatz 1, Haus 12
3109 St. Pölten
E-Mail: post.lf3@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-13604
Fax: 02742/9005-13535   
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