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Schiffsführung

Ein Fahrzeug muss unter der Führung einer hiefür befähigten sowie geistig und körperlich geeigneten Person (Schiffsführer) stehen. Zum Nachweis der Befähigung brauchen Sie einen von der Behörde ausgestellten Befähigungsausweis (auch Patent genannt).


Gesetzliche Grundlagen

7. Teil des Schifffahrtsgesetzes 1997 in der geltenden Fassung (§§ 116 -139) und Schiffsführerverordnung 2013 in der geltenden Fassung.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:

  • Befähigungsausweise für die Binnenschifffahrt:
    Grundsätzlich erforderlich zum Führen von Sportfahrzeugen mit einer Maschinenleistung ab 4,4 kW (= 6 PS). Es gibt verschiedene Berechtigungsstufen entsprechend dem Fahrzeug (Art, Länge) und der Art des Gewässers:
    • auf  Wasserstraßen, das sind die Donau mit ihren Nebengewässern (z. B. Donaukanal) und je ein kurzes Stück von Traun, Enns und March oder
    • auf  Binnengewässern (alle übrigen schiffbaren Gewässer)

Mit dem Internationalen Zertifikat für Führer von Sportfahrzeugen (ein inhaltlich gleiches Patent in englischer Sprache) können Sie auch auf ausländischen Wasserstraßen, Seen und Flüssen mit einem entsprechenden österreichischen Patent fahren. Dieses können Sie bei uns beantragen, wenn Sie Inhaber eines gültigen inländischen Patents sind. Die Aussendung des Zertifikats erfolgt durch die Österreichische Staatsdruckerei AG.

  • Befähigungsausweise für die Küsten- und Hochseeschifffahrt:
    Nur mit einem solchen Ausweis dürfen Sie auf dem Meer fahren.

    Gemäß Seeschifffahrtsgesetz ist die „via donau" für die Ausstellung von internationalen Zertifikaten für die Führung von Motorjachten oder/und Segeljachten mit bis zu 24m Länge und einer Bruttoraumzahl (BRZ) von weniger als 300 zuständig. Die Internationalen Zertifikate basieren auf den Empfehlungen der International Certificate for Operators of Pleasure Craft, kurz IC.
    Für weitere Informationen folgen Sie bitte dem in der Infobox angeführten Link „via donau, IC-Jachtführerscheine".

Arten der Befähigungsausweise für die Binnenschifffahrt

Folgende Arten von Befähigungsausweisen können ausgestellt werden (§ 2 Schiffsführerverordnung):

  • Kapitänspatent - Schifferpatent für die Binnenschifffahrt A:
    Berechtigung zur selbständigen Führung von Fahrzeugen jeder Art und Größe auf Wasserstraßen einschließlich Seeschifffahrtsstraßen und sonstigen Binnengewässern mit Ausnahme von Wasserstraßenabschnitten, für die besondere Streckenkenntnisse erforderlich sind
  • Kapitänspatent - Schifferpatent für die Binnenschifffahrt B:
    Berechtigung zur selbständigen Führung von Fahrzeugen jeder Art und Größe auf Wasserstraßen und sonstigen Binnengewässern mit Ausnahme von Wasserstraßenabschnitten, für die besondere Streckenkenntnisse erforderlich sind
  • Streckenzeugnis für die Donau:
    Berechtigung für Inhaberinnen und Inhaber von Kapitänspatenten und bestimmten anerkannten Befähigungsausweisen zur selbständigen Führung von Fahrzeugen gemäß dem Berechtigungsumfang des Befähigungsausweises auf Wasserstraßen, für die besondere Streckenkenntnisse erforderlich sind. In Österreich sind das die Streckenabschnitte von Tiefenbach bis Sankt Nikola an der Donau, von Melk bis Krems und von Wien-Freudenau bis zur österreichisch-slowakischen Staatsgrenze.
  • Kapitänspatent - Seen und Flüsse:
    Berechtigung zur selbständigen Führung von Fahrzeugen jeder Art und Größe auf Binnengewässern, ausgenommen Wasserstraßen
  • Schiffsführerpatent - 20 m:
    Berechtigung zur selbständigen Führung von Kleinfahrzeugen auf Wasserstraßen und sonstigen Binnengewässern sowie von Fahrgastschiffen, deren Länge, gemessen am Schiffskörper, weniger als 20 m beträgt, auf Binnengewässern, ausgenommen Wasserstraßen
  • Schiffsführerpatent - 20 m - Seen und Flüsse:
    Berechtigung zur selbständigen Führung von Kleinfahrzeugen sowie Fahrgastschiffen, deren Länge, gemessen am Schiffskörper, weniger als 20 m beträgt, auf Binnengewässern, ausgenommen Wasserstraßen
  • Schiffsführerpatent - 10 m:
    Berechtigung zur selbständigen Führung von Kleinfahrzeugen mit einer Länge bis zu 10 m auf Wasserstraßen und sonstigen Binnengewässern;
  • Schiffsführerpatent - 10 m - Seen und Flüsse:
    Berechtigung zur selbständigen Führung von Kleinfahrzeugen mit einer Länge bis zu 10 m auf Binnengewässern, ausgenommen Wasserstraßen.

Auf Antrag kann der Berechtigungsumfang von Befähigungsausweisen eingeschränkt werden (z.B. auf bestimmte Gewässer). Die entsprechende Einschränkung muss der Antragsteller aber unbedingt schon vor Beginn der theoretischen Prüfung bekannt geben.

Ausnahmen vom Erfordernis eines Befähigungsausweises

In folgenden Fällen ist überhaupt kein Befähigungsausweis erforderlich:

  • Motorfahrzeuge mit einer Antriebsleistung von weniger als 4,4 kW (ausgenommen Schulungszwecke und gewerbliche Schifffahrt)
  • ausländische Führer von ausländischen Fahrzeugen in bestimmten Fällen (allerdings ist hier ein entsprechendes ausländisches Dokument vorzulegen)
  • bei Vorhandensein eines Befähigungsausweis für den Bodensee beim Fahren auf Binnengewässern (aber nur Binnengewässer ausgenommen Wasserstraßen)
  • geschleppte und geschobene Fahrzeuge, Beiboote
  • Ruderfahrzeuge (ausgenommen Rafts, gewerbsmäßigen Schifffahrt)
  • Segelfahrzeuge
  • Flöße (ausgenommen Schulungszwecke, gewerbliche Schifffahrt)

Der Schiffsführer muss auch in diesen Fällen nautische Kenntnisse und Kenntnisse der Verkehrsvorschriften entsprechend dem Gewässer und dem Fahrzeug besitzen.

Erwerb des Befähigungsausweises

Sie müssen eine Prüfung bei der für das jeweilige Patent zuständigen Behörde ablegen, soweit Sie die Antrittsvoraussetzungen erfüllen.

Zuständige Behörden

  • Das Kapitänspatent - Schifferpatent für die Binnenschifffahrt A und B, das Steckenzeugnis für die Donau und das Schiffsführerpatent - 20 m:
    die Oberste Schifffahrtsbehörde
    (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, 1031 Wien, Radetzkystraße 2)

  • Das Kapitänspatent für Seen und Flüsse,
    das Schiffsführerpatent 20m für Seen und Flüsse und
    das Schiffsführerpatent 10m für Seen und Flüsse:
    jeder Landeshauptmann (nach freier Wahl)

  • Schiffsführerpatent - 10m:
    Landeshauptmann von Niederösterreich, Landeshauptmann von Oberösterreich oder
    Landeshauptmann von Wien (nach freier Wahl)

Bei der NÖ Schifffahrtsbehörde fallen fast nur Prüfungen der beiden Schiffsführerpatente 10 m an. Um die Übersicht zu erhöhen, wird in Folge nur mehr auf diese beiden Patente eingegangen.

Falls Sie Fragen zu einem anderen Patent haben, werden Sie ersucht, sich an die jeweils zuständige Schifffahrtsbehörde zu wenden.

Antrittsvoraussetzungen

  • Alter: Vollendung des 18. Lebensjahres
  • Geistige und körperliche Eignung: ärztliches Zeugnis (nicht älter als 3 Monate); kann entfallen, wenn ein gültiger KFZ-Führerschein vorliegt
  • Persönliche Verlässlichkeit: Strafregisterbescheinigung (nicht älter als 3 Monate); kann entfallen wenn ein gültiger KFZ-Führerschein vorliegt
  • Nachweis über die Ausbildung in "Lebensrettenden Sofortmaßnahmen" : kann entfallen, wenn ein gültiger KFZ-Führerschein (ausgestellt nach dem 1.1.1973) vorliegt.

Im Normalfall besuchen Sie eine Schiffsführerschule, die sich um die Vorlage der Einreichunterlagen und einen Prüfungstermin kümmert !

Einreichunterlagen

Im "Standardfall" (Schiffsführerpatent  - 10m) müssen Sie folgende Unterlagen vorlegen:

  • Schriftlicher Antrag auf Zulassung zur Schiffsführerprüfung (Es gibt hier ein Formular das bei den Schulen aufliegt)
  • beidseitige Kopie des KFZ-Führerscheines
  • 1 Lichtbild
  • wenn der Führerschein vor dem 1.1.1973 ausgestellt wurde, muss extra ein Nachweis über die Absolvierung eines Kurses für "Lebensrettende Sofortmaßnahmen" vorgelegt werden
  • Nachweis über einen allenfalls vorhandenen akademischen Grad
  • Ärztliches Gutachten auf Basis eines anerkannten medizinischen Tests (Farnsworth Panel D15 oder aus medizinischer Sicht gleichwert) über das ausreichende Farbunterscheidungsvermögen

Vorgangsweise bei der Schiffsführerprüfung

Die erforderlichen Kenntnisse können Sie durch Besuch eines entsprechenden Kurses bei einer Schifffsführerschule (sh. Infobox) erwerben. Diese sorgt auch für Ihre Anmeldung zur Prüfung.

Die Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil; sie wird von einer Prüfungskommission abgenommen.

Die theoretische technische Prüfung erstreckt sich insbesondere auf folgende Fachgebietsgruppen:

  • Gewässerkunde, Gewässermerkmale
  • Navigation; Manövrieren und Führen des Fahrzeuges
  • Bau und Stabilität des Fahrzeuges
  • Schiffsmaschinen
  • Verhalten unter besonderen Umständen

Die theoretische rechtliche Prüfung erstreckt sich insbesondere auf folgende Fachgebietsgruppen:

  • Schifffahrtszeichen
  • Schallzeichen
  • Lichterführung, Tag- und Nachtbezeichnungen
  • Allgemeine Fragen zu Wasserstraßen
  • Allgemeine Fragen zu Seen und Flüssen...

Die praktische Prüfung erstreckt sich auf die Bedienung und Führung des Prüfungsfahrzeuges sowie die Anwendung der theoretischen Kenntnisse in der Praxis; sie ist für Befähigungsausweise, die zur Schiffsführung auf Wasserstraßen berechtigen, auf Wasserstraßen und in jedem Fall an Bord eines Fahrzeuges abzuhalten, das in seiner Art, Größe und Antriebsleistung dem Berechtigungsumfang des beantragten Befähigungsausweises in einer Weise entspricht, welche die Beurteilung der praktischen Kenntnisse ermöglicht.

Der Bewerber hat für die Beistellung des erforderlichen Fahrzeuges, eines Schiffsführers und einer geeigneten Schifffahrtsanlage zu sorgen und die damit verbundenen Kosten zu tragen.

Die praktische Prüfung umfasst insbesondere:

  • Fahrzeugkunde
  • Sicherheitskontrolle am Fahrzeug
  • Durchführung einer Prüfungsfahrt mit An- und Ablegen am Steg, Wenden, Achter fahren, Höhe halten/lavieren, Ring-über-Bord-Manöver
  • Knotenkunde

Eine nicht bestandene theoretische Prüfung darf frühestens nach zwei Wochen wiederholt werden, eine nicht bestandene praktische Prüfung frühestens nach zwei Wochen, längstens jedoch innerhalb eines Jahres nach erfolgreicher Ablegung der theoretischen Prüfung bei sonstiger Ungültigkeit.

Schiffsführerpatent bis 10 m - konkrete Prüfungsinhalte

Wenn Sie das Schiffsführerpatent bis 10 m erwerben wollen haben wir für Sie die wesentlichen Prüfungsinhalte zusammengestellt (siehe pdf-Dokument "Wesentliche Prüfungsinhalte" in der Info-Box).

Kosten

An Gebühren (Verwaltungsabgabe, feste Gebühren und Prüfungstaxe) fallen an:

a) € 71,20 für das Schiffsführerpatent 10m - Seen und Flüsse
b) € 91,20 für das Schiffsführerpatent 10m (Wasserstraßen, Seen und Flüsse)
c) € 115,10 für das Schiffsführerpatent 20m Seen und Flüsse
d) € 214,10  für das Kapitänspatent - Seen und Flüsse

Das Schiffsführerpatent besitzt das Format einer Scheckkarte. Die österreichische Staatsdruckerei druckt - ähnlich wie beim KFZ-Führerschein - das Patent. Sie stellt es Ihnen nach bestandener Prüfung per Nachnahme in einem Zeitraum von einigen Wochen direkt zu. Die dafür anfallenden Kosten (derzeit € 25,40) werden per Nachnahme bei der Zustellung eingehoben.

Wird zusätzlich das internationale Patent (wortident in englischer Sprache) beantragt, so fallen zusätzlich feste Gebühren in Höhe von € 14,30 an. Für die Herstellung des Internationalen Patentes sind bei Zustellung per Nachnahme ebenfalls € 25,40 zu entrichten.


Weiterführende Informationen

Ihre Kontaktstelle des Landes für Schifffahrtsangelegenheiten

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Wasserrecht und Schifffahrt (WA1)
E-Mail: post.wa1.schifffahrt@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-9075, Fax: 02742/9005-16070

3430 Tulln, Minoritenplatz 1

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Letzte Änderung dieser Seite: 18.08.2015

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