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Landesgeschichte


Von den Anfängen bis zu den Babenbergern

Das Gebiet des heutigen Niederösterreich war seit der Antike von Kelten, Römern, Germanen und Slawen kulturell und religiös geprägt worden, wobei das keltische Königreich Noricum und die römischen Provinzen Noricum und Pannonien räumliche Bezüge geboten hatten.

Allerdings können erst die karolingische Mark des 9. Jahrhunderts und die gegen Ende des 10. Jahrhunderts errichtete Mark der Babenberger, die ein Bestandteil des Herzogtums Bayern war, als tatsächlicher territorialer Beginn des heutigen Bundeslandes gesehen werden. In die Zeit der Babenberger fällt der systematische Landesausbau durch Kolonisierung, Kloster- und Stadtgründungen.

1156 wurde Österreich, bestehend aus Nieder- und Oberösterreich, von Bayern getrennt und zum eigenen Herzogtum erhoben. Damit besaß es alle Funktionen eines Landes im mittelalterlichen Sinne.

Als die Babenberger 1246 ausstarben, kam der böhmische König Otakar (Ottokar) II. Přemysl in seinen Besitz. Ottokars Bedeutung für den weiteren Landesausbau darf nicht unterschätzt werden. 



Unter den Habsburgern

Das Werk wurde ab 1282 von den Habsburgern fortgesetzt, wobei Niederösterreich mit seiner Hauptstadt Wien als Erzherzogtum Österreich unter der Enns im Laufe der Zeit immer mehr an geopolitischer Bedeutung gewann. Schließlich wurde es zum Zentrum des seit Beginn des 16. Jahrhunderts um die böhmischen und ungarischen Länder erweiterten habsburgischen Besitzkomplexes und, da die Habsburger seit dem 15. Jahrhundert auch römische Kaiser und deutsche Könige waren, praktisch auch des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Dieser Umstand führte allerdings auch zu wiederholten Heimsuchungen des Landes durch Kriege, von denen hier vor allem die Invasionen des Ungarnkönigs Matthias Corvinus im 15. Jahrhundert, der Schweden während des Dreißigjährigen Krieges (1645/46), der Türken 1529 und 1683, der Kuruzzen zu Beginn des 18. Jahrhunderts sowie die Einfälle der Preußen - zuletzt 1866 - und vor allem die französischen Kriegszüge von 1805 und 1809 zu nennen sind.

Zugleich fand in Niederösterreich aber auch eine kulturelle Entwicklung statt, die in der Barockzeit einen Höhepunkt erfuhr: Kloster- und Schlossbauten entstanden, die bis heute das Bild des Bundeslandes prägen.

Im 19. Jahrhundert erfolgte im Rahmen der Industrialisierung ein rasanter Ausbau der Infrastruktur des Landes. Die Eisenbahnsysteme der Monarchie konzentrierten sich auf Wien, und im Viertel unter dem Wienerwald entstanden erste Industriezonen. Darüber hinaus wurde das Land durch die Stadt Wien zum Zentrum der Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie zum Kristallisationspunkt des geistigen und künstlerischen Potentials Mitteleuropas.



Erste Republik

Als die österreichisch-ungarische Monarchie 1918 zerfiel, wurde Niederösterreich das größte und bevölkerungsreichste Bundesland der Republik Österreich. Um eine Dominierung des neuen Staates durch ein Land zu verhindern, aber auch aus innenpolitischen Gründen, beschloss man, Niederösterreich und Wien zu trennen und zwei neue Bundesländer zu schaffen. Die Trennung erfolgte mit 1. Jänner 1922, und Niederösterreich verlor damit seine Hauptstadt. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen behielten die Landesverwaltung und der Landtag aber ihren Sitz in den historischen Gebäuden in der Wiener Herrengasse.

Niederösterreich war 1918 auch Grenzland geworden; die neuentstandene Tschechoslowakei forderte die Abtretung niederösterreichischen Gebietes und bekam diese im sogenannten Frieden von St. Germain auch zugesprochen: Die Stadt Feldsberg musste abgetreten werden, und eine Reihe von Ortschaften im nordwestlichen Waldviertel gingen verloren, weil die Tschechen den Bahnknotenpunkt bei Gmünd beanspruchten.



Drittes Reich

Als Österreich 1938 an das Deutsche Reich angeschlossen wurde, blieb Wien auch weiterhin Verwaltungssitz, obwohl Krems an der Donau formell zur Gauhauptstadt erhoben worden war. Der Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland bedingte auch ein Verschwinden aller Bezüge auf Österreich: Niederösterreich wurde in "Niederdonau" umbenannt. Nach der Okkupation der Tschechoslowakei durch Hitler kamen die 1919/20 abgetretenen Gebiete wieder an Niederösterreich. Diese territorialen Veränderungen wurden 1945 natürlich wieder rückgängig gemacht.



Besatzungszeit

Der Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 war vor allem in Ostniederösterreich mit schweren Heimsuchungen verbunden. Bombardierungen, Kampfhandlungen, Zerstörungen, Plünderungen und Vergewaltigungen, gefolgt von einer jahrelangen sowjetischen Besatzung, machten den Wiederaufbau sehr schwierig. Erst als die Sowjets 1955 nach Abschluss des Staatsvertrages abzogen, war eine freie politische und ökonomische Entwicklung möglich.



Zweite Republik

Niederösterreich musste zunächst einen Aufholprozess durchmachen, der erst in den Siebzigerjahren zu einem annähernden Gleichziehen mit jenen Bundesländern führte, die unter westalliierter Besatzung gestanden waren. Im Zuge dieser Entwicklung setzte eine rapide Veränderung der Wirtschafts- und Sozialstruktur des Landes ein: Der Anteil der Landwirtschaft sank entscheidend, während der Dienstleistungs- und der Industriesektor enorm anwuchsen. Dies bedingte auch einen immer stärkeren Einfluss der Ballungszentren Wien und Linz. Das Fehlen einer Landeshauptstadt machte sich immer stärker bemerkbar, weshalb sich der Landtag 1986 nach einer Volksbefragung entschloss, St. Pölten zur Landeshauptstadt zu erheben und dort ein neues Regierungsviertel zu errichten. Im Jahr 1997 erfolgte die Übersiedling des Landtages, der Landesregierung und der Landesverwaltung von Wien nach St. Pölten.



Literatur (Überblicksdarstellungen, Auswahl ):

  • Beiträge zur Geschichte der niederösterreichischen Statthalterei. Die Landeschefs und Räthe dieser Behörde von 1501 bis 1896. Mit den Wappen und zahlreichen Lichtdruckbildnissen der Landeschefs. - Selbstverlag d. k. k. Niederösterreichischen Statthalterei (Wien 1897).

  • BEZEMEK, Ernst: Der Landtag von Niederösterreich in den Jahren 1969 - 1995. 75 Jahre Landtag von Niederösterreich. - Amt d. NÖ Landesregierung, Landtagskanzlei (Wien 1995).

  • BRUCKMÜLLER, Ernst: Sozialgeschichte Österreichs.- Verlag f. Geschichte u. Politik / R. Oldenbourg Verlag (Wien / München 22001).

  • Das Bundesland Niederösterreich. Seine verfassungsrechtliche, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung im ersten Jahrzehnt des Bestandes. 1920 - 1930. Hrsg. NÖ Landesregierung (Wien 1930).

  • Die Erzdiözese Wien und ihre Geschichte. - Edition du Signe (Strasbourg) 
    Heft 1:    Johann WEISSENSTEINER,  Von der Antike bis zum Ende der Babenberger (1995).
    Heft 2/1: Annemarie FENZL: Von König Ottokar zu Rudolf IV., dem Stifter. Im Brennpunkt: St. Stephan zu Wien  (1997).
    Heft 2/2: Annemarie FENZL: Von Rudolf IV. zu Kaiser Friedrich III. (1998).

  • FEIGL, Helmuth: Die niederösterreichische Grundherrschaft. Vom ausgehenden Mittelalter bis zu den theresianischen Reformen = Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich 16 (Wien 21998).

  • Geschichte der katholischen Kirche. Hrsg. Josef LENZENWEGER. - Styria (Graz 31995).

  • Geschichte der österreichischen Land- und Forstwirtschaft im 20. Jahrhundert
    Band 1: Politik - Gesellschaft - Wirtschaft. Hrsg. Franz LEDERMÜLLER. - Ueberreuter Verlag (Wien 2002).
    Band 2: Regionen - Betriebe - Menschen. Hrsg.: Ernst BRUCKMÜLLER / Ernst HANISCH / Roman SANDGRUBER: - Ueberreuter Verlag (Wien 2003).

  • GUTKAS, Karl: Geschichte des Landes Niederösterreich (61983).

  • GUTKAS Karl: Geschichte Niederösterreichs = Geschichte der österreichischen Bundesländer. Hrsg. Johann RAINER. - Verlag für Geschichte und Politik (Wien 1984).

  • KAMMERHOFER, Leopold: Niederösterreich zwischen den Kriegen. Wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung von 1918 bis 1938. - Grasl (Baden 1987).

  • Landeschronik Niederösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Hrsg. Karl GUTKAS. - Brandstätter (Wien 21994).

  • LIND, Christoph: "Der letzte Jude hat den Tempel verlassen". Juden in Niederösterreich 1938 bis 1945 = Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von den Anfängen bis 1945, Band 4. - Mandelbaum-Verlag (Wien 2004).

  • Niederösterreich im 20. Jahrhundert. Eine Publikation des NÖ Landesarchivs. 3 Bände. - Böhlau (Wien / Köln / Weimar).

  • Niederösterreich: Land im Herzen - Land an der Grenze Hrsg. Michael DIPPELREITER = Geschichte der Österreichischen Bundesländer seit 1945, Band 6 = Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg 6/6. - Böhlau Verlag (Wien / Köln / Weimar 2000).

  • Niederösterreichische Wirtschaftschronik. GFW Verlag (Wien 1994).

  • Österreichische Geschichte. 15 Bände Hrsg. Herwig WOLFRAM. - Ueberreuter (Wien 1994 - 2006).

  • REINGRABNER, Gustav: Protestanten in Österreich. Geschichte und Dokumentation. - Böhlau (Wien / Köln / Graz 1981).

  • RIEPL, Hermann: Fünfzig Jahre Landtag von Niederösterreich. - Amt der Niederösterreichischen Landesregierung (Wien)
    1. Band: Der Landtag in der Ersten Republik (1972).
    2. Band: Der Landtag in der Zweiten Republik. 1945 - 1970 (1973).

  • SCHRAGL, Friedrich: Geschichte der Diözese St. Pölten. - NÖ Pressehaus (St. Pölten / Wien 1985).

  • Sowjets, Schwarzmarkt, Staatsvertrag. Stichwörter zu Niederösterreich 1945-1955. Hrsg. Stefan EMINGER / Ernst LANGTHALER - Niederösterreichisches Pressehaus (St. Pölten / Wien / Linz 2005).

  • STAUDINGER, Barbara: "Gantze Dörffer voll Juden". Juden in Niederösterreich 1496-1670 = Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von den Anfängen bis 1945, Band 2. - Mandelbaum-Verlag (Wien 2005).

  • TOMEK, Ernst: Kirchengeschichte Österreichs. 3 Bände. - Tyrolia Verlag (Innsbruck 1935-1959).

  • VANCSA, Max: Geschichte Nieder- und Oberösterreichs. 2 Bände = Allgemeine Staatengeschichte 3 / Deutsche Landesgeschichten 6. - Perthes (Gotha 1905, 1927).

  • WAGNER, Manfred: Niederösterreich. 3 Bände. - Böhlau (Wien / Köln / Weimar 2004 - 2006)
    Band 1: Menschen und Gegenden (2004)
    Band 2: Niederösterreich uns seine Künste (2004)
    Band 3: Niederösterreich und seine Kulturen (2006)

  • Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934 - 1945. Eine Dokumentation. 3 Bände. Hrsg. Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (Wien 1987).

  • Wirtschaftsgeschichte des Waldviertels. Red. Herbert KNITTLER = Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes 47. - Waldviertler Heimatbund (Horn / Waidhofen a. d. Thaya 2006).


Weiterführende Informationen

Publikationen

Publikationen zum gewählten Thema finden Sie hier.

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Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung NÖ Landesarchiv und NÖ Landesbibliothek
Mag. Dr. Willibald Rosner E-Mail: post.k2institut@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-12059, Fax: 02742/9005-12052

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Letzte Änderung dieser Seite: 03.04.2013

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