Der Biber (Castor fiber)

Durch sein natürliches Verhalten (z.B. Dammbauten, Röhren, Nagetätigkeiten) kommt es zu Interessenskonflikten mit Nutzungsansprüchen in der Kulturlandschaft.

Im gesamten niederösterreichischen Landesgebiet leben derzeit rund 5000 Biber. Für die Sicherung menschlicher Nutzungsansprüche können aufgrund der Bibertätigkeiten zum Teil erhebliche Mehrkosten entstehen.

Um Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit diesem Wildtier zu unterstützen und damit auch das Verständnis für das Zusammenspiel unterschiedlicher öffentlicher Interessen zu schärfen, wurde die Wildtierhotline eingerichtet.

Aktuelle rechtliche Grundlagen finden Sie unter Rechtliche Grundlagen für den Artenschutz sowie unter Weiterführende Links, am Ende der Seite.

Maßnahmen - Umgang mit Biberaktivitäten

Geltungsbereich der NÖ Biberverordnung (grün) sowie Ausschlußflächen gemäß §1 Abs. 2 NÖ Biberverordnung (blau schraffiert)
Geltungsbereich der NÖ Biber-Verordnung 2019 (grün) sowie Ausschlussflächen gemäß §1 Abs. 2 NÖ Biber-Verordnung 2019 (blau schraffiert)

Die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Biber sind unter dem Menüpunkt Rechtliche Grundlagen für den Artenschutz abrufbar.

Die Lebensweise des Bibers mit seinen Nage-, Grab- und Dammbautätigkeiten kann in Widerspruch zu anderen Interessen stehen - Präventionsmaßnahmen können zu einem Interessensausgleich beitragen. Unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen die Bestimmungen des § 20 Abs. 4 NÖ Naturschutzgesetz 2000 (NÖ NSchG 2000) auch Ausnahmebewilligungen für über Prävention hinausgehende Maßnahmen. 

In weiten Teilen des Landes Niederösterreich gelten zudem die Bestimmungen der NÖ Biber-Verordnung 2019, welche unter bestimmten Umständen ebenfalls einen über Prävention hinausgehenden Eingriff ermöglicht. Der Geltungsbereich der NÖ Biber-Verordnung 2019 kann über den NÖ-Atlas auch detaillierter eingesehen werden. Eingriffsmöglichkeiten sind in § 2 der NÖ Biber-Verordnung 2019 geregelt.

Wenn durch Biber Gefährdungen oder Schäden verursacht werden, die durch Prävention nicht bewältigt werden können, hat das Land NÖ rechtliche Voraussetzungen geschaffen, um zusätzliche Maßnahmen (z.B. Entfernen von Biberdämmen, Eingriff in die Biberpopulation) umsetzen zu können.

Verfahrensablauf - Ausnahmebewilligung nach § 20 Abs. 4 NÖ NSchG 2000

  1. Präventionsmaßnahme nicht möglich/zielführend
  2. Antragstellung an das Amt der NÖ Landesregierung - Abteilung Naturschutz
  3. Verfahrensführung unter Berücksichtigung eines Sachverständigengutachtens & Bescheiderlassung durch das Amt der NÖ Landesregierung - Abteilung Naturschutz

Verfahrensablauf - NÖ Biber-Verordnung 2019

  1. Präventionsmaßnahme nicht möglich/zielführend
  2. Bei geplantem Eingriff in die Population: Informationseinholung über die Eingriffsmöglichkeit in die Biber-Population 
  3. Kontaktaufnahme durch Betroffene mit sachkundigem Organ – Dokumentationen über Präventionsmaßnahmen und Biberrevier sind bereitzuhalten (Formulare in Kürze im Downloads-Bereich verfügbar)
  4. Beratung durch sachkundiges Organ bezüglich Vorliegen der Kriterien gemäß NÖ Biber-Verordnung 2019
  5. Am Tag des Eingriffs: aktuelle Informationseinholung über die Eingriffsmöglichkeit in die Biber-Population 
  6. Meldung über den Eingriff an das Amt der NÖ Landesregierung Abteilung Naturschutz

Sowohl aus § 20 Abs. 4 NÖ NSchG 2000 als auch aus § 1 Abs. 4 der NÖ Biber-Verordnung 2019 ergibt sich, dass immer mit dem gelindesten zum Ziel führenden Mittel vorzugehen ist. Hilfestellungen für situationsangepasste Maßnahmen sind in den folgenden Praxisblättern zu finden.

benagter Baum

Die Nagetätigkeit des Bibers dient hauptsächlich dem Nahrungserwerb des Bibers, wenn andere Nahrungsquellen (krautige Pflanzen, Jungtriebe) weitgehend ausfallen. Das heißt, genagt wird vor allem in der kühleren Jahreszeit außerhalb der Vegetationsperiode ab September wenn frisches Grünfutter zunehmend fehlt. Um ausreichend Futter (Zweige, Rinde) zu bekommen, werden Bäume auch gefällt und unter Umständen sogenannte Nahrungsflöße in stehenden Gewässern angelegt. Im Gegensatz dazu dienen Baumfällungen in der wärmeren Jahreszeit vorwiegend der Gewinnung von Baumaterial für seine Dämme. Einzelbäume können effektiv mittels Gitterung oder Schutzanstrich vor Nagetätigkeiten des Bibers geschützt werden.

 

Loch nach Bibergrabung

Graben ist ein natürliches Verhalten des Bibers, um Baue oder Fluchtröhren anzulegen. Gegraben wird in der Regel unter dem Wasserspiegel vom Wasser in Richtung Land, wodurch in vielen Fällen solche Grabtätigkeiten unbemerkt bleiben. Problematisch sind Biberröhren vor allem dort, wo sie unterhalb von Nutzflächen (Wege, landwirtschaftliche Nutzflächen, Siedlungsbereiche) angelegt werden. Einbrüche von Maschinen, Weidetieren und Menschen, Beschädigung von kommunaler Infrastruktur, Destabilisierung oder Funktionseinschränkung von Dämmen können die Folge sein.
Dort wo oben angeführte Rahmenbedingungen nicht vorliegen, kann ein Biberrevier zu einer naturnahen Entwicklung von Gewässern (zB Verbesserungen für Fische und Kleinlebewesen) sowie einem verlangsamten Hochwasserabfluss führen. Häufig ist es auch wirtschaftlicher, die Uferanrisse zu belassen und nur gegen weitere Ausschwemmung zu sichern.

Folgende Maßnahmen sind im Umgang mit den Folgen der Grabtätigkeiten von Bibern möglich:

Hund im Wald

Meistens kommt es gar nicht zu einem direkten Aufeinandertreffen von Mensch & Biber. Sollten Menschen, mit oder ohne Haustieren, doch auf Biber treffen, verlaufen diese Kontakte in der Regel aber problemlos. Dennoch sind Biber Wildtiere und müssen als solche respektiert und in Ruhe gelassen werden. Einige Regeln bzw. Verhaltensweisen helfen zusätzlich beim reibungslosen Zusammenleben.

angefressenes Maisfeld

Biber nutzen ein breites Spektrum von Nahrungspflanzen und benötigen als erwachsenes Tier rund 1,5 Kilogramm Futter (auch abhängig von der Futterqualität) pro Tag. Neben Gehölzen, die vor allem in der kühleren Jahreszeit genutzt werden, bieten Feld- und Gartenpflanzen sowie krautige Vegetation entlang von Wasserläufen dem Biber weitere Nahrung. Da Biber meistens nur einen 10-20 Meter breiten Streifen entlang von Gewässern nutzen sind allfällige Fraßspuren im überwiegenden Fall auch nur im Nahbereich eines Gewässers zu beobachten. Unter Umständen können die Tiere auch in deutlich größerer Entfernung vom Gewässer Nahrung suchen. Dabei spielen jedoch viele Faktoren eine Rolle, wie etwa in Gewässernähe verfügbare Nahrung, Nahrungsqualität und –attraktivität oder auch die  Gewässerstruktur um nur einige Beispiele zu nennen. Fix- oder Elektrozäune sowie Nutzungsänderungen können den Nahrungserwerb des Bibers in Feldfrüchten oder Gärten hintanhalten oder das diesbezügliche Risiko stark reduzieren.

Biber gestalten sich ihren Lebensraum so wie sie ihn brauchen. Sollten Wasserstände für Biberansprüche zu niedrig sein, vor allem um den Eingang zur Biberburg unter Wasser zu halten, werden Dämme errichtet (Unterscheidung Wohndamm und Erntedamm). Biber brauchen dazu eine Wassertiefe von ~80 cm. 

Mögliche Folgen von Biberdämmen
Mögliche Folgen von Biberdämmen - eingestaute Felder, Wege oder Schächte


Bei Problemen mit hohen Wasserständen können folgende Maßnahmen Abhilfe schaffen: 

 

Biberdamm

Wo Wasser mit zu geringer Tiefe fließt versuchen Biber eine Mindesttiefe von ~80 Zentimeter oder mehr herzustellen. Dafür werden auch immer wieder Durch- oder Abflüsse verbaut. Abflussrohre in Retentionsbecken, Durchlassbauwerke an Straßen, Dämmen oder Brücken wie auch Mönche in Teichanlagen sind einige Beispiele für mögliche, für den Biber leicht verschließbare Bereiche. Diese Bereiche können durch Gitterkörbe, Drainagerohre oder Gitterabdeckungen vor Verstopfung geschützt werden.

Biberschutzzaun

Unter bestimmten Vorrausetzungen können  auch Eingriffe in die Population erfolgen.

Voraussetzung dafür ist, sofern nicht die NÖ Biber-Verordnung 2019 zur Anwendung kommen kann, gemäß § 20 NÖ Naturschutzgesetz 2000 eine gesonderte Bewilligung (Bescheid).

Ob ein Grundstück in den Geltungsbereich der NÖ Biber-Verordnung 2019 fällt ist im NÖ Atlas ersichtlich.


Logoleiste
weiterführende Links
Downloads

Ihre Kontaktstelle des Landes für Naturschutz

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Landhausplatz 1, Haus 16 3109 St. Pölten E-Mail: post.ru5@noel.gv.at   
Tel: 02742 / 9005 - 15237
Fax: 02742 / 9005 - 15220
Letzte Änderung dieser Seite: 3.12.2019
© 2020 Amt der NÖ Landesregierung