100 Jahre „Die Csárdásfürstin“

Am 17. November 1915 feierte die Operette „Die Csárdásfürstin" von Emmerich Kálmán (1882, Siófok -1953, Paris) Premiere.

Vor genau 100 Jahren, am 17. November 1915, feierte die Operette „Die Csárdásfürstin" von Emmerich Kálmán (1882, Siófok -1953, Paris), Premiere.

Mit über 72 Aufführungen en-suite sollte die „Csárdásfürstin" zu dem Publikumshit auf den Wiener Bühnen werden. Das Libretto, dessen ursprünglicher Titel „Es lebe die Liebe" gelautet hatte, stammte von Leo Stein (1861, Lemberg - 1921, Wien) und Bela Jenbach (1871, Miskolc - 1943, Wien). Die Uraufführung fand im Johann-Strauß-Theater, einem 1908 eröffneten Operettentheater in Wien- Wieden, Favoritenstraße 8, statt - einer heute nicht mehr existierenden Bühne, die 1959/60 abgerissen wurde.

In der Habsburgermonarchie mussten nach dem Zensurgesetz von 1850 bis 1918 sämtliche Bühnenwerke - Sprechstücke, Kabaretttexte und auch Operettenlibretti -der Zensurbehörde vorgelegt werden. Für die Erteilung von Aufführungsgenehmigungen an allen Wiener Privattheatern war die k.k. n.ö. Statthalterei in Wien als oberste Zensurbehörde zuständig und überprüften nach vorgegebenen Regeln die Texte auf etwaige zu streichende oder zu verändernde Stellen.

Das Libretto der „Csárdásfürstin", das unter dem ursprünglichen Titel „Es lebe die Liebe" der Zensur vorgelegt wurde,  spiegelt die Stimmung einer untergehenden Gesellschaftsordnung wider - wie lange der Globus sich noch drehen würde, war eine vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegsjahres und dem Zerfall und Zusammenbruch der Donaumonarchie eine durchaus ernsthafte Frage. „Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht,
Ob es morgen nicht schon zu spät!"
[1] singt Feri von Kerekes, ein vom Untergang der alten Weltordnung ebenso bedrohter Typ - „alter weissköpfiger, jovialer Ungar, Typus des Variétéliebhabers" [2] und  Graf Boni Káncsiànu , „ circa 34, Haar schon ein bisschen schütter, kleiner, schwarzer , aufgedrehter Schnurrbart, ungemein sympathisch"[3] meint „ Dieses ganze Jammertal ist für mich ein Nachtlokal" [4]

Die Zensurbehörde tat die Handlung als extrem unglaubwürdig ab und konzentrierte sich ausschließlich auf den Kanon der Zensur:  Entsprechend den Vorgaben- die Monarchie durfte nicht lächerlich gemacht werden und demzufolge war auch eine Verwendung realer Amtstitel nicht zulässig - wurde eine Verlegung des Schauplatzes ins Ausland empfohlen, wodurch auch die inkriminierte Bezeichnung „Sektionschef" entfallen würde. Ferner hätten die Offiziere Kostüme zu tragen, die sich „von der hierländischen Armee in Farbe und Schnitt wesentlich unterscheiden" sollten.[5]

Am eigentlichen Text der „Csárdásfürstin" hatte die Behörde nichts auszusetzen - in der zur Genehmigung eingereichten Fassung ist kein einziger Zensurstrich festzustellen.

Die Premiere am 17. November 1915 war ein rauschender Erfolg.

Der k.k. Oberkommissär Dr. Habizon, der als Beobachter der k.k. Polizeidirektion die Premiere besuchte und zu überwachen hatte, berichtete am nächsten Tag von der „...dank ihrer graziösen  Musik und ihrer vorzüglichen Darstellung ...sehr beifälligen Aufnahme" der Operette. Fast alle Gesangsnummern mussten wiederholt werden, womit sich die Vorstellung bis gegen 11 Uhr abends ausdehnte. Vom Zensurstandpunkte sei nichts Bemerkenswertes aufgefallen. 

Noch heute zählt die Csárdásfürstin" zu einer der beliebtesten Operetten und findet sich derzeit auch im Repertoire der Wiener Volksoper.


[1] NÖLA, Theaterzensur, TB 672/8 (alt 178/15), III. Akt, 98

[2] NÖLA, Theaterzensur, TB 672/8 (alt 178/15), I. Akt, 4

[3] NÖLA, Theaterzensur, TB 672/8 (alt 178/15), I. Akt, 4

[4] NÖLA, Theaterzensur, TB 672/8 (alt 178/15), III. Akt, 98

[5] NÖLA, NÖ Reg. Präs Theater ZA 1630/1915.


Literatur: Gertrude Langer-Ostrawsky, Theaterzensur im Ersten Weltkrieg. Ein ungehobener Schatz im Niederösterreichischen Landesarchiv. In: Fern der Front - mitten im Krieg. Niederösterreich 1914-1918. Hrsg. A. Doppler / S. Eminger / E. Loing. - Verlag der Provinz (St. Pölten 2014) S. 124-134.

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Letzte Änderung dieser Seite: 28.2.2017
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