11.09.2015 | 00:39

Halbjahresbilanz und Projektvorstellung der Schuldnerberatung NÖ

Schwarz, Androsch: Wollen überschuldeten Menschen helfen

Seit dem Jahr 1990 bietet die Schuldnerberatung Niederösterreich ver- und überschuldeten Personen, Familien und Haushalten kostenlos Hilfe und Beratung an, um ihnen ein Leben ohne Schulden zu ermöglichen. Im Zuge einer Pressekonferenz wurden heute in St. Pölten die aktuellen Entwicklungen im ersten Halbjahr 2015 dargestellt sowie mit dem „Betreuten Konto" und der „NÖ finanz-card" zwei neue Initiativen im Bereich der Begleitung und Verschuldensprävention vorgestellt.

„Es sind nur professionell ausgebildete Beraterinnen und Berater bei der Schuldnerberatung tätig, die die Betroffenen an der Hand nehmen und versuchen mit individuellen Ratschlägen zu begleiten. Wir wollen die finanzielle Not lindern und in weiterer Folge den Klientinnen und Klienten die wirtschaftliche Selbstständigkeit zurückgeben", sagte Landesrätin Mag. Barbara Schwarz. Dazu sei es ganz wichtig, dass die Schuldnerberatung eine gute Vertrauensbasis zu den Klientinnen und Klienten aufbaut. In diesem Zusammenhang bedankte sich die Landesrätin bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schuldnerberatung, die hier mit sehr viel Engagement mitarbeiten und mithelfen. 

Die Lage am Arbeitsmarkt sei angespannt, was man auch bei der Schuldnerberatung sehe, so Schwarz. „Die Durchschnittsverschuldung bezogen auf die Erstgespräche bei der Schuldnerberatung ist von 71.519 Euro im Jahr 2014 auf 82.063 Euro im Jahr 2015 gestiegen, was auch auf den Einbruch am Arbeitsmarkt zurückzuführen ist. Die Anzahl der betreuten Personen liegt bei 2.627, der Großteil davon ist zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt. Die Gründe der Verschuldung sind auf Arbeitslosigkeit, Trennung, Scheidung sowie Konkurs der eigenen Firma und das Konsumverhalten zurückzuführen", erinnerte die Landesrätin. Die Anzahl der Folgeberatungsgespräche sei gestiegen, „viele Klientinnen und Klienten lassen sich langfristig beraten". Unser gemeinsames Ziel sei es, dass die Menschen erst gar nicht in die Schuldenfalle geraten, führte die Landesrätin aus. „Deshalb setzen wir von der Schuldnerberatung auch Präventivmaßnahmen, wodurch wir im letzten Jahr etwa 6.000 Schülerinnen und Schüler erreicht haben", betonte Schwarz. Ein neues Projekt sei die „NÖ finanz-card", die als Instrument zur Prävention gratis angeboten werde. „Dabei wird eine erhöhte Fachkompetenz in Finanzfragen in zwei Stufen und fünf Modulen in Fachschulen, Neuen Mittelschulen und Polytechnischen-Schulen vermittelt. Die Inhalte sollen sich an die Lebenssituationen der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer richten, der Probebetrieb startet bereits jetzt im September in zwei Klassen der Neuen Mittelschule in Pernitz", so Schwarz.

„Wir können bei der Jugend eine Reduktion der Durchschnittsverschuldung feststellen", stellte Landesrat Ing. Maurice Androsch fest. Diese sehr erfreuliche Tendenz im Bereich der Jugendverschuldung sei auf die erfolgreiche Arbeit der Schuldnerberatung im Präventivbereich zurückzuführen. „Deshalb ist mit Juni 2015 auch das Projekt ‚Betreutes Konto‘ gestartet worden", sagte der Landesrat. Es gebe Menschen, „die mit dem Geld nicht so einfach umgehen können, deshalb existiert ja die Unterstützungshilfe der Schuldnerberatung", so Androsch.

Dieser Umstand könne sogar zu Problemen bei der Wohnungssicherung, bei der Abdeckung von Betriebskosten, Energiekosten etc., führen. Ein „Betreutes Konto" biete in diesem Zusammenhang eine gute Begleitung und Unterstützung. „Das ‚Betreute Konto\' können auch ältere Klientinnen und Klienten freiwillig in Anspruch nehmen, um die Wohnungskosten und Betriebskosten sicherstellen zu können. Es existiert dabei eine freiwillige Vereinbarung von Schuldnerberatung, den Organisationen, die im Hintergrund stehen, und dem Klienten. Es gibt dabei ein ‚Eingangskonto‘ und ein ‚Ausgangskonto‘, über das der Klient verfügt. Dies stellt keine Entmündigung und keine Besachwaltung des Klienten dar", betonte der Landesrat.

Michael Lackenberger, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Niederösterreich, sagte: „Die Insolvenzverfahren sind in Niederösterreich um 17,9 Prozent im ersten Halbjahr gestiegen, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schuldnerberatung sehr herausfordert, weil ein Antrag auf ein Schuldenregulierungsverfahren sehr arbeitsintensiv ist."                 

Nähere Informationen: Büro LR Schwarz, Mag. (FH) Dieter Kraus, Telefon 02742/9005-12655, e-mail dieter.kraus@noel.gv.at, bzw. Büro LR Androsch, Mag. Anton Heinzl, Telefon 02742/9005-12576, e-mail anton.heinzl@noel.gv.at.

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