04.08.2015 | 09:49

LR Pernkopf: „Böden sind unsere Lebensgrundlage und erbringen wichtige Ökosystemleistungen"

Rückhalt von Regenwasser durch gesunde Böden

Der Bodenverbrauch lag in Niederösterreich zwischen 2009 und 2011 bei durchschnittlich neun Hektar täglich, also 2.300 Hektar jährlich. Das entspricht etwa der Fläche von 55 landwirtschaftlichen Betrieben beziehungsweise der Fläche der Stadt Melk. In der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie ist für den Flächenverbrauch ein Zielwert festgelegt, der bundesweit eine Reduktion des jährlichen Bodenverbrauchs um 90 Prozent fordert. Auf Niederösterreich übertragen, würde der Zielwert bei etwa 300 Hektar pro Jahr liegen. „Unsere Böden sind unsere Lebensgrundlage und erbringen zahlreiche, wichtige Ökosystemleistungen. Nur intakte Böden können diese Funktionen gut erfüllen, deshalb ist ein sorgsamer und nachhaltiger Umgang mit unserem Boden ein so wichtiges Thema", erklärt Umwelt-Landesrat Dr. Stephan Pernkopf.

Asphaltierte, betonierte oder sonstige versiegelte Böden, können ihre natürlichen Funktionen nicht mehr erfüllen. Die Verdichtung der Böden kann beispielsweise durch den Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Maschinen begünstigt werden. Auch die Verwendung von Pestiziden und Düngemitteln beeinträchtigt das Bodenleben. Gestörte Böden können wesentlich weniger Wasser aufnehmen als gesunde Böden. 15 Hektar Boden gehen in Österreich täglich durch Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren. Auf diesen Flächen kann das Regenwasser nicht mehr versickern, sondern fließt oberflächlich in den Kanal oder nahegelegene Gewässer. Prasselt tagelang der Regen herab, können sich auch in kleinen Bächen richtige Sturzfluten bilden. Um Überflutungen und Hochwasser zu vermeiden, wird auf Retention gesetzt - also den Rückhalt des Regenwassers in großen Becken und die anschließende langsame Abgabe an Gewässer. Jeder Einzelne kann dazu einen Beitrag leisten.

Diese Maßnahme sollte nicht als Allheilmittel gesehen werden, sondern als ein Teil einer sinnvollen Regenwasserbewirtschaftung. Durch den Rückbau von befestigten Flächen wird Regenwasser schon dort, wo es anfällt, an den Boden abgegeben. Das Wasser von versiegelten Flächen kann hingegen über geeignete Einrichtungen, wie Schächte oder Mulden, im Untergrund versickern. Auch die Versickerung von Regenwasser im eigenen Garten hat zahlreiche Vorteile.

„Wenn Regenwasser im Garten versickert, wird damit auch das Grundwasser gespeist, der Wasserhaushalt von kleineren Gewässern positiv beeinflusst und der Kanal entlastet. Vor allem bei kleineren Gewässern kommt es durch die Versickerung zu einer Verbesserung des Hochwasserschutzes. Grundsätzlich ist deshalb in Niederösterreich die Versickerung von gering verschmutztem Regenwasser im eigenen Garten auch erwünscht", weiß Mag. Franz Maier, Leiter des Bereichs „Natur & Ressourcen" der Energie- und Umweltagentur NÖ.

Wichtig bei Versickerungsanlagen ist, dass der Boden ausreichend wasserdurchlässig ist, der Grundwasserschutz berücksichtigt wird und der Mindestabstand zu Gebäuden eingehalten wird. Da Niederschlagswasser von Dachflächen, Terrassen oder Abstellflächen immer mehr oder weniger stark verschmutzt ist, kommt der Reinigung des Wassers durch den Boden große Bedeutung zu. Eine direkte Einleitung von Regenwasser in einen Brunnen ist nicht zulässig, da eventuelle Verunreinigungen so das Grundwasser gefährden würden. Voraussetzung für die Versickerung im eigenen Garten ist, dass darauf geachtet wird, dass keine Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden.

Sickermulden müssen von der Fläche an die erwartete Regenmenge angepasst werden und bieten einen oberflächlichen Rückhalt für das Wasser. Bei sogenannten Rigolen wiederum wird unterhalb der Bodenschicht ein Speicherraum aus Schotter oder Kunststoffelementen angelegt, in dem das Wasser zwischengespeichert wird. Von dort erfolgt dann eine langsame Abgabe an den Boden und das Grundwasser. Aus Umweltschutzgründen ist die Versickerung über die belebte Bodenzone vorzuziehen, weil dabei eine Reinigung des Regenwassers erfolgt.

Entscheidend für die Reinigungsleistung ist der Aufbau der jeweiligen Versickerungseinrichtung. Neben einer rein mechanischen Filterung durch den Boden kommt es im Untergrund zu physikalischen und chemischen Abbauprozessen und natürlich auch zu einem biologischen Umbau durch Kleinstlebewesen. Mit Hilfe des Bodenlebens finden hier zahlreiche Abbauvorgänge statt. Versickerungsmulden sollten daher eine Bodenauflage von zumindest 30 Zentimeter aufweisen. Schotterböden sind hinsichtlich der Reinigungsleistung dagegen problematisch. Die geringe Oberfläche, der hohe Anteil an Grobporen und der niedrige Gehalt an organischer Substanz lassen Schadstoffe schnell in tiefere Schichten wandern.

Nähere Informationen: Büro LR Pernkopf, DI Jürgen Maier, Telefon 02742/9005-12705, e-mail j.maier@noel.gv.at, Energie- und Umweltagentur NÖ, Mag. (FH) Christine Sitter-Penz, Telefon 02742/219 19-137, e-mail christine.sitter-penz@enu.at, http://www.enu.at/, http://www.naturland-noe.at/.

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