11.04.2011 | 10:21

16. Museumstag in Neulengbach

Sobotka: „Museen sind Orte der Reflexion der eigenen Geschichte"

Gestern, Sonntag, 10. April, lud das Museumsmanagement Niederösterreich zum 16. Museumstag nach Neulengbach (Bezirk St. Pölten-Land), wo sich mehr als 200 MuseumskustodInnen mit Fragen zur Vermittlung von Zeitgeschichte in den niederösterreichischen Museen auseinander setzten. Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka nahm die Eröffnung der Veranstaltung vor und betonte: „Museen sind Orte der Sammlung, des Archivierens, der Vermittlung historischer Inhalte und Orte der Forschung sowie der Präsentation, um die Bedeutung von Geschehnissen in der Vergangenheit hervorzuheben. Museen haben die Funktion von Familienalben, die von Regionen, Städten und Märkten erzählen und unsere Geschichte weitergeben. Für viele Menschen sind Museen Orte der Reflexion der eigenen Geschichte."

Zum diesjährigen Themenschwerpunkt Zeitgeschichte wurde im Rahmen des NÖ Museumstages u. a. festgehalten, dass es in Österreich bzw. Niederösterreich ein auffallend großes Interesse am historischen Geschehen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte - insbesondere der Nachkriegszeit - gebe und dass in Niederösterreich zahlreiche Ausstellungen Fragen zu diesem historischen Geschehen zu beantworten suchten. Ein Beispiel dafür sei etwa die grenzüberschreitende NÖ Landesausstellung „Österreich. Tschechien. geteilt - getrennt - vereint", die 2009 in Horn, Raabs an der Thaya und Telč abgehalten wurde und bei der über 400.000 BesucherInnen begrüßt werden konnten. Ein großer Andrang sei auch bei der Ausstellung „Die 60er. Beatles, Pille und Revolte" zu verzeichnen gewesen, die im Vorjahr auf der Schallaburg gezeigt wurde. Auch Regionalmuseen, die zeitgeschichtliche Themen aufgreifen, würden über einen immer größer werdenden Besucherzustrom berichten. Beispiele hiefür seien die Sonderausstellung „Verdrängte Jahre" im 5e Museum in Waidhofen an der Ybbs oder auch die Ausstellung „Die jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt" im Stadtmuseum Wiener Neustadt, die noch bis zum 29. Mai dieses Jahres zu sehen ist.

Weiters wurde festgehalten, dass die Aufarbeitung zeitgeschichtlicher Themen veränderten Rahmenbedingungen unterworfen sei; nur mehr wenige ZeitzeugInnen stünden zur Verfügung, die etwa über die Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit Auskunft geben könnten. Man sei daher besonders an einer intensiven Zusammenarbeit mit diesen ZeitzeugInnen interessiert, um wertvolle Erlebnisberichte dokumentieren zu können. Archive, die einer 50 Jahre andauernden Archivsperre unterlagen, würden nun erstmals geöffnet und ausgewertet, auch neue Forschungsarbeiten würden durchgeführt, die die Nachkriegszeit und die AkteurInnen aus dieser Zeit in einem neuen Licht erscheinen ließen.

Im Rahmen des diesjährigen Museumstages gaben HistorikerInnen Einblick in Wissenschaft und Praxis. Zu den ReferentInnen, die Möglichkeiten der Ausstellung zeitgeschichtlicher Themen in Museen aufzeigten, gehörten zunächst Mag. Armin Laussegger und Mag. Philipp Lesiak vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgen-Forschung, die als Nachfolgeprojekt der NÖ Landesausstellung 2009 in Raabs an der Thaya ein Außeninstitut eingerichtet haben; aufgrund der erfolgreich abgewickelten Großausstellungen wie „Österreich ist frei" auf der Schallaburg 2005, „Österreich 1918 I 2008" im Parlament 2008 und der Niederösterreichischen Landesausstellung 2009, leistet das Institut mit seinem spezifischen Forschungs-Know-how Unterstützung bei Ausstellungsprojekten und agiert oftmals als Kooperationspartner bei regionalen Sonderausstellungen. Mag. Isabel Termini-Fridrich referierte über lebensgeschichtliche Erinnerungsarbeit im Museum, Dr. Johann Hagenhofer präsentierte das Projekt „Hochwolkersdorf - Gedenkraum 1945" und Dr. Margarete Kowall beschrieb ihre Erfahrungen mit zeitgeschichtlichen Projekten in Lilienfeld. Ingrid Riegler vom Stadtmuseum Wiener Neustadt und Mag. Eva Zankl vom Elementemuseum in Waidhofen an der Ybbs ergänzten das Tagungsprogramm mit ihren Erfahrungsberichten aus der Praxis.

Nähere Informationen: Museumsmanagement Niederösterreich, Telefon 02732/739 99, e-mail museen@volkskulturnoe.at, http://www.noemuseen.at/.

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