06.09.2006 | 15:21

12 Ziesel beziehen Gehege im Garten des NÖ Landesmuseums

Mit Zieseln werden hier erstmals lebende Säugetiere gezeigt

Das NÖ Landesmuseum in St. Pölten setzt sich auch für die Erhaltung bedrohter Tierarten ein. In diesem Sinne wird hier in erster Linie seltenen heimischen Fischen, Amphibien und Reptilien ein Zuhause geboten. In diesem Sommer nimmt man sich im Landesmuseum erstmals auch des Schutzes einer Säugetierart an, nämlich der Ziesel. Im Museumsgarten wurde während der letzten Wochen ein Zieselgehege errichtet, das bereits von fünf Exemplaren dieser kurzschwänzigen, tagaktiven Erdhörnchen bevölkert wird. Sieben weitere Tiere werden morgen, 7. September, um ca. 12.30 Uhr in ihrem neuen Zuhause ausgesetzt; interessierte BesucherInnen sind eingeladen, dieser Aktion beizuwohnen.

Ziesel, die 4 bis 6 Jahre alt werden und in der kalten Jahreszeit einen Winterschlaf halten, gelten heute als stark gefährdete Art. Dafür verantwortlich sind zum einen so genannte „Schwoaferl-Prämien“, die früher für jeden abgelieferten Zieselschwanz bezahlt wurden. Zum anderen hat sich auch der ursprüngliche Lebensraum der Tiere in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verändert. So wurden etwa Trocken- oder Halbtrockenrasen nach Auflassung der Weidewirtschaft bzw. nach Einstellung der Mahd vielfach in Äcker verwandelt bzw. aufgeforstet. Dabei wurden ehemals große Ziesel-Kolonien in viele kleine aufgesplittert, die sich auf Grund populationsgenetischer Gesetzmäßigkeiten kaum halten konnten. Rasenböschungen, Feld- und Wegraine, Dämme und dergleichen boten dem Ziesel nur noch kleinräumig bzw. zeitweise einen geeigneten Lebensraum.

Heute sind Ziesel oft mehr oder weniger geduldete Zaungäste von Golfern, Segelfliegern, Campern und Sportlern und leben demnach auf gehölzarmen, kurzrasigen Flächen, die dem ursprünglichen Lebensraum der Tiere sehr ähnlich sind.

Auch vom NÖ Naturschutzbund wird seit dem Vorjahr ein Projekt zum Schutz des Ziesels durchgeführt. Im Rahmen dieses Projekts wurden von April bis August 2005 180 Vorkommen von Zieselpopulationen in Niederösterreich überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass viele dieser Standorte von den Tieren nicht mehr besiedelt werden. Weiters fand man heraus, dass Zieselpopulationen heute vor allem im Raum Krems, im südöstlichen Weinviertel, im Arbesthaler Hügelland und im Raum Wiener Neustadt zu finden sind.

Abgesehen von den Zieseln hat das NÖ Landesmuseum momentan noch andere seltene Tiere zu bieten. Eine besondere Attraktion ist dabei ein blauer Laubfrosch, der in der Natur auf Grund fehlender Tarnung kaum eine Überlebenschance hätte. Weiters haben die selten gewordenen „Bitterlinge“ des Landesmuseums heuer gelaicht; der Nachwuchs kann derzeit ebenso im Museum besichtigt werden. Nachwuchs gab es in diesem Jahr auch bei den Sumpfschildkröten. Sobald die Jungtiere ein gewisses Alter bzw. eine gewisse Größe erreicht haben und damit ein Überleben der Tiere in der freien Natur möglich ist, werden diese ausgewildert.

Nähere Informationen: NÖ Landesmuseum, Telefon 02742/90 80 90-100, e-mail info@landesmuseum.net, www.landesmuseum.net.


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