25.10.2006 | 09:48

Keltisches Handwerkerviertel in Schwarzenbach entdeckt

Spektakuläre Ergebnisse bei aktuellen Ausgrabungen

Schon seit vierzehn Jahren wird in der Marktgemeinde Schwarzenbach (Bezirk Wiener Neustadt) von der Universität Wien eine bedeutende Fundstelle archäologisch untersucht. Die diesjährigen Grabungen, die vom Land Niederösterreich und dem Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank gefördert wurden, wurden kürzlich abgeschlossen und haben interessante Ergebnisse geliefert.

Noch heute ist im Gelände der „Burg“ oberhalb von Schwarzenbach eine Wallanlage einer ehemaligen keltischen Siedlung aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. bis zu sieben Meter hoch sichtbar. Unter der Leitung von Dr. Wolfgang Neubauer von VIAS, der interdisziplinären Forschungsplattform für Archäologie der Universität Wien, wurde eine Fläche von über 300 Quadratmetern mit modernsten Methoden untersucht. Dabei wurden spektakuläre Funde ans Tageslicht gebracht. Die ArchäologInnen haben auch heuer einen Teil des ehemaligen Handwerkerviertels dieser Ansiedlung Schicht für Schicht freigelegt. Messungen mit Magnetometern hatten zuvor starke Abweichungen im Erdmagnetfeld gezeigt. Wie sich nun bei der Ausgrabung zeigte, wurden diese von großen, aus Stein errichteten Ofenanlagen verursacht. Die Bewohner der mehr als 15 Hektar umfassenden, stadtartigen Siedlung hatten hier seinerzeit in einer großen Werkhalle unterschiedliche Metalle, Glas und Steine zu repräsentativen Waffen und zu Schmuckgegenständen verarbeitet. Die ForscherInnen fanden die Reste der verwendeten Rohmaterialien; darunter auch Silber und Billon, eine Legierung von Silber und Kupfer. Die keltischen Handwerker hatten hier in großem Stil aus Bronze und Eisen so genannte „Fibeln“ angefertigt, mit denen die Gewänder dieser Zeit zusammengehalten wurden. Neben einigen vollständig erhaltenen „Fibeln“ wurden in den keltischen Ablagerungen zahlreiche auch halbfertige Gewandspangen und unzählige weitere Eisenfragmente gefunden. Fein verzierte bronzene Armreifen und Gürtelhaken wie auch Reste von blauem Glas, aus dem vor allem Armreifen und Schmuckperlen hergestellt wurden, konnten rund um die Werkhalle geborgen werden. Auch die Herstellung von Waffen ist durch abgebrochene Lanzenspitzen, Reitersporen und Lanzenschuhe, mit denen der Schaft der Lanze umgeben war, wie auch durch fein gearbeitete Beschläge von Schwertscheiden nachgewiesen. Von besonderer Bedeutung für die ArchäologInnen sind aber die zahlreichen Werkzeuge, wie etwa sehr kleine, feine Messer, kleine Tüllenbeile, Ahlen, Stichel, Meißeln und Schwungräder von feinen Bohrern, die die Jahrtausende im Boden überdauert haben.

Durch die nun am „VIAS“ anlaufenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen sollen aus den Werkzeugen, den Werkstücken, den Resten der Ofenanlagen und den zahlreichen Abfällen die einstigen Arbeitsprozesse rekonstruiert werden. Die genaue Analyse der Fundstücke verspricht weitere Überraschungen zum Thema keltisches Handwerk, das in Schwarzenbach eine Blüte erlebt hat. Aufgeschmolzene Steine und Schlacken werden zeigen, welche Temperaturen die Kelten bereits mit einfachen Produktionsanlagen erreichten.

Die Grabungen in Schwarzenbach, das durch die teilweise rekonstruierte keltische Stadt und den derzeit im Umbau befindlichen Museumsturm zum touristischen Anziehungspunkt geworden ist, werden im nächsten Jahr weitergeführt.

Weitere Informationen: Marktgemeinde Schwarzenbach, 2803 Schwarzenbach, Markt 4, Telefon 02645/5201, e-mail gemeinde@schwarzenbach.at.


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