17.06.2005 | 09:47

Chefarztpflicht: Ernüchternde Umfrage unter Selbsthilfegruppen

NÖ Patientenanwalt: Verunsicherung und Hürden groß

Weniger Kosten, mehr Effizienz und Erleichterungen für die Patienten – das waren die ehrgeizigen Ziele bei Einführung der ‚Chefarztpflicht neu’ mit Beginn des Jahres. „Die Realität sieht auf Patientenseite leider derzeit noch anders aus“, ziehen der NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger und der Präsident des Dachverbandes der Selbsthilfegruppen NÖ, Kurt Hiess, Bilanz aus einer Umfrage unter allen Selbsthilfegruppen in Niederösterreich. Ihre Erfahrungen mit der Chefarztpflicht werden bei der Veranstaltung „Wege aus der No-Box“ am 21. Juni der zuständigen Geschäftsführerin des Sozialversicherungs-Hauptverbandes, Mag. Beate Hartinger, übergeben.

50 Selbsthilfegruppen haben bei der gemeinsamen Aktion der NÖ Patientenanwaltschaft und des Dachverbandes Selbsthilfe NÖ beurteilt, wo aus ihrer Sicht der „Schuh bei der Medikamentenbewilligung drückt“. „Wir wollen nicht theoretisch über Missstände jammern, sondern die Probleme der Betroffenen klar und strukturiert aufzeigen. Das ist der erste Schritt, dass diese wahrgenommenen Defizite zugunsten der Patienten verändert werden können. Außerdem ist es ein deutliches Zeichen dafür, dass Selbsthilfe in Niederösterreich ernst genommen wird und einen wichtigen Stellenwert hat“, so Hiess und Bachinger.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Für Ärzte ist es oft schwierig, den fachlichen Nachweis zu erbringen, dass ein bestimmtes Medikament für einen Patienten absolut notwendig ist.

Von manchen Ärzten wird oft erst gar nicht mehr der Versuch unternommen, ein notwendiges Medikament zu verschreiben, weil es ohnehin nicht bewilligt werden würde.

Medikamente, die früher jahrelang verschrieben werden konnten, werden nun nicht mehr bewilligt.

Viele Patienten müssen nach wie vor um notwendige Medikamente kämpfen und sind verunsichert, ob diese auch in Zukunft verordnet werden.

Bei der Verschreibung von Generika werden die Patienten nicht ausreichend aufgeklärt.

Die unterschiedlichen Vorgangsweisen der Kassen tragen ebenso zur allgemeinen Verwirrung bei, wie Informationslücken bei Ärzten und Chefärzten sowie fehlende klare Richtlinien.

Die Wartezeiten in den Ordinationen sind deutlich zu lang.

Die Ergebnisse der Umfrage machen für Bachinger und Hiess jedenfalls rasches Handeln notwendig. „Deswegen werden wir mit den Erfahrungsberichten der Selbsthilfegruppen direkt an den Hauptverband der Sozialversicherungsträger herantreten, um die ‚Chefarztpflicht neu’ patientenfreundlicher zu gestalten.“ Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist für Bachinger, dass ab 1. Juli der Erstattungskodex neu herausgegeben wird, die chefärztliche Vorabbewilligung für mehr Medikamente als bisher entfällt sowie die abgeschafften Medikamenten-Großpackungen für chronisch Kranke wieder eingeführt wurden.

Auf große Nachfrage stößt übrigens die neue Broschüre "Patientenrechte und Arzneimittel". Ein Monat nach der Präsentation wurden bereits 16.000 Exemplare per Post bestellt und mehr als 3.000 aus dem Internet heruntergeladen. Die kostenlose Broschüre erklärt die Umsetzung der ‚Chefarztpflicht neu’ für jedes Bundesland, informiert umfassend über das Thema Patientenrechte und gibt eine Anleitung zur Erstellung einer Patientenverfügung.

Weitere Informationen: Dr. Gerald Bachinger, NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft, 3100 St. Pölten, Rennbahnstraße 29, Tor zum Landhaus, Telefon 02742/9005-15575, e-mail post.ppa@noel.gv.at, www.patientenanwalt.com.


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