10.04.2003 | 00:00

Neues Möwe-Kinderschutzzentrum für Mistelbach

Prokop: Kindesmissbrauch darf kein Tabuthema mehr sein

Mistelbach erhält ab Juni ein neues Kinderschutzzentrum, das vom Verein Möwe geführt wird. Das Kinderschutzzentrum mit seinen angrenzenden Bezirken Gänserndorf, Korneuburg und Hollabrunn hat ein Einzugsgebiet von rund 250.000 Einwohnern. In der Anfangsphase werden sich zwei Psychotherapeutinnen um die betroffenen Kinder und Jugendlichen kümmern.

„Die Möwe steht seit 14 Jahren für rasche, kompetente, anonyme und kostenlose Hilfe für misshandelte und sexuell missbrauchte Kinder“, betonte gestern Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop in Wien. Mit diesem fünften Kinderschutzzentrum (davon drei Möwe-Zentren) habe Niederösterreich ein flächendeckendes Netz dieser Einrichtungen. „Das Thema Kindesmissbrauch ist immer noch tabuisiert, denn fast 90 Prozent aller Fälle passieren im engsten Freundes- und Bekanntenkreis“, erläuterte Prokop. Die Möwe arbeite hart daran, endlich einen Umdenkprozess einzuleiten. Niederösterreich fördert Kinderschutzzentren nach besten Kräften. Allein im heurigen Jahr werden rund 335.000 Euro an Förderungen bereit gestellt.

Gleichzeitig wurde von „Möwe-Präsidentin“ Martina Fasslabend auch der Jahresbericht 2002 präsentiert. „Der Bedarf an Beratung und Betreuung wird immer größer. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir allein in Wien um 40 Prozent mehr Klienten und um 30 Prozent mehr Beratungen. Auch in Niederösterreich gab es nahezu um ein Viertel mehr Beratungen als 2001“, führte Fasslabend aus. Wesentliches Augenmerk gelte auch der Prävention. Namhafte Sponsoren sollten zur Enttabuisierung dieses Themas beitragen. Fasslabend: „Wir finanzieren uns zu 51 Prozent über Sponsorgelder.“ Hinschauen statt Wegschauen sei der erste Schritt zur Hilfe.


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