02.10.2002 | 00:00

Festakt aus Anlass des 100. Geburtstages von Leopold Figl

LH Pröll: Ein Vorbild auch für unsere Zeit

Aus Anlass des bevorstehenden 100. Geburtstages von Leopold Figl am 2. Oktober fand gestern im Sitzungssaal des NÖ Landtages ein Festakt statt, der im ORF österreichweit live übertragen wurde. Im Anschluss an die Begrüßung durch den Präsidenten des NÖ Landtages, Mag. Edmund Freibauer, hielt Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll die Festansprache. Als Zeitzeugen zu Wort kamen Landeshauptmann a.D. Andreas Maurer, Landesrat a.D. Ernest Brezovszky und der ehemalige Staatssekretär und Botschafter Dr. Ludwig Steiner. Abschließend beschäftigte sich der Historiker und Figl-Experte Univ.Prof. Dr. Ernst Bruckmüller in einem Fachvortrag mit dem Politiker und Staatsmann Leopold Figl. Dem Festakt wohnten auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie kirchliche Würdenträger bei.

Landtagspräsident Mag. Edmund Freibauer würdigte den ehemaligen Landeshauptmann von Niederösterreich, Bundeskanzler, Außenminister und Präsidenten des Nationalrates Leopold Figl als großen Patrioten. „Erinnern heisst, lebendig erhalten“, betonte Freibauer. Figl habe sich auch am 11. März 1938 zu Österreich bekannt, über Mut und Zivilcourage verfügt und immer Opfer für Land und Leute gebracht. Freibauer: „Für Leopold Figl war es die schönste Aufgabe, Landeshauptmann von Niederösterreich zu sein. Sein ganzes Augenmerk galt der Arbeit für sein Heimatland.“

Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll betonte, die heutige Zeit sei vollkommen anders als zu Zeiten Leopold Figls – heute gelte es, das einst Aufgebaute abzusichern, sich selbst zu beschränken statt bloß auf Steigerungsraten zu setzen und nicht zuletzt die einst errungene nationale Identität in eine europäische einzubringen. Dennoch habe es sehr wohl Sinn, eine historische Persönlichkeit wie Leopold Figl wieder ins Gedächtnis zu rufen: Demut vor der Geschichte sei ein exzellentes Mittel gegen Arroganz und Irrwege in die Zukunft.

Figls Leben, so der Landeshauptmann weiter, sei geprägt gewesen von Not und Elend, von Aufopferung für die Landsleute und dem Aufbau des Landes aus den Trümmern der NS-Zeit. Daraus ließen sich die Aufträge ableiten, dass kein Problem so groß sei, dass es nicht bewältigbar sei, dass man in gegenseitigem Respekt niemals aufhören dürfe, miteinander zu reden, und dass die Heimat in ehrlicher Liebe gepflegt werden müsse. Seinen Auftrag an Niederösterreich habe Figl 1962 persönlich formuliert: „Niederösterreich war immer stärker als das härteste Schicksal, das wird auch in Zukunft so bleiben.“

Wenn jetzt die Scheinwerfer wieder abgedreht würden, dürfe Leopold Figl nicht wieder nur für die Erinnerung an ein Stück Geschichte stehen, aus seinem Wirken seien vielmehr Konsequenzen für die Alltagsarbeit abzuleiten. Wenn sich alle miteinander vornehmen, der großen Persönlichkeit Leopold Figl nachzueifern, werde ein starkes Stück Geschichte auch zu einem starken Stück Zukunft für Niederösterreich werden, so Pröll abschließend.

Für Landeshauptmann a.D. Andreas Maurer ist Leopold Figl ein großer Niederösterreicher und ein persönliches Vorbild. Figl sei ein Patriot gewesen und musste auf Grund seines Bekenntnisses zu Österreich die meiste Zeit zwischen 1938 und 1945 in Konzentrationslagern verbringen.

„Von April bis Oktober 1945 war Leopold Figl erstmals Landeshauptmann von Niederösterreich“, sagte Maurer. Am 25. November 1945 habe er sein Amt als österreichischer Bundeskanzler angetreten und es verstanden, der Bevölkerung in den ärgsten Nöten der Nachkriegszeit Mut zu machen. Der Staatsmann Figl habe auch die richtigen Worte zu den alliierten Besatzungsmächten gefunden und durch seine Zähigkeit und seinen Mut Österreich den Staatsvertrag und die Freiheit gebracht. Figl sei auch ein tiefgläubiger Mensch, Mahner und Weltmann gewesen.

Landesrat a.D. Dr. Ernest Brezovszky, der bereits zur Zeit Figls als Landeshauptmann von Niederösterreich SP-Landtagsabgeordneter war, meinte, ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätten sich die Perspektiven für alle und vor allem für die jungen Menschen völlig geändert. Der erste freigewählte Bundeskanzler in der Zweiten Republik, Leopold Figl, habe in seiner Weihnachtsansprache die Notlage der Bevölkerung und des Staates höchst eindrucksvoll erklärt. Und obwohl er nichts versprochen habe, seien die Menschen davon überzeugt gewesen, dass dieses Land Zukunft hat. Als Österreich am 15. Mai 1955 schließlich seine volle Freiheit erhielt, habe alle ein „ungeheures Glücksgefühl“ und ein Gefühl voller Dankbarkeit ergriffen.

Der ehemalige Staatssekretär Ludwig Steiner, der die entscheidenden Staatsvertragsverhandlungen miterlebt hat, würdigte vor allem die über Jahrzehnte gelebte grundsatztreue Haltung Figls und die Hartnäckigkeit bei den Staatsvertragsverhandlungen. „Figl hat sich bis zur Selbstaufopferung für die Freiheit Österreichs eingesetzt.“ In sehr persönlichen Worten erinnerte Steiner auch an die Ereignisse rund um die Verhandlungen sowie die Präsentation des Staatsvertrages am Balkon des Belvedere, die er als „Sinnbild für die historische Feststellung ‚Österreich ist frei‘“ bezeichnete. Noch am Tag vor der Unterzeichnung des Staatsvertrages habe Figl auf die Entfernung der Textstelle „Teilnahme Österreichs am Krieg als integrierender Teil Hitler-Deutschlands“ gepocht und sich schließlich durchgesetzt, nicht zuletzt dank seiner unglaublichen Zivilcourage. Als Tiroler „der ersten Stunde nach 1945“ dankte er Figl auch für das Eintreten für Südtirol.

Der Historiker und Figl-Experte Univ.Prof. Ernst Bruckmüller bezeichnete Figl als österreichisches Symbol des 20. Jahrhunderts und als zentrale Figur des Österreich-Bewusstseins der Zweiten Republik. In einer Umfrage, in der die Österreicher gefragt wurden, auf wen sie stolz seien, wird Figl nach Wolfgang Amadeus Mozart bereits an zweiter Stelle genannt. „Mit seiner Zuneigung, seiner Offenheit und seiner Herzlichkeit hat sich Figl in die Herzen der Österreicher eingeschrieben“, so Bruckmüller. Der Historiker skizzierte auch den Werdegang Figls – von seiner Gymnasialzeit in St.Pölten über seine Zeit in der Turnerschaft und in der CV-Verbindung „Norica“ bis zu seinem Aufstieg an die Spitze des Bauernbundes sowie über die Verbindung zu wichtigen Freunden und Weggefährten wie Josef Reither und Julius Raab. Für Bruckmüller gehört Figl auf jeden Fall zu den Begründern des Österreich-Bewusstseins, ohne das Österreich nicht existieren könnte.


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