13.09.2002 | 00:00

Urzeitkrebse: Lebende Fossilien gesucht

Auen an Donau und March sind Rückzugsgebiete

Der Zoologe Dr. Erich Eder widmet sich mit Leidenschaft der ältesten noch lebenden Tiergruppe der Erde – den so genannten Urzeitkrebsen. Das Jahrhunderthochwasser im August dieses Jahres stellt eine einmalige Gelegenheit dar, diese faszinierenden Tiere zu beobachten. Jeder biologisch Interessierte kann beitragen, mehr über die „lebenden Fossilien“ und ihre Lebensräume in Erfahrung zu bringen. Die beste Zeit für die Suche dürfte die 2. und 3. Septemberwoche sein. Man benötigt dazu lediglich ein Wassernetz mit einer Maschenweite von etwa 1 Millimeter. Das in Alkohol konservierte Material sollte mit genauer Fundortangabe direkt an den Spezialisten geschickt werden. Jedem Einsender wird das Ergebnis der Bestimmung mitgeteilt.

Als ziviler „Urzeitkrebs-Forscher“ sollte man grundsätzlich gelsenresistent sein, denn nicht nur die seltenen Urzeitkrebse, auch Stechmückenlarven leben in Überschwemmungstümpeln. Doch sind die größeren Krebsarten durchaus in der Lage, große Mengen der ungeliebten Gelsenlarven zu vertilgen.

Seit mehr als 500 Millionen Jahren bevölkern sie die Erde – die „Urzeitkrebse“, wie die Feenkrebse, Rückenschaler und Muschelschaler gemeinsam bezeichnet werden. Sie besiedeln vorwiegend fischfreie, kurzfristig Wasser führende Gewässer, die nach starken Regenfällen oder Flussüberschwemmungen nur wenige Wochen lang bestehen. Trocknen die Gewässer aus, sterben die Krebse. Im Schlamm aber haben sie Tausende von „Dauereiern“ hinterlassen, die ohne weiteres auch jahrzehntelange Trockenheit überdauern können.

Vor allem im Osten Österreichs begünstigt das pannonische Klima die Bildung temporärer Gewässer, welche auch eine ausreichend lange Trockenzeit aufweisen. Die Auen an March und Donau, das Wiener Becken und der Seewinkel sind die heimischen Rückzugsgebiete der immer seltener werdenden Tiere. Durch das katastrophale Hochwasser des heurigen Sommers befinden sich derartige Gewässer heuer auch in Bereichen, die seit Jahrzehnten trocken gelegen sind – eine einmalige Gelegenheit, neue Standorte und seltene Arten (wieder) zu finden. Zum Teil wurden Stellen überschwemmt, die seit den 50er Jahren kein Wasser mehr geführt haben. So wurden im Gebiet des Nationalparks Donau-Auen bereits erste Neufunde gemacht.

Weitere Informationen über die Urzeitkrebse und zum aktuellen Aufruf zur Mithilfe finden sich auf der umfangreichen Homepage www.urzeitkrebse.at. Kontakt: Dr. Erich Eder, Institut für Zoologie, UZA-1, 1090 Wien, Althanstraße 14, e-mail Erich.Eder@univie.ac.at.


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