12.09.2002 | 00:00

Streetworker tagen in St.Pölten

Prokop: 3 Streetwork-Modellprojekte laufen bereits

„Das Leben von Jugendlichen in unserer modernen Gesellschaft ist nicht gerade leichter geworden. Die Bedürfnisse sind zwar meistens abgedeckt, der Alltag ist aber komplizierter geworden“, sagte gestern Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop bei einer Pressekonferenz in St.Pölten, welche die mobile Arbeit der Streetworker, die Lebenswelt der Klienten, der Zugang zu Jugendlichen, bedürfnisorientierte Hilfe und eine Integration von Randgruppen zum Inhalt hatte – jene Themen, mit denen sich bis Freitag auch eine in der niederösterreichischen Landeshauptstadt angelaufene österreichweite Tagung beschäftigt.

Die NÖ Landesregierung setze seit dem Jahr 1999 mit Erfolg auf die Methode des Streetworks. Mittlerweile seien drei Modellprojekte in St.Pölten, Mödling und Wiener Neustadt gegründet worden. Seit Juni 2002 bereite die Fachstelle für Suchtvorbeugung ein viertes Projekt in Krems vor, das nächstes Jahr voll anlaufe. „Wir können deshalb heute sagen, dass wir die Projektphase verlassen haben“, meinte Prokop.

„Besonders für Jugendliche ist es nicht gerade leicht, einen Platz in der Gesellschaft zu finden“, machte Prokop das Problem deutlich. Die soziale Benachteiligung in manchen Regionen spiele hier eine Rolle. Die Folge seien Probleme, Krisen und Konflikte, Gefühle von ständiger Überforderung und Sinnlosigkeit, besonders auch in der Freizeit. Mitunter würden diese Probleme zu Alkohol und Drogenmissbrauch, zu Aggression, Radikalisierung und Selbstzerstörung führen. „Jede Kriminalisierung ist aber keine Hilfe, sondern ein Stoß in den Abgrund“, argumentierte Prokop. Gerade die Jugendlichen würden aber eine helfende Entwicklung nicht bewusst aufsuchen. Genau deshalb sei es wichtig, „nicht nur die Defizite der Jugendlichen zu betrachten, sondern auch deren Stärken“.

Der Projektkoordinator in Niederösterreich, Diplomsozialarbeiter Alexander Bernardis, ergänzte, dass in Niederösterreich die mobile Streetwork-Methode Fuß gefasst habe. Er erwähnte Projekte der Streetwork-Arbeit, zum Beispiel das Freizeitangebot des Kletterns in St.Pölten. Der Obmann der Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork, Diplomsozialarbeiter Eckhard Falkensteiner, merkte an, dass die Problemfelder heute, nach 20 bis 25 Jahren Streetwork in Österreich, wesentlich größer geworden seien, was das Einsteigen auf neue Szenen erfordere.

Derzeit gibt das Land Niederösterreich pro Jahr 1.268.546 Euro für Prävention aus, davon 480.000 Euro für Streetwork. Prokop dazu: „Eine Aufstockung dieser Mittel muss kommen.“ Die Standortgemeinden leisten zu den Streetworkprojekten insgesamt einen Beitrag von 110.000 Euro. Derzeit wird auch vermehrt die fundierte Ausbildung der Streetworker verlangt, die fachliche Aus- und Weiterbildung sowie Supervisionen. Dass das Streetwork-Angebot von den Jugendlichen angenommen wird, zeigt die beeindruckende Zahl von rund 3.000 Kontakten pro Projekt und Jahr.


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