28.06.2002 | 00:00

BASEL II – Neue Herausforderungen für Klein- und Mittelbetriebe

LR Gabmann: Das Land setzt Impulse

Eco Plus, Niederösterreichs Regionale Entwicklungsagentur, lud gestern, Donnerstag, zu einem weiteren Plusforum zum aktuellen Thema „BASEL II – Neue Herausforderungen für die Unternehmensfinanzierung der Klein- und Mittelbetriebe“. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe greift Eco Plus relevante Themen des NÖ Wirtschaftsgeschehens auf und lädt dazu Experten zu einem Podiumsgespräch ein. Dkfm. Theodor Krendelsberger, Hauptgeschäftsführer Eco Plus GesmbH begrüßte zu diesem brisanten Thema: Landesrat Ernest Gabmann, Direktor Gerhard Riedel (Raiffeisen-Landesbank NÖ – Wien), Mag. Peter Mann (NÖ KapitalbeteiligungsgesmbH NÖBEG) und Dr. Günther Viehböck (Rechtsanwalt).

Unter dem Stichwort Basel II laufen derzeit internationale Verhandlungen zur Verschärfung der Bonitätsprüfung durch Banken. Dabei handelt es sich um eine umfassende Reform der Vorschriften für Banken für die Eigenmittelunterlegung bei Kreditvergaben. Mit den neuen Eigenkapitalregeln ab Ende 2006 müssen Banken Kredite nach dem Ausfallsrisiko bewerten: Kredite an „schlechte“ Schuldner – Firmen mit geringer Eigenkapitalausstattung – müssen mit mehr Kapital unterlegt werden. Diese Risikotangente verursacht den Banken Kosten und verteuert daher die Kredite. Diese Tatsache wird insbesondere Klein- und Mittelbetriebe treffen, deren Eigenkapitalausstattung meist sehr gering ist. Denn 65 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen finanzieren sich über Bankkredite, 50 Prozent verfügen über kein oder negatives Eigenkapital. Gerhard Riedel, Direktor Raiffeisenlandesbank NÖ – Wien, stellte die Zielsetzungen dieses Ratingverfahrens vor: Die Banken sollen vor erhöhtem Insolvenzrisiko geschützt, mit erhöhtem Eigenkapital ausgestattet werden und international homogene Wettbewerbsbedingungen sollen geschaffen werden. Die Bedeutung eines aktiven Bonitätsmanagements hob Dr. Günther Viehböck, Rechtsanwalt, hervor. Unternehmen werden sich verstärkt mit Fragen der Unternehmensführung, des Controllings, des Risikomanagements, der Liquiditätssicherung, des Forderungsmanagements und der Verbesserung der Bilanzstruktur beschäftigen müssen. Denn die entscheidenden Faktoren für die Kreditgewährung werden einerseits Finanzkraft, Ertragskraft und Eigenkapital darstellen, andererseits Unternehmensführung, adäquate Planungs- und Kontrollsysteme und ein geregeltes Risikomanagement.

Anreize zur Eigenkapitalbildung müssen geschaffen werden. Welche Maßnahmen die niederösterreichische Wirtschaftspolitik ergreift, führte Landesrat Ernest Gabmann aus: Mit der Niederösterreichischen Beteiligungsgesellschaft NÖBEG wurde bereits 1979 die Möglichkeit der Risikokapital-Finanzierung geschaffen. Neben den Wirtschaftsförderungen wurden weiters Maßnahmen zur Kapitalbereitstellung durch Venture Capital getroffen. In Niederösterreich wurden dafür die TecNetCompany als Managementgesellschaft und die TecNetEquity als Finanzierungsgesellschaft gegründet. Aufgabe der Gesellschaften ist es, die Gründungen am Hightech-Sektor zu forcieren.

Angesichts der von Risiko abhängigen Kreditzinssätze im Rahmen von Basel II steigt die Bedeutung von alternativen Finanzierungsformen für KMUs. Mag. Peter E. Mann, Direktor der NÖBEG, stellte niederösterreich-spezifische Modelle wie das NÖ Beteiligungsmodell zur Eigenkapitalstärkung für mittelständische Unternehmen oder das NÖ Startfinanzierungsmodell, Treuhandbeteiligungen und Eigenkapitalgarantien vor.

Mit Basel II werden neue Finanzierungsformen auch in Europa Einzug halten. Mit einer Umsetzung der Richtlinie ist jedoch frühestens 2006 zu rechnen. Dieser Zeitrahmen ermöglicht es den Unternehmen, das Bonitätsmanagement zu verbessern und nach Alternativen zur Kreditfinanzierung Ausschau zu halten.


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