21.06.2002 | 00:00

Wie kann man SchülerInnen helfen?

Befragung ergab: 14,2 Prozent verhält sich oppositionell-aggressiv

Landesrätin Christa Kranzl und der Primar der Sozial-Psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses in Neunkirchen, Univ.Doz. Dr. Christian Simhandl, gaben gestern, Donnerstag, im NÖ Landhaus in St.Pölten eine Pressekonferenz. Gemeinsames Thema: Wie kann man Schülerinnen und Schülern knapp vor dem Schulschluss helfen, wenn sie massive Probleme haben?

Trotz aller Probleme, die eine Wiederholung einer Klasse mit sich bringen oder die eine Nachprüfung nach sich ziehen, dürfe dies jedoch kein Grund zu Verzweiflungstaten sein, sagte Kranzl. Man müsse alles tun, um dies den jungen Menschen zu vermitteln. „Leider sind es immer mehr Schülerinnen und Schüler, die in Depressionszustände fallen“, meinte Kranzl. Den Eltern sei gesagt, dass Schreien, Strafen und Schlagen weder das Zeugnis verbessern noch sei die Angst hilfreich bei Nachprüfungen. Viel besser sei es, wenn man in Ruhe die Situation mit dem Kind durchspreche. Dabei könne man versuchen, die Gründe zu erforschen, die zu dem schlechten Abschneiden geführt haben. „Vielleicht ist auch der Schultyp nicht der geeignete“, argumentierte Kranzl. Erst in der zweiten Ferienhälfte sollte gezielt für die Nachprüfung gelernt werden. Sollten das Kind oder die Eltern mit dieser Situation nicht zurecht kommen, bleibe immer noch der Weg zum Schulschlusskrisentelefon. Wie im Vorjahr, als 76 Schülerinnen und Schüler anriefen, stehe dieses Telefon auch heuer wieder unter der Nummer 0800/20 20 16 bis 5. Juli von Montag bis Freitag zwischen 15 und 18 Uhr für professionelle Hilfe und Beratung zur Verfügung. In dieser Zeit könnten Schülerinnen und Schüler, Eltern, Freunde und Bekannte mit Fachleuten reden. Diese Unterstützung, so merkte Kranzl an, sei völlig anonym und kostenlos.

Simhandl unterstrich, warum diese Hilfe so wichtig ist: Mit anderen Untersuchenden habe er im Bezirk Neunkirchen den Schülerinnen und Schülern der 9. Schulstufe Fragebögen zur Selbstbeurteilung ausgeteilt, um über die psychische Gesundheit mehr Klarheit zu gewinnen. 504 Schülerinnen und Schüler aus einem Gymnasium, einer Handelsakademie, einer Handelsschule, einer Landwirtschaftsschule und 7 Polytechnischen Schulen hätten teilgenommen. 501 Fragebögen konnten schließlich ausgewertet werden. Das Ergebnis: 9,1 Prozent der Befragten haben Auffälligkeiten betreffend Angst oder Depression. In den Untergruppen zeigten 8 Prozent der befragten Personen Auffälligkeiten bei Aufmerksamkeitsstörungen, und 6,7 Prozent gaben sich hyperaktiv. 14,2 Prozent der Befragten hatten ein oppositionell-aggressives Verhalten bekundet, 4,8 Prozent gaben deutlich depressive Symptome an. „Ein frühzeitiges Erkennen verschiedener Störungen würde den Schülerinnen und Schülern, den Lehrern und den Familien helfen“, antwortete Simhandl auf Journalistenfragen. Denn: „20 Prozent aller erwachsenen Depressiven reden miteinander gar nicht über ihre Verhaltensstörungen.“


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