29.03.2002 | 00:00

„Grundsicherung statt Almosen“ Thema einer Diskussion

Kranzl: Alle können vom Zu-Wenig-Verdienen betroffen sein

„Grundsicherung statt Almosen – neue Wege in der Armutsbekämpfung“ – lautete der Titel einer Tagung, die gestern in der Werkstätte des sozialen Beschäftigungsbetriebes „ARGE Chance“ in Brunn am Gebirge (Bezirk Mödling) stattfand. An dieser Tagung nahmen auch Nationalratsabgeordneter Dr. Caspar Einem, Christa Kranzl, Sozial-Landesrätin und Koordinatorin des Themenfelds Grundsicherung im Projekt Netzwerk Innovation, weiters Dr. Stephan Schulmeister, Mitinitiator des Volksbegehrens „Sozialstaat Österreich“, Betriebsseelsorger Franz Sieder und der Präsident der Volkshilfe Österreich, Univ.Prof. Dr. Josef Weidenholzer, teil.

11 Prozent der Österreicher seien armutsgefährdet, sagte Weidenholzer zu Beginn der Veranstaltung. Die Diskussion über den Umgang mit der Armut müsse auch nach der Eintragungswoche für das Volksbegehren „Sozialstaat Österreich“ weitergeführt werden. Das Volksbegehren habe eine überparteiliche Plattform, die zum Ziel habe, den Sozialstaat in der Verfassung zu verankern, meinte auch Landesrätin Kranzl. Obwohl Österreich im Grunde genommen stolz auf das Sozialwesen sein könne, bedürfe es dieses Volksbegehrens, damit eine entsprechende soziale Absicherung auch für die Zukunft gewährleistet sei. Kranzl nannte einige Beispiele aus Niederösterreich, unter anderem den Schuldenbericht für 2001 der NÖ Schuldnerberatung. Danach würde die Durchschnittsverschuldung der NiederösterreicherInnen, die die Schuldnerberatung aufsuchen, pro Jahr bei rund 1,3 Millionen Schilling, also bei etwa 90.259 Euro, liegen. Die durchschnittliche Verschuldung der Jugendlichen beträgt in Niederösterreich rund 400.000 Schilling, also etwa 29.069 Euro. Die Schuldnerberatung würde von immer mehr Betroffenen kontaktiert und verzeichne eine Zuwachsrate von fast 20 Prozent. Immer mehr Menschen kommen in die Situation, sich ihren Lebensunterhalt zumindest für eine gewisse Zeit nicht selbst verdienen zu können, und drohen dadurch in eine gewisse soziale „Schieflage“ zu kommen. Das betreffe alle soziale Schichten und werde etwa durch Krankheit, durch einen Unfall oder durch Scheidung – in Österreich werde jede dritte Ehe, in Niederösterreich jede zweite geschieden – verursacht, argumentierte Kranzl.

Der Verein „ARGE Chance“ bietet seit 1991 im Bezirk Mödling erwerbslosen und/oder sozial benachteiligten Männern und Frauen aller Altersgruppen eine Chance für eine persönliche und berufliche Neuorientierung. Die Tätigkeitsbereiche umfassen eine Holzwerkstatt, Sanierungs- und Renovierungsarbeiten, die Gestaltung von Grünräumen, Räumungen, Übersiedlungen und Transporte. Das Projekt wird aus Mitteln des Arbeitsmarktservices Niederösterreich, des Europäischen Sozialfonds und des Landes Niederösterreich gefördert.


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