26.03.2002 | 00:00

„Germanen am Plattensee“ – eine zweitausendjährige Geschichte

Ausstellung des Balaton-Museums in Traismauer

Das westliche Ende des Plattensees war wegen des fruchtbaren Bodens und der wichtigen Verkehrswege schon immer dicht bewohnt. Eine wichtige Rolle in der Siedlungsgeschichte spielten die Germanen. Waren es zunächst die Langobarden, deren Streifzüge in schriftlichen Quellen nachgewiesen sind, folgten danach viele weitere germanische Stämme und Völker. Noch im 18. Jahrhundert zogen „Neusiedler“ aus dem mittel- und süddeutschen Raum zu. Die Ausstellung „Germanen am Plattensee“, vom Balaton-Museum Keszthely zur Verfügung gestellt, zeigt ab 5. April im Museum für Frühgeschichte in Traismauer an Hand reicher archäologischer Funde die Siedlungstätigkeit der Germanen in der Frühgeschichte des Kontinents.

Die kulturelle Zusammenarbeit Niederösterreichs mit dem Komitat Zala wurde in den achtziger Jahren begründet, lange vor dem Fall des Eisernen Vorhanges. Im Museum für Frühgeschichte in Traismauer wurden immer wieder Funde aus der ungarischen Region gezeigt, beispielsweise im Rahmen der Schau „Der Häuptling von Gyenes“, reich dokumentiert durch Grabfunde aus der Awarenzeit. Niederösterreich revanchierte sich mit archäologischen Ausstellungen und zeigte „Fürsten der Bronzezeit in Pitten“ im Balaton-Museum. Ein historischer Bezug zwischen Traismauer und Westungarn lässt sich nachvollziehen: Fürst Pribina aus Nitra gründete im 9. Jahrhundert ein slawisches Reich und wurde vom Salzburger Erzbischof Adalram in Traismauer, einem der letzten bestehenden Orte am römischen Limes, getauft.

In den vergangenen zwei Jahrtausenden gestalteten Angehörige von 16 verschiedener germanischen Völkern bzw. Stämmen die Geschichte des Karpatenbeckens. Dazu gehören die Langobarden und Markomannen ebenso wie die Sueben der Völkerwanderungszeit. Aber auch andere Völker wie die Awaren und die Ostgoten, die als Verbündete des oströmischen Kaisers Martianus im 5. Jahrhundert Südpannonien besetzt hielten, sind am Plattensee nachweisbar und werden in der Ausstellung dokumentiert.

Die Ausstellung in Traismauer zeigt germanische Funde vom Ende des 4. bis Ende des 9. Jahrhunderts. Sie wird von Dr. Robert Müller gestaltet, Direktor des Balatoni Muzeum Keszthely, und wird vom 5. April bis 1. November täglich außer Montag von 9 bis 17 Uhr gezeigt.


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