13.03.2002 | 00:00

NÖ Krankenanstalten-Enquete im NÖ Landhaus

Onodi: „Angebot an Menschen muss im Vordergrund stehen!“

„In letzter Zeit war bei der Krankenanstalten-Diskussion meist nur von Geld die Rede. Dabei wurde auf viel Wichtigeres vergessen: Denn es geht vor allem um den Menschen und um die zentrale Stellung des Angebots an ihn!“ Dies stellte Landeshauptmannstellvertreterin Heidemaria Onodi einleitend zur Enquete „NÖ Krankenanstaltenwesen – quo vadis?“ voran, zu der sie gestern Abend in den NÖ Landtagssitzungssaal in St.Pölten eingeladen hatte. Es nahmen daran die Spitzen der NÖ Krankenanstalten ebenso teil wie niedergelassene Ärzte und Vertreter der Landespolitik. „Seit der Einführung der Leistungsorientierten Krankenanstalten-Finanzierung wurde gute Arbeit geleistet. Es muss aber klar sein, dass Fehlentwicklungen nur durch generelle Gegensteuerung vermieden werden können. Ich bin stolz darauf, dass wir im NÖ Gesundheitswesen die volle Autonomie erreicht haben und dass wir in allen Bereichen die nötige Ausbildung anbieten können. Ich glaube auch, dass noch ausständige Verbesserungen – etwa mehr regionale Zusammenarbeit – nicht durch die Änderung der Rechtsträgerschaft zu erreichen sind. Im Zentrum aller Überlegungen muss stets der Mensch stehen“, betonte Onodi.

Primarius Dr. Franz Stöger (Landeskrankenhaus Tulln und Vertreter der NÖ Ärztekammer) stellte den Wert dieser Autonomie für den Patienten im Hinblick auf die von ihm gewünschte optimale Behandlung in Frage. Man könne nur von einer ‚bestmöglichen` Behandlung sprechen, darauf habe der Patient ein Recht. Krasse Mängel stellte Stöger bei der Ausbildung der Mediziner fest. Er trete für wenige, große Krankenhäuser ein, wo die Ausbildung der Ärzte viel besser erfolgen könne. Es sei in all den Jahren nicht gelungen, die kleinräumige Struktur der Krankenhäuser in Niederösterreich zu verändern, sagte Stöger. Wie falsch in Niederösterreich argumentiert werde, zeige die Begründung für das Vorziehen von fünf Bauvorhaben an Krankenanstalten: Man wolle damit die Bauwirtschaft ankurbeln, und es gehe nicht in erster Linie um die Verbesserung für den Patienten. Gesundheitspolitik werde in Wahrheit als ökonomischer Machtfaktor missbraucht.

Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger beurteilte die fachliche Versorgung der Patienten in Niederösterreich positiv. Große Defizite gebe es allerdings bei der Kommunikation. Diese sei eine unabdingbare Voraussetzung für das Vertrauen zwischen Ärzten bzw. Pflegepersonal und Patienten. Bachinger schlug vor, zur Ausschöpfung des zweifellos noch vorhandenen Potenzials bei der Qualitätssicherung eine eigene Kommission in jeder Krankenanstalt einzurichten.

Der Direktor der NÖ Gebietskrankenkasse, Friedrich Kalteis, hob hervor, die Sozialversicherung sei bestrebt zu agieren und nicht nur zu reagieren. Der Vorwurf, die Sozialversicherung gehe zu wenig auf den Menschen ein, stehe im Raum. Er könne aber belegen, dass dieser Eindruck unrichtig sei und dass die Sozialversicherung aus Zwängen handle.

In der anschließenden Diskussion klang immer wieder durch, dass die leistungsorientierte Krankenanstalten-Finanzierung zu einem „Wettrennen“ um LKF-Punkte führe, die als Grundlage für die Finanzierung herangezogen würden. Dadurch komme es auch zu nicht notwendigen Behandlungen, nur um möglichst viele Punkte zu erreichen. Zur Kritik an der kleinräumigen Struktur wurde festgestellt, dass eine Kombination von kleinen Krankenhäusern mit weniger großen das Sinnvollste sei.


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