18.07.2001 | 00:00

Schnitzlers „Leutnant Gustl“ als genius loci

Produktion von Helga David im Reichenauer Thalhof

Der Thalhof in Reichenau liegt unverändert, so wie zu seiner Erbauungszeit, vor der Kulisse der Berge. Hier trafen sich Ende des 19. Jahrhunderts die Mitglieder der besten Gesellschaft, und auch Schriftsteller waren unter ihnen. Arthur Schnitzler war von Olga Waißnix, der Wirtin des Thalhofes, fasziniert. Das unveränderte Ambiente wird seit drei Jahren von der Wiener Regisseurin Helga David genützt, um Schnitzler am Originalschauplatz aufzuführen. Heuer ist die dramatisierte Erzählung „Leutnant Gustl“ auf dem Spielplan. Die Premiere ist für Donnerstag, 26. Juli, um 19.30 Uhr vorgesehen, bis 19. August gibt es 16 Folgevorstellungen, die ebenfalls jeweils um 19.30 Uhr beginnen. In der Rolle des Leutnant Gustl ist der Schauspieler Alexander Rossi zu sehen, ein früher im Burgtheater und in der Josefstadt tätiger Schauspieler, der seit Jahren an deutschen Bühnen spielt.

Schnitzler schrieb „Leutnant Gustl“ vor 101 Jahren im Kurhaus Reichenau. Er schuf mit dieser kurzen Erzählung ein Werk von literarischem Rang, da er erstmalig in der deutschsprachigen Literatur ein bestimmtes Geschehen durch einen inneren Monolog mit größter Konsequenz darstellt. Man erkennt, was sich im Inneren des Kopfes abspielt und erhält Einblick in tiefe Schichten des menschlichen Bewusstseins. Leutnant Gustl, ein oberflächlicher und autoritätshöriger Subaltern-Offizier, sucht Halt in der festgefügten Struktur der militärischen Hierarchie. Er verliert den Boden unter den Füßen, als ein nicht Satisfaktionsfähiger ihn einen „dummen Buben“ nennt. Er ist auf Grund seines Ehrenkodex von der fixen Idee besessen, sich am nächsten Morgen erschießen zu müssen. Schnitzler zeichnet damit auch ein schonungsloses Bild des gesellschaftlichen Zustandes der untergehenden Monarchie. Kartenreservierungen sind unter den Telefonnummern 02662/430 06 und 0664/163 05 43 möglich.


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