20.06.2001 | 00:00

Akut belastete Situationen bei Frauen vor und nach der Geburt:

Enquete „Adoption – eine Chance für Kinder“ im NÖ Landhaus

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Adoption als möglicher Weg oder Ausweg bei einer ungewollten Schwangerschaft und/oder einer schwierigen Lebenssituation soll gefördert und erhöht werden. Das war eines der Ziele einer Enquete der NÖ Landesakademie, die heute, Mittwoch, in Zusammenarbeit mit der Abteilung Jugendwohlfahrt des Amtes der NÖ Landesregierung und mit ExpertInnen aus dem In- und Ausland unter dem Titel „Adoption – eine Chance für Kinder“ im Landhausviertel in St.Pölten stattfindet.

Schlagzeilen über die Aussetzung oder gar die Tötung von Neugeborenen rütteln die Gesellschaft auf. Eine bevorstehende Geburt kann für manche Frauen gelegentlich zu einem unlösbar scheinenden Problem werden. Die Möglichkeiten und auch die Risken von Maßnahmen, vor und nach der Geburt eines Kindes zu handeln, war der Inhalt der Enquete, bei der eingangs auch die beiden Landeshauptmannstellvertreterinnen Liese Prokop und Heidemaria Onodi das Wort ergriffen. Viele Frauen würden auch aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, und die haben oft besonders Scheu vor der Geburt, machte Prokop auf eines der vielen Probleme aufmerksam. In dieser und ähnlichen Situationen seien etwa die Leistungen der Jugendwohlfahrt bemerkenswert, die die Suche nach Adoptiveltern übernehmen. Auch sei jüngst die Möglichkeit, in allen Krankenhäusern Niederösterreichs anonym zu gebären, hinzu gekommen, wobei sich die Mutter vor und nach der Geburt entscheiden kann und dann oft das Kind bei sich behält. Onodi begann ihr Statement mit dem Verschwinden von Tabus, die (fast) keine Rolle mehr spielen. Dennoch sei etwa eine bevorstehende Geburt für manche Frauen ein echtes Problem. Gerade bei Adoptionen ist bei den Kindern der Wunsch groß, sozusagen im Nachhinein etwas über die Eltern zu erfahren. Die Begleitung von Frauen und Mädchen habe vor und nach der Geburt deren Entscheidungen zu respektieren, machte Onodi auf eine weitere drängende Sorge aufmerksam.

Die Enquete beschäftigte sich vor allem auch mit dem „Adoptionsviereck“, also mit den beteiligten Gruppen im Adoptionsverfahren: Die biologischen Eltern teilen die Verantwortung und die Verarbeitung freilich nur im Idealfall. Die Kinder wiederum nehmen ihre Betroffenheit oft bis ins eigene Erwachsenenleben mit. Die Adoptiveltern sind von großen Hoffnungen geprägt, aber auch vom oft langen Warten zermürbt. Die Jugendabteilung und andere Vermittlungsstellen müssen beratend die erforderlichen Schritte setzen.

Das Kind kann mit einer „Inkognito-Adoption“ zu Pflegeeltern kommen: Die biologischen Eltern erfahren nicht, wer ihr Kind als eigenes annimmt, wohl aber die Jugendabteilung oder sonstige Vermittlungsstellen. Die halboffene Adoption informiert persönlich, aber anonym die „abgebenden“ Eltern und die „annehmenden“ Eltern: Die biologischen Eltern haben gesehen, wer ihr Kind annimmt, wissen aber den Namen nicht. Schließlich wäre noch die offene Adoption: Biologische und adoptierende Eltern kennen einander persönlich und mit allen erforderlichen Daten.


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