08.05.2001 | 00:00

Festakt anlässlich des Europatages 2001 in St.Pölten

LH Pröll: Erweiterung mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß

„Die EU-Erweiterung mit allen ihren Chancen und Risken für Niederösterreich steht außer Frage.“ Für Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll kommt es nun auf den Zeitpunkt an. Das Motto muss lauten: „Gründlichkeit vor Schnelligkeit und harmonisches Wachstum statt Biegen und Brechen.“ Der Landeshauptmann ließ bei der gestrigen Feierstunde in St.Pölten aus Anlass des Europatages 2001 keinen Zweifel daran, dass die für die Entwicklung Europas anstehenden Entscheidungen in einem größeren Zusammenhang zu sehen sind und dass dieses Europa über die Erweiterung hinaus eine Vertiefung brauche. „Diese Entscheidungen erfordern deshalb Fingerspitzengefühl und Augenmaß und müssen vor allem von Politikern und weniger von Mathematikern getroffen werden.“ Grundsätzlich sei gegen die derzeit diskutierte siebenjährige Übergangsfrist bei der EU-Erweiterung nichts einzuwenden. Pröll: „Man muss sich aber auch die Option offen lassen, diese Frist zu verkürzen, wenn es besser läuft als vorgesehen.“ Der Landeshauptmann sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, in regelmäßigen Abständen eine Zwischenbilanz zu ziehen und dann die weitere Vorgangsweise festzulegen.

Wichtig sei in einem gemeinsamen friedlichen Europa zudem der Abbau der sozialen Unterschiede. „Soziale Unterschiede führen zu Spannungen und zu Gegensätzen, die allzu oft, wie die Geschichte immer wieder bewiesen hat, Vorboten für Kriege sind“, betonte Pröll. Eine klare Absage erteilte der Landeshauptmann auch der Zentralbürokratie. „Die Bedeutung und die Rolle der einzelnen Regionen, mit denen sich die Bürger identifizieren können, müssen auch künftig erhalten bleiben.“

Im Anschluss an die offizielle Eröffnungsrede des Landeshauptmannes zum Europatag im Landtagssaal folgte eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Prof. Paul Lendvai, der für Pröll europäische Zeitgeschichte verkörpert und der auch der Motor des alljährlich stattfindenden Europaforums in der Wachau ist. Am Podium saßen neben dem Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden der Frantschach AG, Dr. Veit Sorger, auch die Europakorrespondentin der Tageszeitung „Kurier“, Dr. Margaretha Kopeinig, und Dr. Rudolf Bretschneider vom Fessel GfK Institut für Marktforschung, die aus ihrer Sicht die gegenwärtige Entwicklung und zukünftigen Chancen des gemeinsamen Europa beleuchteten.


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