24.08.2000 | 00:00

„Beweinungsrelief“ kehrte zum Pulkauer Altar zurück

Restaurierung nach Rückkauf abgeschlossen

Als einer der größten und bedeutendsten Wandelaltäre des ausgehenden Mittelalters wird der aus der Zeit der Spätgotik stammende, rund 10 Meter hohe Flügelaltar in der Filialkirche von Pulkau angesehen, ein Hauptwerk der Donauschule. Im späten 18. Jahrhundert war die geschnitzte und gefasste „Predellengruppe“ aus dem Altar entfernt worden und anschließend verschwunden. Bei einer Gotikausstellung 1926 gelang ein damals sensationeller Fund: Ein siebenfiguriges Beweinungsrelief wurde als jene Predellengruppe identifiziert, die im Pulkauer Altar fehlt. Das Werk befand sich in Privatbesitz, tauchte Jahrzehnte später im Handel auf und konnte Ende vergangenen Jahres in München ersteigert werden. Den Preis von knapp einer Million Schilling teilten sich Land, Bund, Stadtgemeinde und Pfarre Pulkau, aber auch die Erzdiözese Wien und die Österreichischen Lotterien leisteten einen finanziellen Beitrag.

Seither wurde das Relief in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes konserviert und untersucht: Die Zugehörigkeit zum Altar steht zweifelsfrei fest, die Beweinungsgruppe fügt sich in das Passionsthema auf den großen Flügelbildern nahtlos ein. Dargestellt wird der vom Kreuz genommene Leichnam Christi, von der trauernden Mutter Maria im Schoss gehalten und von fünf Figuren umgeben. Sie zeigen bewegte Gesten und sind nach der damaligen Mode gekleidet. Der unbekannte Schnitzer verwendete Lindenholz, die Bemalung stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Restaurierung setzte vor allem bei der Wiederherstellung der Farben an.

Jetzt plant das Bundesdenkmalamt, den gesamten Flügelaltar restauratorisch zu untersuchen, wodurch es möglich ist, viele offene kunsthistorische und restauratorische Fragen zu beantworten.

In ganz Österreich gibt es rund 200 kirchliche Flügelaltäre aus dem 15. und dem frühen 16. Jahrhundert, ein Großteil davon befindet sich in Niederösterreich. Das Bundesdenkmalamt appelliert an die Öffentlichkeit sowie auch an die Tourismuswirtschaft, bei der notwendigen ständigen Instandhaltung dieser Altäre mitzuhelfen, da alljährlich dazu mehrere Millionen Schilling erforderlich sind.


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