Highlights des Monats

Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jeden Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek.

Im Dezember 2019 haben wir das Büchlein „Hypsipyle : ein Drama von Euripides / deutsch bearbeitet von Dr. Carl Wessely“ (Signatur: 25.387 B) aus dem Jahre 1908 mit einer griechischen Widmung an Franz Keim vorgestellt. Am Schluss der Vorstellung erfolgte ein Hinweis auf den handschriftlichen Vermerk „Keim-Nachlass I/64“, verbunden mit der Frage nach weiteren Büchern aus diesem Nachlass im Bestand der Landesbibliothek. 

Ein Blick in den Gott sei Dank bereits digitalisierten „Numerus currens“ hat Klarheit geschaffen: alle Signaturen von 25.298 bis 25.393 gehören zum „Keim-Nachlass I/64“, was offenbar auf eine Anschaffung im Jänner oder im 1. Quartal 1964 hindeutet. Besonders kurios ist der Umstand, dass unter der Signatur 25.393 lediglich „Franz-Keim-Nachlass (Konvolut) siehe beiliegende Liste“ vermerkt ist; weiter unten findet sich eine eingelegte maschingeschriebene Liste im Umfang von 3 Seiten mit insgesamt 33 Titeln, die bis auf den ersten und letzten alle nicht im Katalog verzeichnet waren. Dies ist mittlerweile geschehen und zeigt den Nutzen der Digitalisierung dieses Altkataloges, aber auch, dass es neben Kauf, Tausch, Geschenk und Pflicht noch eine fünfte bibliothekarische Erwerbungsart gibt: das Auffinden nicht oder mangelhaft katalogisierter Bücher in den Magazinen.

Aus den solcherart neu gewonnenen Beständen seien die „Gedächtnißreden am Sarge Sr. Hoheit, des am 17. October 1895 im Herrn entschlafenen Herzogs Elimar von Oldenburg, gehalten bei der Einsegnung in der Schloßkapelle zu Erlaa am 21. October von Pfarrer A[lfred] Formey [1844-1901], Wien, und bei der Beisetzung in der Gruftkapelle zu Brogyan am 23. October von Lic. theol. P[aul] Gennrich [1895-1946], Erlaa“, Wien : Ludwig Schönberger, 1895, herausgegriffen, wegen des kuriosen Umstandes, dass 1895 in Wien eine Begräbnisfeierlichkeit für einen protestantischen Herzog aus Norddeutschland stattfand.

Bild von Beethoven

Alfred Krauße, 1829-1894. Ludwig van Beethoven (ca. 1855)
Stahlstich, 135 x 213 mm. Beschriftet [Faksimile einer autografischen Unterschrift]: LvBeethoven Bezeichnet: A. Krauße gest. / Leipzig, Fr. Brandstetter.
 [NÖ Landesbibliothek, Porträtsammlung P 95]

Diese Druckgrafik geht letzten Endes auf eine Kreidezeichnung des August von Kloeber (1793-1864) zurück, der sein „Modell“ persönlich gekannt hat, und wird in der Porträtsammlung der NÖ Landesbibliothek aufbewahrt. Diese umfasst primär Bildnisse von Angehörigen des Hauses Habsburg, aber auch von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Folglich ist auch mancher Komponist in dieser Sammlung vertreten, so etwa (Franz Joseph) Haydn, Mozart, Schubert – und der 1792 aus Bonn nach Wien übersiedelte Beethoven

Die unbegreifliche Erscheinung dieses Menschen, dessen Geburt sich 2020 zum 250. Mal jährt, muss wohl von jeder Generation neu entdeckt werden. Das Nonkonformistische, ja Grobe in seinem äußeren Wesen, das oft genug dazu diente, Unsicherheit und Verzweiflung zu überspielen, speiste sich aus üblen Kindheitserfahrungen, wurde aber durch eine sich nach nicht einmal drei Lebensjahrzehnten ankündigende Ertaubung verstärkt. Dazu kam eine Abneigung gegen sich lediglich auf Geburtsadel gründende Autoritäten und eine oft übers Ziel schießende Rigorosität in familiären Belangen. 

Was dieser zwiespältige Mensch jedoch geleistet hat, kann am ehesten mit „Revolution“ erfasst werden: Beethoven revolutionierte diverse musikalische Gattungen, vor allem Genres wie Symphonie, Klavierkonzert, Klaviersonate und Streichquartett. Sein Nonkonformismus ermöglichte ihm in seiner Spätzeit die Schaffung von Werken, welche an den Bedürfnissen zeitgenössischer Musikalität vorbeizielten, ja heute noch eine Herausforderung für Aufführende wie Hörende bilden. Dennoch setzte er Maßstäbe in vielen Bereichen, wie besonders die berühmte c-Moll-Symphonie beweist.  

Gerade sein überragendes symphonisches Schaffen sollte für Nachgeborene zum Problem werden. So wissen wir, wie langsam sich selbst Genies wie Anton Bruckner und Johannes Brahms die Gattung „Symphonie“ erarbeitet haben: Das Beethoven‘sche Erbe scheint hier eine nicht geringe Hürde gewesen zu sein. Letztlich aber waren instrumentale Faktur, Viersätzigkeit, scharfes thematisches Kontrastieren und Ausgreifen ins Monumentale in ihrer Kombination Faktoren, die Wege zu größten symphonischen Werken geebnet haben – dank Beethoven.

unterschiedliche Gebetbücher
© NÖ Landesbibliothek


Ein Besuch in der Restaurierungswerkstätte in der Niederösterreichischen Landesbibliothek beschert dem Gast derzeit den Blick auf zahlreiche Gebetbücher mit schönen Einbänden.

Da diese Bücher nach Abschluss der anfallenden konservatorischen und restauratorischen Arbeiten in Magazinen nach dem Prinzip des Numerus currens und somit verstreut aufgestellt werden, haben wir uns entschieden, die augenblickliche Gunst der Stunde zu nutzen und den Anblick einer kleinen Auswahl dieser Gebetbücher mit Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, zu teilen.

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Letzte Änderung dieser Seite: 2.3.2020
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