28.11.2019 | 10:25

Land NÖ fördert Kombi-Ausbildung von Sanitätern und Pflegern für präklinische Versorgung

LR Eichtinger: Bis 2023 können 200 Studierende diesen Lehrgang beginnen

Neue Wege in der Akutversorgung. Im Bild von links nach rechts: Notruf-Niederösterreich Geschäftsführer Christof Chwojka, FH St. Pölten Geschäftsführer Gernot Kohl, Landesrat Martin Eichtinger und Rot Kreuz NÖ-Präsident Josef Schmoll
Neue Wege in der Akutversorgung. Im Bild von links nach rechts: Notruf-Niederösterreich Geschäftsführer Christof Chwojka, FH St. Pölten Geschäftsführer Gernot Kohl, Landesrat Martin Eichtinger und Rot Kreuz NÖ-Präsident Josef Schmoll © NLK BurchhartDownload (1.4Mb)

Über die vom Land Niederösterreich geförderte akademische Kombi-Ausbildung von Sanitätern und Pflegern für die präklinische Versorgung informierten heute Landesrat Martin Eichtinger, Notruf-Niederösterreich Geschäftsführer Christof Chwojka, Rot Kreuz NÖ-Präsident Josef Schmoll und FH St. Pölten Geschäftsführer Gernot Kohl bei einer Pressekonferenz an der Fachhochschule St. Pölten. Dabei wurde auch das neue Pilotprojekt „Acute Community Nursing“ vorgestellt, das in Bruck an der Leitha startet.

Das Land Niederösterreich habe damit österreichweit eine Vorreiterrolle eingenommen und leiste einen wertvollen Beitrag zur positiven Weiterentwicklung im Gesundheitswesen, so Landesrat Eichtinger. „Bis 2022/23 werden in Summe 200 Studierende ihre akademische Ausbildung an der Fachhochschule St. Pölten neu starten können. Besonders hervorzuheben ist dabei die Neuerung, dass die Ausbildung für Sanitäterinnen und Sanitäter erstmals im Fachhochschulsektor stattfindet,“ betonte er und führt weiter aus: „Mit der Fachhochschule St. Pölten haben wir nun einen Partner an der Seite, der die Sanitäterinnen und Sanitäter nach dem Sanitäter-Gesetz ausbildet. Die Fachhochschule St. Pölten ist somit die erste Nicht-Rettungs-Organisation in Österreich, die dies umsetzt.“ Das Land Niederösterreich unterstützt diese Ausbildung in den nächsten vier Jahren mit rund 1,6 Millionen Euro.

Diese Ausbildung verläuft integrativ im Studiengang „Gesundheits- und Krankenpflege“ über insgesamt sieben Semester und wird gemeinsam mit dem Bachelor-Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege absolviert. „Mit unserem Studiengang bilden wir schon heute Studierende für wichtige neue Berufsfelder aus. Die Studierenden können entweder die klassische Gesundheits- und Krankenpflege-Ausbildung in Form eines Studiums absolvieren und mit einem Bachelorabschluss und einem Diplom in Gesundheits- und Krankenpflege abschließen. Oder sie können zusätzlich dazu den Lehrgang ‚präklinische Versorgung‘ absolvieren und sich zu Expertinnen und Experten für diesen Bereich ausbilden lassen. Diese Kombination bezeichnen wir als ‚Gesundheits- und Krankenpflege plus‘-Studium. Die Fachhochschule St. Pölten ist die einzige Hochschule in Österreich, die diese Ausbildung anbietet und die einzige Fachhochschule, die die Berechtigung zur Ausbildung von Rettungs- sowie Notfallsanitäterinnen und -sanitätern hat“, meinte FH-Geschäftsführer Gernot Kohl.

Mit dem Pilotprojekt „Acute Community Nurse“ wird die Innovation des Lehrganges jetzt noch um einen neuen Einsatzbereich in Niederösterreich erweitert. Als sogenannte „Acute Community Nurses“ können Pflegepersonen mit besonderer Expertise in der präklinischen Versorgung auch im Rettungsdienst in der Notfallversorgung tätig werden. „Niederösterreich startet dieses medizinische Pilotprojekt in der Region Bruck an der Leitha. Dieses Leuchtturmprojekt ist konzipiert für drei Jahre. Es verfolgt das Ziel, Patientinnen und Patienten am ‚Best Point of Service‘ zu versorgen und das Gesundheitssystem zu entlasten. Die Ergebnisse der Evaluation werden in Form eines Zwischenberichts bis Jänner 2022 und eines Abschlussberichts zu Projektende vorgelegt“, führte Eichtinger aus. Diese Ergebnisse werden eine wesentliche Grundlage zur Bewertung einer Fortführung oder weiteren Ausrollung in Niederösterreich ab 2023 spielen. Der Einsatz der „Acute Community Nurse“ erfolgt wie bei anderen Rettungseinsätzen durch Alarmierung nach Anrufen über die Rufnummern 144 oder 1450. Die „Acute Community Nurse“ fährt mit speziell ausgerüstetem Einsatzfahrzeug von ihrem Stützpunkt an den Einsatzort und versorgt Menschen je nach Erfordernis.

„Um das Gesundheitssystem bestmöglich auf neue Herausforderungen vorzubereiten, fördern wir dieses neue innovative Versorgungsmodell mit dem Ziel, Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern eine qualitativ hochwertige Versorgung am ‚Best Point of Service‘ gewährleisten zu können. Mit dem Pilotprojekt ‚Acute Community Nursing‘ wird erstmals ein Zukunftsmodell in der Patientenversorgung an der Nahtstelle zwischen Rettungswesen und ambulanter Versorgung verwirklicht,“ sagte Notruf Geschäftsführer Christof Chwojka.

„Chronisch Erkrankte oder pflegebedürftige Menschen müssen aufgrund von kleinen Problemen in Kliniken eingeliefert, behandelt und anschließend wieder zurückgebracht werden. Wie bereits international belegt, gehen wir auch in Niederösterreich davon aus, dass ein beträchtlicher Anteil an Rettungseinsätzen nicht primär einen Krankenhausaufenthalt oder einen Ambulanzkontakt erfordert, sondern schon im Vorfeld durch die Arbeit der ‚Acute Community Nurse‘ vor Ort beantwortet werden kann. Oft geht es dabei um das Beheben von Katheter-Problemen und Sondenfehllagen“, betonte Josef Schmoll, Präsident des niederösterreichischen Roten Kreuzes.

Nähere Informationen beim NÖGUS unter 0676/85871-33030, Martin Hillinger, und E-Mail martin.hillinger@noegus.at

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