Am gestrigen Sonntag fand im Landesklinikum Mauer erstmals ein ökumenischer Gedenktag für die Opfer der NS-Euthanasie sowie für die verstorbenen Kriegsgefangenen statt. An der Veranstaltung nahmen rund 150 Gäste teil und setzten
gemeinsam ein sichtbares Zeichen des Erinnerns, der Verantwortung und des Respekts vor den Opfern des nationalsozialistischen Regimes. Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich Bundesminister für Inneres Gerhard Karner, der für die NÖ Kliniken zuständige Landesrat Anton Kasser sowie weitere hochrangige Vertreter aus Politik und Religion.
„Das Erinnern an die Opfer der NS-Euthanasie ist eine bleibende Verpflichtung. Gerade Orte wie das Landesklinikum Mauer tragen eine besondere historische Verantwortung. Mit diesem Gedenktag wird sichtbar gemacht, dass die Würde jedes einzelnen Menschen unantastbar ist – gestern, heute und in Zukunft“, betont Landesrat Anton Kasser.
„Gedenkarbeit ist auch Zukunftsarbeit, gerade in einer Zeit, in der Demokratie und Rechtsstaat in Frage gestellt werden“, ergänzt Innenminister Gerhard Karner.
Den wissenschaftlichen Rahmen der Veranstaltung bildetet ein historischer Exkurs von Philipp Mettauer vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs. Seit mehreren Jahren arbeitet das LK Mauer gemeinsam mit Mettauer und dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs die NS-Vergangenheit des Standortes auf. Im Zuge der wissenschaftlichen Begleitforschung zur NÖ Landesausstellung 2026 wurden alle bekannten Opfer namentlich in einer Datenbank erfasst und der Friedhof zudem mittels Bodenrader untersucht.
Mindestens 70.000 Menschen wurden im Rahmen der NS-Euthanasie ermordet. Auch die damalige Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling war Schauplatz nationalsozialistischer Medizinverbrechen. 2.848 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten kamen dort ums Leben. Auf einem erweiterten Teil des Friedhofs des heutigen Landesklinikums befinden sich namenlose Massengräber. Nach Schätzungen sind dort rund 300 Menschen begraben.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Gedenkspaziergang mit Kranzniederlegungen und gemeinsamen Gebeten, der Raum für stilles Erinnern bot. Zudem wurde die Gedenktafel für die Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs enthüllt, die erstmals alle Namen der hier verstorbenen Kriegsgefangenen zeigt.
Mit dem erstmals durchgeführten Gedenktag setzt das LK Mauer ein Zeichen für historisches Verantwortungsbewusstsein, gelebte Erinnerungskultur und die Verpflichtung, den Opfern nationalsozialistischer Verbrechen dauerhaft einen Platz im öffentlichen Gedächtnis zu geben. Zukünftig wird jährlich eine Gedenkveranstaltung am 18.01. umgesetzt.
Weitere Informationen bei Harald Höllmüller, Landesklinikum Mauer, Tel.: +43 (0)7475 9004-12050, E-Mail: harald.hoellmueller@mauer.lknoe.at
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