Amphibienschutz an NÖ Straßen

Wenn im Frühling die Temperaturen steigen beginnen Frösche, Kröten, Unken und Molche mit ihrer Wanderung zu den Laichplätzen. Auf dem Weg dorthin gilt es zahlreiche Hindernisse zu überwinden...

Ausgangslage

Erdkröten-Paar bei der Wanderung.
Erdkröten-Paar bei der Wanderung., © Axel Schmidt

Wenn im Frühling die Temperaturen steigen beginnen Frösche, Kröten, Unken und Molche mit ihrer Wanderung zu den Laichplätzen. Auf dem Weg dorthin gilt es zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Für viele Amphibien endet die Wanderung leider nicht im Teich, sondern an einer von Niederösterreichs Straßen. Die Naturschutzabteilung des Landes Niederösterreich versucht deshalb in Zusammenarbeit mit den Straßenbauabteilungen, Straßenmeistereien, dem Naturschutzbund Niederösterreich und zahlreichen freiwilligen Helfern die Amphibien vor dem Straßentod zu bewahren.

Vielerorts werden die Amphibienschutzzäune von MitarbeiterInnen der  örtlich zuständigen Straßenmeisterei aufgestellt.
Vielerorts werden die Amphibienschutzzäune von MitarbeiterInnen der örtlich zuständigen Straßenmeisterei aufgestellt., © Axel Schmidt

Im Jahr 2009 wurde das erste Projekt zum Schutz von Amphibien an Niederösterreichs Straßen gestartet. Seither ist viel passiert: Es wurden alle bekannten Wanderstrecken Niederösterreichs erhoben, begangen und dokumentiert. Bei gesicherten Strecken wurden Verbesserungsvorschläge erarbeitet, ungesicherte Wandertrecken wurden nach Schutzwürdigkeit priorisiert und der Bedarf an Schutzeinrichtungen ermittelt. In allen Fällen wurde der Kontakt mit der zuständigen Straßenmeisterei und eventuell vorhandenen freiwilligen Streckenbetreuern aufgenommen und Beratung bzw. Hilfestellung bei der praktischen Umsetzung angeboten.

Es wurde eine Plattform geschaffen, um die rund 200 ehrenamtlich tätigen Personen zu vernetzen und den Informationsaustausch anzuregen. Newsletter informieren die Zaunbetreuer rechtzeitig über die bevorstehende Wanderung. Fallen bei gesicherten Wanderstrecken Betreuer aus, werden mittels Medienaufrufen neue Helfer gesucht.


Aktuelle Situation

Mit Amphibienschutzzäunen gesicherte Wanderstrecke.
Mit Amphibienschutzzäunen gesicherte Wanderstrecke., © Axel Schmidt

In Niederösterreich sind derzeit 244 Amphibienwanderstrecken bekannt. 60 % davon sind entweder dauerhaft oder zumindest zur Zeit der Amphibienwanderung gesichert. Vereinzelt gibt es permanente Leitanlagen mit Tunnelsystemen, der Großteil der Strecken ist jedoch mittels „Zaun-Kübel-Methode“ gesichert. Bei dieser Methode wird, meist von der örtlich zuständigen Straßenmeisterei, ein Amphibienschutzzaun entlang der Straße errichtet, der für die Tiere nicht überwindbar ist. Die Amphibien wandern am Zaun entlang und fallen in eingegrabene Auffangkübel. Diese werden oft mehrmals am Tag von freiwilligen Zaunbetreuern, Mitgliedern von Naturschutzvereinen oder von Mitarbeitern der Straßenmeisterei sicher über die Straße gebracht und entleert.

Erdkröten-Paar im Auffangkübel.
Erdkröten-Paar im Auffangkübel., © Axel Schmidt

Um den Schutz von Amphibienwanderstrecken zu verbessern, wurde in den vergangenen Jahren viel investiert. Seitens der NÖ Straßenmeistereien wurden zwischen 2011 und 2016 über 22,5 Kilometer an Amphibienschutzzäunen angekauft und aus Mitteln der Europäischen Union kofinanziert. Im Frühjahr 2017 wurden weitere 3,3 Kilometer bestellt. Die Zäune werden einerseits zur Modernisierung bestehender Schutzeinrichtungen verwendet. So erhalten Strecken, die derzeit beispielweise mit Holzbrettern oder Schneezäunen gesichert wurden einen adäquaten Schutz. Andererseits werden damit auch neue Strecken gesichert.


Lebensweise und Gefährdung

Für ihre Wanderung benötigen Amphibien milde Temperaturen. Solange es in der Nacht gefriert, bleiben sie eingegraben unter Laub und Erde oder am Grund von Gewässern. Erst wenn sich die Temperaturen in den Abendstunden über 5°C einpendeln, begeben sich die Amphibien auf Wanderung, die sich meist auf die Monate März und April erstreckt. In den Laichgewässern entwickeln sich zunächst Amphibienlarven, die im Zeitraum von zwei bis 3 Monaten zu vierbeinigen Landtieren werden. Die Abwanderung der Jungtiere erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und ist nicht so geballt, wie die Anwanderung, weshalb sie mittels temporären Amphibienschutzzäunen ungleich schwerer zu schützen ist.

Amphibien gehören zu den stark gefährdeten Tierarten: alle 20 heimischen Arten sind auf den „Roten Listen“ zu finden und sind durch die NÖ Artenschutzverordnung geschützt. Hauptursache für die starke Gefährdung ist der Verlust an geeigneten Lebensräumen. Der schleichende Rückgang an geeigneten Wasser- und Landlebensräumen aber auch zahlreiche „Verkehrsunfälle“ an den zu querenden Straßen wirken sich negativ auf die Bestände aus.

Ihre Kontaktstelle des Landes für Artenschutz

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Landhausplatz 1, Haus 16 3109 St. Pölten E-Mail: post.ru5@noel.gv.at
Tel: 02742/9005 - 15278
Fax: 02742/9005 - 15220   
Letzte Änderung dieser Seite: 31.3.2017
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