Highlight des Monats

Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jedes Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek. Die aktuellsten drei Objekte sehen Sie direkt hier auf der Seite, ältere Highlights sind als Download abrufbar.

Aquarell,
Aquarell, Öl auf Papier, Beschriftet: "Th v Holbein, Pilligsdorff 820 d'apr nat"© NÖ Landesbibliothek, Topographische Sammlung, Inventarnummer 27.497


Dieses Bild ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Es stammt von einer Dame und thematisiert eine selten von Künstlerhand verewigte Örtlichkeit. Beginnen wir mit der Künstlerin: Therese Holbein, wohl von der berühmten Malerfamilie gleichen Namens abstammend, wurde um 1785 in Graz geboren und lebte ab ca. 1814 in Wien, wo sie 1859 starb. 

Sie wirkte als Malerin und Zeichnerin; trat jedoch ebenso mit Radierungen an die Öffentlichkeit. Motive aus der Natur und Ortsansichten bildeten die Schwerpunkte im Schaffen dieser Künstlerin, von deren Hand die NÖ Landesbibliothek auch eine 1822 datierte Radierung von Burg Rauhenstein bei Baden besitzt. 

Aus etwa dieser Zeit stammt die Ansicht von Pillichsdorf und Umgebung. Genau genommen, handelt es sich um einen Ausblick an der Pfarrkirche St. Martin vorbei in Richtung Alpen. Das im Kern mittelalterliche Gotteshaus mit seinem klar differenzierten Äußeren dient hier als Orientierungs- und Ausgangpunkt für eine Reise, welche das betrachtende Auge über das Marchfeld hinweg in Richtung Südwesten unternimmt. 

Das Bildfeld ist sorgfältig gegliedert: Eine abgedunkelte Vordergrundbühne, welche die anonym bleibenden Häuser des alten Marktortes beherbergt, kontrastiert mit der hell beleuchteten Dualität von Kirche und Pfarrhof, als deren Gegenpol im Hintergrund zwei schneebedeckte Berge fungieren. 

Zwar ist erwähnte Kirche seit den 1830er-Jahren wenigstens ein paar Mal von Künstlerhand verewigt worden, doch findet die von Therese Holbein vorgenommene Einbettung einer kleinen Örtlichkeit in ein größeres, Qualitäten einer „Weltlandschaft“ aufweisendes Bildganzes so schnell kein Gegenstück. Die hier begegnende, an Schillers Zeiten gemahnende Antinomie von „Natur“ und „Kultur“ erfährt in diesem Gemälde eine künstlerisch eigenwillige und unverwechselbare Interpretation.

Übersichtskarte der Fluszgebiete des Erzherzogtums Österreich unter der Enns

Neben der Kartensammlung der NÖ Landesbibliothek besitzt auch die Abteilung Wasserwirtschaft die vom Landesausschuss 1905 im Maßstab 1:300 000 herausgegebene „Übersichtskarte der Fluszgebiete des Erzherzogtums Österreich unter der Enns“. Der Entwurf der Karte stammt vom NÖ Landes-Ingenieur-Adjunkten J[akob] Jakubetz, Photolithographie und Druck besorgte das K.u.K. Militärgeographische Institut.

Übersichtskarte der Flussgebiete im Erzherzogtum unter der Enns
© NÖLB

Das Kartenbild zeigt die Oberflächengewässer innerhalb der damals geltenden Landesgrenzen des Erzherzogtums Österreich unter der Enns mit ihren zugehörigen orographischen Einzugsgebieten (begrenzt durch Wasserscheiden). Ergänzt wird dieser Inhalt durch eine Reihe von Tabellen mit statistischen Angaben zu den Gewässern. 

Die vorliegende Ausgabe von 1905 berücksichtigt bereits die Ergebnisse der Orthographischen Konferenz von 1901: Frühere Ausgaben der Karte von 1882 und 1887 zeigen eine ältere Rechtschreibung (z.B. Erzherzogthum statt Erzherzogtum, Flussgebiete statt Fluszgebiete!) und basieren auf alten Maßen im Duodezimalsystem – der seinerzeit verwendete Maßstab (1:288 000 statt 1:300 000) ergibt sich aus dem Verhältnis 1 Zoll ≙ 4000 Wiener Klafter (1 Wiener Klafter = 6 Fuß = 72 Zoll) 

In der Zwischenkriegszeit - vermutlich aber bis nach 1945 - wurde diese Karte als Grundlage für amtsinterne thematische Kartenausgaben (z.B. Straßen-Übersichtskarten) verwendet, wobei die jeweils gewünschten thematischen Ebenen in einem neuerlichen Druckvorgang auf das fertige (ursprüngliche) Druckwerk aufgebracht wurden. 

Ein besonderer Dank gebührt Herrn Ing. Peter Strecha für die Idee und Konzeption der Vorstellung dieser Flussgebietskarte.

Download der Karte (JPG, 27,3 mb)

Weiterführende Links:

NÖ Atlas
Österreichisch-Ungarische Landesaufnahmen



Ausschnitt aus Blatt 105
Raum Schwarzau am Steinfeld – Pitten – Bad Erlach, Ausschnitt aus Blatt 105 (Section Neunkirchen, 1869)© NÖLB

Unter Verwendung des Materials der Franziszeischen oder Zweiten Landesaufnahme wurde vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich unter Leitung von Anton Steinhauser in den Jahren 1866-1881 eine „Administrativ-Karte von Nieder-Österreich“ im Maßstab 1:28.800 in 111 Blättern herausgebracht: ein Meilenstein der niederösterreichischen Kartografie. 

Die Maßstabsgenauigkeit dieser Karte wird natürlich vom Franziszeischen Kataster (im Maßstab 1:2.880) übertroffen. Die seinerzeit verwendeten Maßstäbe 1:2.880, 1:28.800, 1:288.000 etc. ergeben sich aus der Zugrundelegung alter Maße im Duodezimalsystem, nämlich 1 Zoll ≙ 40 bzw. 400 bzw. 4.000 Wiener Klafter, wobei 1 Wiener Klafter umgerechnet 72 Zoll (das sind ungefähr 1,90 Meter) entspricht. Andererseits ist das Ergebnis der erst 1987 (!) abgeschlossenen Vierten Landesaufnahme (Präzisionsaufnahme) das aktuelle Kartenmaterial im Maßstab von lediglich 1:50.000. 

Der besondere Reiz der Karte ergibt sich - abgesehen von ihrer Genauigkeit - aus den vorliegenden veralteten Schreibweisen (z.B. Pütten statt Pitten) sowie den zum Teil heute kaum oder gar nicht mehr bekannten Flurnamen (z.B. Krampenstein).

Ausschnitt aus Blatt 21
Politische u. gerichtliche Eintheilung des Gebietes von Wien, Ausschnitt aus Blatt 21 (Section Landshuth, 1872)© NÖLB

Auf einigen Karten im Grenzgebiet, die dementsprechende Freiflächen bieten, z.B. Blatt 21 mit der Section Landshuth, finden sich ergänzende Kartenskizzen, in diesem Fall die „Politische und gerichtliche Eintheilung des Gebietes von Wien“ mit einer Gegenüberstellung der Einteilung des Gemeindegebietes vor und nach 1850.

Ausschnitt aus Blatt 111
Politische Eintheilung - Zusammenstellung der Blätter, Ausschnitt aus Blatt 111 (Section Gschaid, 1871)© NÖLB

Auf Blatt 111 (Section Gschaid) ist neben der politischen Einteilung Niederösterreichs in Bezirke (wie z.B. Sechshaus oder Hernals mit Klosterneuburg und Tulln) auch der Blattschnitt zu sehen: die Section Wien sammt Umgebung z.B. findet sich demzufolge auf Blatt 65. 

Übersicht und Blattschnitt mit Links zu den einzelnen Blättern sowie  Spezialinhalten (PDF, 32 KB).

Papierfabrik Klein-Neusiedl, Aquarell
© Erwin Pendl Wien/NÖLB

Mit der Künstlerpersönlichkeit des Erwin August Pendl (1875-1945) verbinden wir heute in erster Linie Wiener Veduten; in Wahrheit aber war dieser begnadete Aquarellist äußerst vielseitig. So wirkte er auch als Illustrator und Kunstschriftsteller, wandte sich zugleich größeren Formaten zu und widmete seine Aufmerksamkeit wiederholt dem „Industrieviertel“. Ein Beispiel für seine vollendete Aquarellkunst in großem Format, welche eine in jener Region gelegene Betriebsstätte zeigt, ist dieses prachtvolle Blatt zur Papierfabrik von Klein-Neusiedl.

In dieser nahe der Stadt Fischamend gelegenen Ortschaft war schon 1793 eine Papierfabrik gegründet worden, die sich im frühen 19. Jahrhundert zu einer der größten ihrer Art auf niederösterreichischem Boden entwickeln sollte; zu Pendls Zeit sah sie sich auf dem Höhepunkt ihrer Prosperität. Von diesem bis in die Krisenjahre nach 1930 florierenden Werk, welches nach dem Kriegsende 1945 sogar noch eine Baumwollspinnerei beherbergen sollte, sind einige stattliche Überreste vorhanden, darunter Bauten aus der Gründerzeit des Betriebes.

Wie sich eine solche Anlage am besten präsentiert, führt Meister Pendl eindrucksvoll vor: Er zeigt das Areal mit seinen Produktionstrakten, den teils spätbarocken Verwaltungsgebäuden und dem ebenfalls auf das 18. Jahrhundert zurückgehenden Park. An Bildern von Schlössern und Klöstern gemahnend, ist dieses Vogelschau-Bild einer namhaften Papierfabrik als ebenso repräsentativ einzustufen wie barocke Ansichten von Adelssitzen oder Ordenshäusern: Beide stellen sich als differenzierte Architekturkomplexe dar; beide instrumentalisieren und verändern ihre unmittelbare Umgebung. 

Im Rahmen einer weiter gefassten Ansichtengeschichte nimmt dieses Blatt eine besondere Stelle ein, darf jedoch motivlich nicht als einzigartig gelten. Bereits im frühen 19. Jahrhundert hatte der Unternehmer Andreas Töpper (1786-1872) sein großes Eisenwalzwerk in mehreren Lithografien verewigen lassen, und zu Pendls Zeit hat Ferdinand Weeser-Krell (1883-1957) bezeichnenderweise neben Klöstern auch Fabriken aus der Vogelschau dargestellt. Zu betonen ist jedoch die künstlerische Qualität, welche von Pendls außergewöhnlicher Begabung zeugt und dieses Aquarell der Klein-Neusiedler Papierfabrik zu einem der besten seiner Art macht.

Getrocknete Blätter zwischen Buchseiten
© NÖLB

Wer kennt das nicht? Wenn man ein richtig altes, dickes Buch aufschlägt, fallen einem gelegentlich gepresste, vertrocknete Blüten und Blätter in die Hände. So ergeht es natürlich auch Bibliothekaren und Bibliothekarinnen, wenn sie alte Bücher aus Verlassenschaften in die Hand nehmen. Meist wird diesem „botanischen Beiwerk“ nicht die Beachtung geschenkt, die es vielleicht verdienen würde. Dabei wäre es eine spannende Aufgabe, dieses Fundmaterial zu sammeln und gelegentlich auszustellen – getreu dem Motto „Natur in Büchern“ nach dem Vorbild von „Natur im Garten“. Liebe Leserin, lieber Leser, wir laden Sie hiermit ein, Tipps zur Bestimmung der beiden abgebildeten Pflanzen abzugeben und vielleicht eigene in Büchern gepresste Pflanzen der Landesbibliothek zur Verfügung zu stellen.

Getrocknete Blätter zwischen Buchseiten
© NÖLB
Ersnt Welker: Kartause Gaming
Bleistift, Tusche und Aquarell, 21,0 x 29,1 cm. <br /> Beschriftet [rev.]: Gaming – Bezeichnet [rev.]: Welker [...] <br /> [NÖ Landesbibliothek, Topographische Sammlung, Inv.-Nr. 5.378] <br /> © NÖ Landesbibliothek

Der 1788 in Gotha (Thüringen) geborene Landschaftsmaler Ernst Welker erhielt seine Ausbildung u.a. an der Wiener Akademie. Von ihm sind etliche Ansichten von Landschaften und Bauwerken aus dem Wiener Raum, aber auch aus verschiedenen Alpenländern und Italien erhalten. Die NÖ Landesbibliothek besitzt einige Originalarbeiten des 1857 in Wien verstorbenen Künstlers, darunter ein Aquarell des längst verschwundenen Neunkirchner Tors in Wiener Neustadt.

In diesem Blatt hat sich Welker mit dem ehemaligen Kartäuserkloster Gaming, Bezirk Scheibbs, auseinandergesetzt. Dieses, schon in der Barockzeit oftmals abgebildet, wurde in Malerei und Graphik des 19. Jahrhunderts künstlerisch gleichsam wiederentdeckt. In dieser Epoche beschränkte man sich nicht mehr auf die bis dahin bevorzugte Dokumentation der repräsentativen Gesamtanlage, sondern stellte diese einzigartige Architektur als Teil ihrer pittoresken Umgebung dar.

Die gotische, barock veränderte Klosterkirche und der Tor-Turm mit dem namengebenden Marienthron-Relief über dem Portal sind gut erkennbar. Sie stehen gleichsam für das gesamte Areal, welches in einer parkartig gestalteten Landschaft fast zu verschwinden droht. Mit seinem Aquarell erweist Welker sich als Teil einer im 19. Jahrhundert überwiegend die Nordseite der Anlage, also das Duo Kirche/Tor-Turm, darstellenden Abbildungstradition.

Das Gaminger Ordenshaus, 1330 durch den Habsburger Herzog Albrecht II. gestiftet, war einst die größte Kartause der deutschen Ordensprovinz. Zeitlich zwischen Mauerbach (1316) und Aggsbach (1377/80) gegründet, erlebte Gaming sowohl im Spätmittelalter als auch im Barock Zeiten von Prosperität und überregionaler Bedeutung. Unter Joseph II. wurde das Ordenshaus aufgehoben und dem Verfall preisgegeben, erlebte jedoch seit den 1980er-Jahren seine glückliche Wiederherstellung.

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Letzte Änderung dieser Seite: 31.7.2017
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