15.05.2015 | 13:20

LH-Stv. Sobotka präsentierte Studie „Arbeitsland Niederösterreich"

„Notwendig, auf die Individualität des Bürgers zu reagieren"

Präsentierten die Ergebnisse der Studie \"Arbeitsland Niederösterreich\": Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka und Studienautorin Mag. Gertrude Hausegger.
Präsentierten die Ergebnisse der Studie \"Arbeitsland Niederösterreich\": Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka und Studienautorin Mag. Gertrude Hausegger.© NLK Diese Datei steht nicht mehr zum Download zur Verfügung. Bild anfordern

Im Rahmen einer Pressekonferenz in St. Pölten präsentierte Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka heute, Freitag, gemeinsam mit Mag. Gertrude Hausegger, Geschäftsführerin Prospect Unternehmensberatung, die Ergebnisse und kommenden Schwerpunkte der Studie „Arbeitsland Niederösterreich" unter dem Motto „Bilden. Beschäftigen. Fördern.". Es sei eine „in die Tiefe gehende Studie", die Handlauf dafür sein solle, wie am Arbeitsmarkt gehandelt werde und damit die richtigen Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden.

Niederösterreich habe im Jahr 2014 582.535 Beschäftigte gehabt, im Jahr 1994 seien es 498.752 gewesen. „Das ist ein Anstieg von mehr als 83.000 Beschäftigten in den letzten 20 Jahren", so Landeshauptmann-Stellvertreter Sobotka. Einer steigenden Beschäftigung stand aber in den letzten Monaten eine steigende Arbeitslosigkeit gegenüber (April 2015: plus 3.000 Beschäftigte, plus 6.500 Arbeitslose). Die Gründe dafür seien vielschichtig. Sobotka nannte sechs Faktoren, die ganz entscheidend dafür seien, wie der Arbeitsmarkt funktioniere.

Aktuell gebe es in Niederösterreich 64.569 Arbeitslose, davon seien 9.614 in Schulung. Ein Drittel davon hätte nur einen Pflichtabschluss und über 2.600 Personen hätten überhaupt keinen Abschluss, so Sobotka. Damit zeige sich, dass es über den Schlüssel Bildung wesentlich einfacher sei, um in Arbeit zu bleiben oder schneller wieder Arbeit zu finden. Rund 7,5 Prozent der Jugendlichen seien „NEETs" (Not in Education, Employment or Training), jeder fünfte Lehrling schaffe den Abschluss nicht. Man müsse daher schon viel früher ansetzen, denn die Biographie und damit die Probleme beginnen mit dem ersten Lebensjahr und setzen sich im Kontinuum fort, so Sobotka.

Ein weiterer Faktor seien Alter und Dauer der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit bei über 50-Jährigen sei ein großes Problem. „Ein 55-jähriger Arbeitssuchender ist im Schnitt doppelt so lange arbeitslos, wie ein 20-jähriger", so Sobotka. Man müsse die Vorzüge der älteren Arbeitswerber darlegen. „Ein wesentlicher Faktor ist die Frage der Branchen", so Sobotka weiters. In Niederösterreich gebe es im Bereich der Techniker eine geringere Arbeitslosigkeit als das bei anderen Branchen wie dem Hilfsberuf und dem Baunebengewerbe der Fall sei. Vierter Faktor sei „die Zunahme von Arbeitszeitflexibilität", so der Landeshauptmann-Stellvertreter. Die Ein-Personen-Unternehmen hätten seit 2008 um 26 Prozent zugenommen, mittlerweile gebe es 64.000 Selbstständige. Auch die Anzahl der geringfügig Beschäftigten nehme zu.

Zudem komme „eine regionale Differenzierung, die in einem Flächenbundesland wie Niederösterreich und im Vergleich zu Wien eine große Herausforderung" darstelle, so Sobotka. „Wir können mehr Lehrstellen anbieten als Lehrstellen suchen, aber nicht an dem Ort, wo sie gebraucht werden", so Sobotka zur aktuellen Lehrstellensituation. Flexibilität, öffentlicher Verkehr und Junges Wohnen seien notwendig, um diese Dynamik abzubilden. Es brauche die richtigen Branchen an den richtigen Stellen. Jeder vierte Niederösterreicher arbeite in Wien, aber Arbeitslose zählen am Wohnort und Beschäftigte in Wien, nannte Sobotka „Wien" als weiteren Faktor.

„Wir leiten aus der Studie ‚Arbeitsland Niederösterreich‘ vier zentrale Handlungsfelder ab", so der Landeshauptmann-Stellvertreter. „Es wird notwendig, auf die Individualität des Bürgers zu reagieren. Wir müssen die Voraussetzungen für lebensbegleitendes Lernen verbessern", so Sobotka. Zudem spiele die Regionalität eine große Rolle und man müsse die Maßnahmen dahingehend verstärken sowie auch flexibel bei den Angeboten sein. „Es geht uns darum, junge Menschen in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen, Beschäftigte, vor allem ältere, in Beschäftigung zu halten und Arbeitssuchende in Beschäftigung zurückzubringen", so Sobotka.

Einzelne Maßnahmen im „Jahr der Arbeit" seien bereits in Umsetzung. So sei etwa die NÖ Bildungsförderung überarbeitet worden. Damit könne jeder Niederösterreicher innerhalb von drei Jahren bis zu 2.500 Euro Förderung für berufliche Weiterbildung in Anspruch nehmen, in Zukunft werden zusätzlich regionale Programme gestartet. Neu dazu komme das Fachkräftemonitoring, um zu wissen „in welcher Region brauchen wir welche Arbeitkräfte und in welcher Kontinuität". Daneben soll die Teillehre umgesetzt werden und im Herbst werde es einen „Tag der Weiterbildung geben".

„Wir haben im Februar 2014 mit der Studie begonnen und Schwerpunkte in der regionalen Erhebung gesetzt", so Studienautorin Mag. Hausegger. Dabei habe man festgestellt, dass Niederösterreich eine gute Ausgangslage für ausgebildete und zeitlich flexible Personen biete. „Schwieriger ist es für Personen, die keine Ausbildung haben, aktuell in schwierigen Lebenssituationen sind, Leute aus dem Ausland, deren Qualifikationen nicht anerkannt werden und auch Menschen, die entlegener wohnen und kein eigenes Auto haben", so Hausegger. Daher brauche es „ein breites und differenziertes Ausbildungsangebot", auch für Hochqualifizierte. So dürfe die Teillehre, die gerade in Diskussion sei, keine Endstation sein, sondern die Basis dafür sein, später darauf aufzusetzen und eine vollständige Lehre zu absolvieren. Neben der Bildung sei auch die Orientierung am Arbeitsmarkt sehr wichtig. Menschen sollten weniger Angst vor Veränderungen haben.

Nähere Informationen: Büro LH-Stv. Sobotka, Mag. Günther Haslauer, Telefon 0676/812-12221, e-mail guenther.haslauer@noel.gv.at.

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