Verkehrssicherheit

Auch für Niederösterreich bedeutet das Thema Verkehrssicherheit eine besondere Herausforderung. Das Land liegt mit seinem rund 14.000 Kilometer langen Straßennetz deutlich vor anderen Bundesländern und auch pro Einwohner über dem österreichischen Durchschnitt. Zum anderen bedeutet wachsende Mobilität, wie sie die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher zeigen, auch ein höheres Unfallrisiko.

Das Land Niederösterreich arbeitet jedoch daran die Verkehrssicherheit durch Ausbau der Infrastruktur, wie auch durch weitere Sanierung von Unfallhäufungsstellen, gemeinsam mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit in Niederösterreich weiter zu verbessern. Dabei werden Unfallhäufungspunkte systematisch erfasst und saniert. Zusätzliche Schwerpunkte werden auf die Sanierung von Eisenbahnkreuzungen und Motorradstrecken gelegt.

Im letzten Jahrzehnt zeigt die Verkehrssicherheit in Niederösterreich eine positive Entwicklung durch eine Abnahme der Unfälle mit Personenschaden, die 2006 auch im gesamten Bundesgebiet festzustellen war.

Etwa 40% der Todesopfer in Niederösterreich gehen auf Alleinunfälle, vorwiegend im Freiland und auf Grund von unangepasster Geschwindigkeit zurück. Diese Unfallkategorie verzeichnet auch Zuwächse gegenüber den Vorjahren. Bei den Moped- und Motorradbenutzern erhöhte sich die Anzahl der Verletzten bei den Alleinunfällen und Unfällen im Richtungsverkehr. Eine Abnahme ist lediglich im Kreuzungsbereich zu verzeichnen.

Die Getötetenquote (Verkehrstote je 10.000 EinwohnerInnen) zeigt in Niederösterreich einen sehr hohen Wert (1,01 Tote je 10.000 im Jahre 2010). Zurückzuführen ist dies unter anderem auf die topografischen Verhältnisse, mit einem hohen Anteil an zügig trassierten Strecken. Weiters ist auch der Einfluss durch den Zentralraum Wien zu berücksichtigen.

Niederösterreich liegt mit 39,2 UPS/10.000 EinwohnerInnen (2010) bei den Unfällen nach Bevölkerungsdichte gemeinsam mit Wien und dem Burgenland deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt von 42,2 UPS/10.000 EinwohnerInnen. Die ungünstigsten Verhältnisse zeigen sich 2010 in Salzburg und Kärnten.

Werden die Unfälle auf die Anzahl der EinwohnerInnen Niederösterreichs bezogen, so zeigt sich eine breite Streuung von Unfalldichten. Die meisten Bezirke zeigen einen Rückgang der Unfälle mit personenschaden. Besonders positiv hat sich das Unfallgeschehen (2010) in den Bezirken Amstetten, Korneuburg, Lilienfeld un Tulln sowie in der Landeshauptstadt St. Pölten entwickelt. Größere Zunahmen gegenüber 2009 sind in den Bezirken Baden und Mödling zu verzeichnen.

Bei der Anzahl der Unfälle, bezogen auf die Bevölkerungsstärke, trat die Stadt Wiener Neustadt hervor (mehr als 61 Unfälle pro 10.000 EW). An zweiter Stelle liegt die Stadt St. Pölten. Das ist angesichts der hohen Verkehrsdichte in beiden Städten aber nicht verwunderlich. Dafür treten die beiden Städte bei den Toten je 10.000 EW am wenigsten in Erscheinung.

In Zusammenarbeit zwischen dem Land Niederösterreich und der ASFINAG wurde zur Tempokontrolle am Wechselabschnitt der A 2 Süd Autobahn eine „Section Control" eingerichtet. An diesem Standort soll auch der Einsatz von über Regensensoren gesteuerte Wechselverkehrszeichen erprobt werden. Die Erfolge werden maßgeblich darüber entscheiden, ob weitere Anlagen dieser Art in Betrieb genommen werden.

Seit 2005 wird zusätzlich zu den bestehenden mobilen Prüfeinheiten ein neuer LKW -Prüfzug eingesetzt. Verstärkt wurden Kontrollen auf dem Niederösterreichischen Autobahnnetz sowie den Mautausweichstrecken durchgeführt. Zusätzlich wurden Gefahrengut- und Motorradkontrollen mit dem Schwerpunkt Lärmmessung vorgenommen.49% der geprüften Fahrzeuge, die österreichweit einer Prüfstandskontrolle zugeführt wurden, wurden in Niederösterreich geprüft. Ein weiterer Ausbau dieses Bereiches ist vorgesehen.

Im Rahmen der Aktion Schutzengel werden den Gemeinden mobile Tempoanzeigen zur Verfügung gestellt, die an ausgewählten Straßenquerschnitten für den jeweils nächstgelegenen Fahrstreifen Anzahl und Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge erfassen. Das Ziel dieser Aktion ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit vor allem im untergeordneten Straßennetz und im Ortsgebiet (Haltestellenbereich, Zebrastreifen). Zielgruppen sind vor allem FußgängerInnen und RadfahrerInnen.

Auf Grund des Erfolges wird die Aktion Schutzengel mit den Schwerpunkten Tempokontrolle und Schulwegsicherung in den Gemeinden weiter fortgesetzt, so dass bereits ca. 900 Gefahrenstellen beseitigt wurden. Die Maßnahmen reichen von der Errichtung von Querungshilfen über neue Verkehrslichtsignalanlagen bis hin zu Lotsendiensten für SchülerInnen. Der Erfolg dieser Bemühungen zeigt sich nicht zuletzt an der geringeren Anzahl von verletzten Kindern im Gegensatz zum steigenden Trend in Österreich. Auch die Anzahl der verunglückten FußgängerInnen und RadfahrerInnen in Niederösterreich nimmt ab.

Ein wichtiges Anliegen ist das Anpassen des gesamten Straßenraumes an das Ortsbild und die umliegende Landschaft. Im sensiblen Ortsbereich bietet es sich daher an, im Zuge von Neu- und Umbauten die Straßen und ihre Begleitflächen so zu gestalten, dass sie den Ansprüchen aller Verkehrsteilnehmer (nicht nur den Autofahrern) genügen.

Der Charakter eines Ortes wird in erster Linie von den Straßenbenützern geprägt. Dominieren die Kraftfahrer, kann der Ort rasch zur "Durchfahrt" werden, bei der nur rasches, ungehindertes Vorwärtskommen zählt. Dominiert hingegen der Fußgänger, kann der Straßenraum zum Erlebnisraum werden, an dem nicht das Recht des Stärkeren zählt. Die Unfallstatistik gibt dieser Planungsphilosophie Recht: In den neu gestalteten Ortsdurchfahrten sind Verkehrsunfälle bis zu 70 % zurückgegangen, das haben Vorher/nachher-Untersuchungen bewiesen.

In einem Forschungsprojekt des Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds wurden vom Land NÖ effektive Strategien zur Erhöhung der Sicherheit der Motorradfahrer entwickelt, wobei besonderes Gewicht auf die Möglichkeiten der Bewusstseins- und Meinungsbildung gelegt wird. Das Land Niederösterreich unterstützt weiterhin Nachfolgeaktion der Aktion „Ride Easy" - „Bikers project".

Durch die NÖ Straßenverwaltung wird ein gezieltes, frühest mögliches Kehren der wichtigsten Motorradstrecken vom Rollsplitt vorgenommen, um Unfälle zu vermeiden. Motorräder werden darüber hinaus durch Prüffahrzeuge des Landes technisch überwacht und stichprobenartig kontrolliert.

Schwerpunktmäßig wird an Leitschienen ein Unterfahrschutz angebracht oder werden scharfkantige Leitschienen entschärft, um schwerwiegende Verletzungen bei Stürzen zu verhindern.

Zur Sicherheitsprüfung von Straßen kommen die Instrumente der Road Safety Inspection und des Road Safety Audit zum Einsatz. Mit Hilfe der „Road Safety Inspection" überprüft die ASFINAG derzeit die heimischen Autobahnen und Schnellstraßen hinsichtlich Unfallhäufungen, Unfalltypen, Verletzungsschwere etc. In Niederösterreich wurden bisher die A 2 Süd Autobahn und die B 303 Weinviertler Straße analysiert. Je nach Ergebnissen werden Maßnahmen entwickelt, die Unfallhäufungsstellen entschärfen sollen.

Einem „Road Safety Audit" werden Straßenneu- und -umbauten bereits in der Planungsphase unterzogen. Für die in Niederösterreich gelegenen Projekte am Autobahn- und Schnellstraßennetz (S 1, A 5, A 6) wurden derartige Audits bereits durchgeführt. In weiterer Folge wird diese Überprüfung auf alle Straßenbauvorhaben des Landes ausgedehnt.

Kreisverkehrsanlagen, Eisenbahnkreuzungen, Leitschienen

Kreisverkehrsanlagen

Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zur Verkehrsberuhigung durch geringe Fahrgeschwindigkeit wurden in Niederösterreich in den letzten 15 Jahren über 200 Kreisverkehrsanlagen errichtet. Besonders bei Freilandkreuzungen, wo es durch hohe Geschwindigkeiten immer wieder zu schweren Unfällen kommt, hat sich der Richtungsverkehr im Kreis besonders bewährt. Diese Entwicklung soll, in Abhängigkeit der örtlichen Situation, Verkehrsmenge und der Zusammensetzung der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, maßgeschneidert fortgesetzt werden.

Die Vorteile sprechen jedenfalls für sich:

  • Verkehrsberuhigung durch geringe Fahrgeschwindigkeit
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit durch Vermeiden von Konfliktpunkten (der in den Kreis Einfahrende muß nur nach links schauen)
  • Reduktion der Umweltbelastung durch niedrige Geschwindigkeiten (weniger aggressive Fahrweise ohne starke Beschleunigungs- und Bremsmanöver; geringer Benzinverbrauch und damit Reduktion der Schadstoffe; jeweils verglichen mit ampelgeregelten Kreuzungen)
  • Erhöhung der Leistungsfähigkeit (keine periodischen Wartezeiten wie bei Ampelregelung)
  • Platzgestaltung im Inneren des Ortes bzw. Betonung von Ortseingängen
  • Vernünftiger Flächenbedarf im Vergleich zu Kreuzungen mit mehreren Fahrstreifen (Innenkreis kann begrünt werden)
  • Übersichtlicher durch vereinfachte Wegweisung
  • Wirtschaftlichkeit: Verringerung der Betriebs- und Erhaltungskosten im Vergleich zu den Kreuzungen mit Lichtsignalen
Was sollten Sie als Verkehrsteilnehmer besonders beachten?
  • Reduzieren Sie die Geschwindigkeit rechtzeitig vor dem Kreisverkehr
  • Reduzieren Sie die Geschwindigkeit rechtzeitig vor dem Kreisverkehr
  • Beachten Sie die Verkehrszeichen beim Einfahren in den Kreisverkehr
  • Seien sie besonders aufmerksam in der Kreisfahrbahn
Dem Einfahrenden in den Kreisverkehr hilft es, wenn der ausfahrende Lenker rechts blinkt.


Eisenbahnkreuzungen

Unfälle mit Personenschaden auf Eisenbahnkreuzungen stellen zwar nur einen geringen Anteil am Gesamtunfallgeschehen dar, haben aber ein etwa fünfmal höheres Todesrisiko. Daher analysiert das Land Niederösterreich Unfallhäufungsstellen an nicht technisch gesicherten Eisenbahnkreuzungen und definiert jährlich Ziele zur Sanierung mit Schrankenanlagen oder die Errichtung entsprechender Über- oder Unterführungen. Gefährliche Kreuzungen werden laufend mit Beteiligung des Landes saniert.


Leitschienen 

Im letzten Jahr wurden auf dem niederösterreichischen Autobahnen- und Schnellstraßennetz, insbesondere auf der A 1 und der A 21 im Bereich des Mittelstreifens die vorhandenen alten Aluminiumleitschienen durch Betonleitwände ersetzt. Darüber hinaus wurden auf der S 4 und der S 6 sowie der A 2 vom Knoten Wiener Neustadt bis zur Landesgrenze rund 120 Kilometer Rand­leit­schienen aus Aluminium gegen solche aus Stahl ausgetauscht.


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Ihre Kontaktstelle des Landes für Verkehrssicherheit

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Gesamtverkehrsangelegenheiten
Landhausplatz 1, Haus 16
3109 St. Pölten
E-Mail: post.ru7@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-14047
Fax: 02742/9005-14950
Letzte Änderung dieser Seite: 6.3.2017
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