23.01.2018 | 14:48

Ausblick und Prognose zum Entfall des Pflegeregresses & Bilanz der NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft im Bereich der Langzeitpflege

LR Schwarz: „Wir haben ein breit gefächertes Angebot für die ältere Generation“

Patientenanwalt Gerald Bachinger und Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz (v.l.n.r.)
Patientenanwalt Gerald Bachinger und Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz (v.l.n.r.)© NLK ReinbergerDiese Datei steht nicht mehr zum Download zur Verfügung. Bild anfordern

Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz und der NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger heute, Dienstag, zu mehreren aktuellen Neuerungen und Herausforderungen im Pflegebereich, wie der Abschaffung des Pflegeregresses und der Einrichtung einer Anlaufstelle für Pflege-Beschwerden bei der NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft.

Landesrätin Schwarz hielt fest, dass man in Niederösterreich im Pflegebereich aufgrund jahrelanger und konsequenter Arbeit „gut aufgestellt“ sei. „Niederösterreich ist Vorreiter, Pionier und Trendsetter für Österreich“, hob Schwarz das Innovationsprojekt in den Heimen, die Wohngruppenmodelle und das Leitbild „Im Mittelpunkt steht der Mensch“, mit dem man sich ganz stark an den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner orientiere, hervor.

„Wir haben ein breit gefächertes Angebot für die ältere Generation“, betonte die Landesrätin, dass man damit ermögliche, „dass jede und jeder das richtige für sich findet“. 11.000 Personen seien in Niederösterreich in der stationären Pflege untergebracht, davon 5.800 Personen in den 48 niederösterreichischen Landespflegeheimen, 16.500 Personen würden ambulante Hilfe erhalten, es gebe 6.600 Haushalte mit einer 24-Stunden-Betreuung und 6.000 Wohnungen, in denen Betreutes Wohnen möglich sei.

Niederösterreich habe 20 Prozent aller Pflegegeldbezieher in Österreich, aber nur 16 Prozent der stationären Pflegeplätze, betonte Schwarz, dass man in Niederösterreich weniger Geld für stationäre Pflege als in anderen Bundesländern ausgebe, dafür investiere man aber sehr viel mehr in die mobilen Dienste. Neu sei das Angebot des Alltagsbegleiters, den man gerade installiere. Der erste Lehrgang mit 20 Personen finde derzeit pilotmäßig mit dem Hilfswerk statt, nach der Erprobung des Curriculums werde die Ausbildung auf ganz Niederösterreich ausgerollt.

Mit dem 1.1.2018 sei der Pflegeregress abgeschafft worden und damit der Zugriff auf Vermögen. Das sei „eine Herausforderung“, führte Schwarz aus, dass man noch nicht wisse, „wie sich das auf die Nachfrage und Finanzierung auswirkt“. Klar sei aber, dass jeder, der einen Platz brauche, auch einen bekomme. Die Landesrätin informierte, dass der Bedarf seit Jahresbeginn steige, akut könne dieser abgedeckt werden. Man werde den Bedarf erheben und dieser werde in den Altersalmanach, das Planungsinstrument im Bereich der Pflege, einfließen.

Neuanträge für die Heimaufnahme habe es im Vergleichszeitraum seit Jahresbeginn im Jahr 2017 215 gegeben, diese Zahl liege jetzt 2018 bei 370. Seit Jahresbeginn habe es 230 Heimaufnahmen gegeben, bedankte sich die Landesrätin bei den Landeseinrichtungen, privaten Heimen und Behörden für die gute Zusammenarbeit. Es gebe auch viele Personen, die sich auf die Warteliste eintragen lassen, informierte Schwarz, dass diese Zahl im Dezember nur um 30 Personen angestiegen sei – das sei „eine überschaubare Größe“.

Die Kosten durch den Wegfall des Regresses und der Übernahme der Gruppe der Selbstzahler würden sich auf jährlich 50 Millionen Euro für das Land Niederösterreich belaufen, das sei eine große Summe. Klar sei der Bund in seinen Ausführungen nicht, was den Zugriff auf Vermögen bei Menschen mit Behinderungen betreffe, betonte Schwarz, dass es hier keinen Unterschied geben dürfe. In Niederösterreich seien 5.000 Menschen davon betroffen, die Kosten der Abschaffung würden sich auf 4,5 Millionen Euro belaufen. Man erwarte sich eine Klarstellung vom Bund, das Land Niederösterreich werde in Vorleistung gehen und hier einspringen.

Patientenanwalt Bachinger sagte zum Angebot des Alltagsbegleiters, dass dieses „eine innovative und kreative Lösung“ sei. Durch das neue Erwachsenenschutzgesetz, das Mitte des Jahres in Kraft trete, würden sehr viel Sachwalter wegfallen und diese Lücke könne man mit den Alltagsbegleitern schließen.

Zur NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft führte Bachinger aus, dass man „speziell auf den Bereich, den man als soft skills oder soft facts bezeichnen kann“, schaue, um Fehlentwicklungen abzufangen. Früher sei die NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft nur „reaktiv“ tätig gewesen, ein wichtiger Punkt des neuen Ansatzes sei ein „proaktiver, präventiver und niederschwelliger“ Zugang. Die NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft sei eine unabhängige Einrichtung und schaue sich die Beziehungskultur in den Heimen an, dabei werde ausgehend von den Heimbewohnern der Blick von unten auf die Organisation gerichtet. Man habe einen Kriterienkatalog entwickelt, mit dem man den Pflege- und Betreuungszentren zeige, worauf man Werte lege, sprach Bachinger in diesem Zusammenhang von einer „Zusammenfassung, wo es um gute Pflege geht“.

Quellen von Informationen für die NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft seien Besuche vor Ort, persönliche Gespräche, die Vernetzung mit anderen Einrichtungen und vertrauliche Meldungen. „Das Bild, das sich uns zeigt, ist ein stimmiges“, betonte der Patientenanwalt hinsichtlich der Pflege- und Betreuungszentren und hob das „hohe Engagement des Pflegepersonals“ hervor. Insgesamt habe es im vergangenen Jahr 117 Geschäftsfälle gegeben, davon 50 Besuche in den Pflege- und Betreuungszentren (zehn Prozent unangesagt) und davon hätten 40 Besuche ohne „Anlass“ und zehn aufgrund von Meldungen, Beschwerden und Mitteilungen stattgefunden. Potenziale zur Verbesserung gebe es bei den Themen Kommunikation, Führungskultur und Ernährung. Den Wissenspool, den man seit April 2017 gesammelt habe, gebe man an die Einrichtungen und Träger weiter.

Als Best Practice-Beispiele nannte Bachinger verschiedenste Projekte in den NÖ Pflege- und Betreuungszentren, etwa die Einkaufsmöglichkeit von Lebensmitteln, die mit Schiling bezahlt werden können, ein Candle Light Dinner oder Demenzgarten. Diese Best Pracitce-Beispiele wolle man vor den Vorhang holen und dazu einen Anerkennungspreis ins Leben rufen.

Nähere Informationen: Büro LR Schwarz, Mag. (FH) Dieter Kraus, Telefon 02742/9005-12655, E-Mail dieter.kraus@noel.gv.at.

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Patientenanwalt Gerald Bachinger und Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz informierten zu Neuerungen und Herausforderungen im Pflegebereich (v.l.n.r.)© NLK ReinbergerDiese Datei steht nicht mehr zum Download zur Verfügung. Bild anfordern

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