25.10.2006 | 09:45

Neue Darm-Untersuchungsmethode ersetzt oftmals das Skalpell

Landesklinikum St. Pölten nimmt niederösterreichweit Vorreiterrolle ein

Seit kurzem wird an der 2. Medizinischen Abteilung des Landesklinikums St. Pölten die Untersuchungstechnik der „Doppelballonenteroskopie“ angewandt. Diese Methode ermöglicht die exakte Untersuchung des gesamten Dünndarmes sowie therapeutische Eingriffe unmittelbar während der Dünndarmspiegelung. Diese Methode, die niederösterreichweit bislang nur in St. Pölten durchgeführt wird, ist schonend und effektiv und belastet die PatientInnen nur minimal.

Der Unterschied der „Doppelballonenteroskopie“ zu bisherigen Untersuchungsmethoden besteht darin, dass der Dünndarm mit einem Endoskop bislang nur in kurzen Abschnitten beurteilt und behandelt werden konnte. Die übrigen vier bis sechs Meter des Dünndarmes waren lediglich durch Röntgenuntersuchungen darzustellen; zur genauen Beurteilung und Therapie waren oftmals chirurgische Eingriffe notwendig. Auch die „Kapselendoskopie“, bei der durch das Verschlucken einer „Mini-Kamera“ exakte Bilder des gesamten Dünndarms geliefert wurden, hat ihre Einschränkungen, da die Kamera mit der Verdauungstätigkeit des Darmes durch den Dünndarm bewegt wird und so auch das übertragene Bildmaterial von diesem unwillkürlichen Vorgang abhängig ist. Zudem können die ÄrztInnen hier nicht eingreifen, wenn sie krankhafte Veränderungen wie etwa eine Blutungsquelle im Dünndarm entdecken.

Durch die „Doppelballonenteroskopie“ wird diese technische Lücke geschlossen. Bei der neuen Methode wird ein schlankes Endoskop durch einen 1,4 Meter langen, flexiblen Übertubus geführt. Am jeweiligen Ende beider Geräte, die unabhängig voneinander bewegt werden können, ist ein Ballon montiert, der während der Untersuchung nach Bedarf gefüllt und entleert werden kann. Durch die koordinierte Bewegung dieser beiden Instrumente und durch die Möglichkeit der Fixierung im Darm mittels der Ballons wird das Gerät raupenförmig durch den Dünndarm bewegt. Dabei wird der Darm immer wieder schonend über dem Übertubus zusammengeschoben.

Schon während der Untersuchung ist weit mehr als passives Betrachten möglich – bei Entdeckung eines auffälligen Befunds kann der Arzt bzw. die Ärztin sofort eingreifen; durch einen dünnen Arbeitskanal ist es möglich, Gewebsproben zu entnehmen, Blutungen zum Stillstand zu bringen oder aber auch Polypen abzutragen. Dadurch kann in vielen Fällen das Skalpell ersetzt werden. Obwohl durch die Länge des Dünndarmes und die komplexe Technik eine Untersuchung bis zu eineinhalb Stunden dauern kann, wird sie durch das darmschonende Vorgehen und eine begleitende Beruhigungsspritze von den PatientInnen gut toleriert.

Nähere Informationen: Landesklinikum St. Pölten, Endoskopiezentrum der 2. Medizinischen Abteilung LK St. Pölten, OA Dr. Kandl oder OA Dr. Mayer, Telefon 02742/300-14560.


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