30.01.2006 | 12:54

Niederösterreich verstärkt Initiativen am regionalen Arbeitsmarkt

Bohuslav: Arbeitsmarkt ist zentrales Thema

„Der Arbeitsmarkt ist ein zentrales Thema in der Europäischen Union, in Österreich und auch in Niederösterreich“, meinte Landesrätin Dr. Petra Bohuslav heute in Wien bei einer Pressekonferenz, bei der sowohl die Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes in Niederösterreich als auch die entsprechenden aktuellen Initiativen des Landes vorgestellt wurden. In diesem Rahmen wies die Landesrätin auch auf die künftige Kooperation mit dem „Österreichischen Institut für Raumplanung“ (ÖIR) hin: „Um Maßnahmen setzen zu können, muss man den Arbeitsmarkt genau kennen und braucht Analysen“, so Bohuslav.

Im Jahr 2006 soll der arbeitspolitische Schwerpunkt vor allem auf Jugendliche und Frauen gelegt werden; dazu wurden zielgruppen- und bedarfsorientierte Projekte geschaffen. „In Niederösterreich sind wir erst zufrieden, wenn alle arbeitswilligen Menschen mit einem Arbeitsplatz versorgt sind“, so Bohuslav.

Konkret sollen im heurigen Jahr neben der Aufstockung des NÖ Beschäftigungspakts von 127 auf 154 Millionen Euro auch ein Jugendsonderprogramm namens „start up“, ein Facharbeiter-Sonderprogramm mit dem Titel „14 – was nun?“ und ein Pilotprogramm namens „Job konkret: Lehre Plus“ in Angriff genommen werden. Letzteres soll Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren das Nachholen des Lehrabschlusses ermöglichen. Das Projekt wird vorerst in Wiener Neustadt und Neunkirchen angeboten.

Das Facharbeiter-Sonderprogramm soll eine Informationsoffensive für Jugendliche in Berufsschulen in den Regionen darstellen. Dabei werden 800 geförderte Arbeitsplätze für Facharbeiter zur Verfügung gestellt. „Damit soll dem Argument, die Wirtschaft finde keine Facharbeiter, begegnet werden“, so Bohuslav.

Im Rahmen des Jugendsonderprogramms werden schließlich 450 geförderte Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt, wobei 50 Prozent der Lohnkosten für ein Jahr lang von Land und Arbeitsmarktservice gefördert werden. Zusätzlich unterstützt das Land 2006 fünf neue Beschäftigungsprojekte für Frauen; weiters wird es verstärkt Frauenförderung in hoch qualifizierten Berufen geben.

„Ausgangspunkt“ für diese Maßnahmen ist die jüngste Entwicklung des niederösterreichischen Arbeitsmarktes: Die Beschäftigungsentwicklung war im Land zuletzt positiv; die Zahl der unselbstständig Beschäftigten hat sich im Vorjahr um 1,3 Prozent auf 533.827 Personen erhöht. Österreichweit hatte diese Zunahme 2005 hingegen 1,1 Prozent betragen. Bei der diesbezüglichen Analyse der einzelnen Regionen konnte ermittelt werden, dass die Wachstumsraten in den Bezirken entlang der „West-Achse“ überdurchschnittlich waren. Neben den Bezirken St. Pölten, Melk und Krems wiesen damit auch die Bezirke Tulln und Baden sehr gute Daten auf.

Die stärksten Beschäftigungszunahmen wurden im Bereich Wirtschaftsdienste, aber auch im Bereich Verkehrswesen und in den unternehmensnahen Dienstleistungen sowie im Handel festgestellt. In der Sachgüterproduktion dagegen wurde bzw. wird verstärkt Personal abgebaut; positive Ausnahmen sind hier die Baubranche, der Maschinenbau und die Metallverarbeitung.

Bei einer geschlechtsspezifischen Betrachtung des Arbeitsmarktes zeigt sich aktuell insofern eine leichte Verschiebung, als in vielen frauendominierten Branchen die Zahl der beschäftigten Männer steigt, während die der Frauen schwächer wächst oder gleich bleibt. In den höher qualifizierten wirtschaftsnahen Dienstleistungsbranchen ist dagegen die Zahl der Frauen deutlich stärker gestiegen als die der Männer. „Die Chancen verteilen sich besser“, meinte Bohuslav.

Parallel zur Beschäftigungszahl ist in Niederösterreich im Vorjahr auch die Zahl der Arbeitslosen gestiegen; im Jahresdurchschnitt waren 2005 durchschnittlich 42.600 Personen ohne Job. Dabei konnten in Niederösterreich ausgeprägte saisonale Schwankungen festgestellt werden, wobei die Werte im Juni am niedrigsten, im Jänner am höchsten waren. Die größten Schwankungen wurden zuletzt im Bezirk Zwettl registriert; hier waren im Winter 2.038 Menschen arbeitslos, im Sommer hingegen knapp über 500. Gering fielen die Schwankungen etwa in Schwechat, Wiener Neustadt, Korneuburg oder St. Pölten aus. „Entlang der Südstrecke gibt es eher Stabilität“, ergänzte Bohuslav.

Eine positive Veränderung habe es im Vergleich zu 2004 im Vorjahr auch bei den Einstellzusagen gegeben; 2005 hatten im Schnitt 8.800 Menschen und damit 14 Prozent mehr als 2004 eine solche Zusage. Auch die Impulse am Lehrstellenmarkt waren erfolgreich: die Zahl der Lehrstellensuchenden hat sich 2005 um 15,6 Prozent, die der offenen Lehrstellen um 33,3 Prozent erhöht. „Die Schere schließt sich langsam“, so Bohuslav.

Weniger erfreulich habe sich dagegen die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen entwickelt; ihre Zahl sei 2005 um 7,9 Prozent gestiegen. „Es ist wichtig, den Jugendlichen Perspektiven zu geben. Wenn dies nicht gelingt, kommt es zu Problemen in anderen Bereichen; beispielsweise zu Suchtproblemen. Arbeit ist hier ein wichtiger, fixer Parameter“, betonte Bohuslav.

Nähere Informationen: Büro LR Bohuslav, Mag. Florian Aigner, Telefon 02742/9005-12199.


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