23.01.2003 | 00:00

Projekt „MUT – Mädchen und Technik“ vorgestellt

60 Prozent der Mädchen entscheiden sich für drei Lehrberufe

Was kann man tun, damit Mädchen und Frauen auch nichttraditionelle Lehrberufe ergreifen? Eine Antwort darauf gaben gestern Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop und Landesrätin Christa Kranzl in einer Pressekonferenz im Landhaus in St. Pölten, nämlich mit der Vorstellung des Projekts „MUT – Mädchen und Technik“. „MUT“ wird von sieben Landesfrauenbeauftragten, dem Bund und von elf Organisationen getragen. An diesem Projekt nehmen 770 Mädchen aus dem ländlichen Raum teil, die aus sieben Bundesländern kommen. In Niederösterreich, wo an diesem Projekt SchülerInnen der 7. bis 9. Schulstufe nicht flächendeckend, sondern an fünf Standorten mitmachen, ist zudem der Verein Sunwork eingebunden. Das Projekt wird zu 37 Prozent vom Bund, zu 17 Prozent von sieben Bundesländern – außer Burgenland und Wien – und zu 46 Prozent vom Europäischen Sozialfonds bezahlt. Die Gesamtkosten betragen 930.369 Euro.

Derzeit wählen fast 60 Prozent der Mädchen aus rund 270 Lehrberufen nur 3 – Einzelhandelskauffrau mit 27, Bürokauffrau mit 20 und Friseurin mit 12 Prozent, sagte Prokop. Die eingeschränkte Berufswahl bei Mädchen und Frauen wirke sich vielfach negativ aus. Dazu gehöre eine hohe Konkurrenz am Arbeitsmarkt gerade in den Berufen, die von Mädchen favorisiert werden. „Es drängen alle Mädchen in diese schmale Schiene“, so Prokop, die auch auf ein niedriges Einkommen verwies, weil die Nachfrage natürlich hier konzentriert sei. Das bedeute letztendlich auch niedrigere Pensionsansprüche für Frauen und zudem gravierende Nachteile bei einem Berufsumstieg. Das Projekt „MUT“, das 24 Monate dauert, sei dreistufig: Auf eine Potenzialanalyse, um die Fähigkeiten von Mädchen in technisch-handwerklichen Berufen zu erkennen, folge eine individuelle Beratung und schließlich das praktische Ausprobieren und das Arbeiten am Produkt in Workshops. Prokop wandte sich auch ausdrücklich gegen Klischeevorstellungen: „Die Argumente sind leicht zu entkräften, aber sie kommen bekanntlich immer wieder.“

„Warum sollte eine Frau nicht ein gleich guter Elektriker oder Feinmechaniker sein?“, so Kranzl. Dieses Projekt sei jedenfalls eine wesentliche Initiative zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, besonders der Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren. Immerhin seien 2002 im Jahresschnitt 38.424 Menschen in Niederösterreich arbeitslos gewesen, um 12,5 Prozent mehr als im Jahr 2001. Daher rate sie allen Mädchen, eine bestmögliche Schulausbildung zu absolvieren, die eigenen Fähigkeiten ganz genau zu hinterfragen, rechtzeitig mit der Lehrplatzsuche zu beginnen, sich über alle Angebote von Schulungen zu informieren und etwa an diesem Projekt oder an einschlägigen anderen Projekten teilzunehmen.


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