04.02.2002 | 00:00

Einigkeit nach Sozialpsychiatriegipfel:

Neue Kooperation Ärzte – Psychosoziale Dienste

„Bei einem Gipfelgespräch Ende Jänner zwischen Spitzenvertretern der Ärztekammer, des Landesverbandes der Psychotherapeuten, der Selbsthilfeverbände und der Trägerorganisationen der Psychosozialen Dienste wurde eine flächendeckende Zusammenarbeit vereinbart, die Kooperation besiegelt und in Form einer gemeinsamen Punktation dokumentiert. Mit dieser Einigung konnten Sorgen der Ärzteschaft ausgeräumt werden. Der Installierung eines Betreuungs-Netzwerkes greift Platz, ein Meilenstein in der Gesundheitspolitik des Landes.“ Diese Feststellung traf kürzlich Landesrätin Christa Kranzl, das für diesen Bereich zuständige Mitglied der NÖ Landesregierung.

Die Sorge der Ärzte bestand darin, dass mit den Psychosozialen Diensten – mit Unterstützung der Krankenkassen – ein doppelgleisiges flächendeckendes Versorgungssystem errichtet werden könnte, das von den Krankenkassen unterstützt werde, wodurch Mittel für zusätzliche Planstellen für psychiatrische Fachärzte fehlen würden. Es wurde klargestellt, dass die Psychosozialen Dienste vom NÖGUS finanziert werden und dass sie sehr wohl in der Lage seien, den Ärzten zuzuarbeiten, die ohnehin hoffnungslos überlastet erscheinen. In Niederösterreich gibt es derzeit nur 14 Fachärzte für Psychiatrie mit Kassenverträgen, dazu 15 Neurologen mit anderem Ausbildungs- und Arbeitsschwerpunkt. In diese Versorgungslücke passt das System der Psychosozialen Dienste perfekt, da bei ihnen neben medizinischen Spezialisten auch Sozialarbeiter tätig sind, die noch dazu Hausbesuche machen. Denn gerade schwer psychisch Gestörte sind oft nicht in der Lage, selbst den Weg zum Facharzt zu finden. Im Modellbezirk Hollabrunn funktioniert diese Versorgung schon zu 100 Prozent, bezogen auf die aus der Einwohnerzahl errechneten Stundeneinheiten.

Noch bedeutsamer wird der Ausbau der landesweiten Versorgung auf 100 Prozent angesichts des Psychiatrieplans 1995. Die Auslagerung aus den meist stigmatisierenden stationären Einrichtungen und die Einrichtung von psychiatrischen Abteilungen an einigen öffentlichen Krankenhäusern in Niederösterreich erhöht den Druck auf die niedergelassenen Fachärzte. In Waidhofen an der Thaya, Hollabrunn und Neunkirchen gibt es schon derartige Abteilungen, in Tulln, Mödling und St.Pölten sollen weitere folgen.


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