21.11.2001 | 00:00

„Kann es Gerechtigkeit in der Geschichte geben?“

Symposium der Waldviertel Akademie in Dobersberg

Die Frage nach Gerechtigkeit in der Geschichte ist angesichts der derzeit laufenden Debatten um Entschädigungen für Zwangsarbeiter und Vermögensrückgabe wohl aktueller denn je. Das 12. Österreichisch-Tschechische Symposium der Waldviertel Akademie vom Donnerstag, 22., bis Samstag, 24. November, hat dazu im Musikerheim Dobersberg Experten und Betroffene zu einer Podiumsdiskussion geladen:

Jitka Egermajerova vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds in Prag entschädigt derzeit tschechische Zwangsarbeiter des Dritten Reiches, Mag. Walter Baumgartner arbeitet im Auftrag der Österreichischen Historikerkommission an einem Projekt über arisiertes Vermögen in Niederösterreich und Gerhard Zeihsel, Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich, fordert eine Entschädigung auch für jene Sudetendeutschen, die nach 1945 aufgrund der Beneš-Dekrete ihre Heimat verlassen mussten.

Einen Ausweg aus dem Kreislauf gegenseitiger Schuldzuweisungen könnte indessen eine Initiative junger Tschechen darstellen, die ebenfalls an diesem Abend präsentiert wird: Mag. Václav Mls ist der Sprecher einer Gruppe, die nach dem Vorbild des von Dr. Andreas Maislinger, ebenfalls Teilnehmer der Podiumsdiskussion, initiierten Österreichischen Gedenkdienstes eine ähnliche Einrichtung zwischen jungen Tschechen und Sudetendeutschen schaffen will: „Wir wollen damit einen Dialog zwischen den vertriebenen Deutschen und den jungen Tschechen ins Leben rufen, der auf der Basis der Freiwilligkeit beruht und damit in der tschechischen Gesellschaft Platz für Diskussion schaffen soll. Der österreichische Druck auf die Aufhebung der Beneš-Dekrete wirkt da aber eher kontraproduktiv“, so Mls.

Das Symposium beginnt am 22. November um 18 Uhr, am Freitag folgen Vorträge wie „Möglichkeiten und Grenzen der Alltagsgeschichte“ sowie Statements zum Thema „Verschwundene Lebenswelt – Vergessener Alltag“. Für den Samstag ist eine Exkursion nach Zlabings vorgesehen, wo ein Kulturgespräch „Dialog zur Zusammenarbeit von Initiativen und Künstlern in der Euregio“ stattfindet.

Nähere Informationen bei der Waldviertel Akademie unter der Telefonnummer 02842/537 37, Mag. Niklas Perzi, e-mail waldviertel.akademie@wvnet.at.


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