03.10.2001 | 00:00

LR Kranzl zu Internationalem Mentalen Gesundheitstag:

Realisierung des Psychiatrieplans sehr weit gediehen

Am 10. Oktober wird bekanntlich wieder – zum zehnten Mal übrigens – der Internationale Mentale Gesundheitstag begangen. Dies wäre Anlass, sagte Landesrätin Christa Kranzl gestern in einer Pressekonferenz im NÖ Landhaus in St.Pölten, auf die Aktivitäten des Landes Niederösterreich in Bezug auf die mentale Gesundheit hinzuweisen. Heute würden über 100 Länder diesen Gedenktag begehen, indem sie sich an Aktionen beteiligen. Als Ziel gelte, dass eine psychische Krankheit nicht mehr – wie immer noch üblich – mit gravierenden Vorurteilen und Tabus behaftet sei.

Die Reform der psychiatrischen Versorgung in Niederösterreich habe 1997 mit der Schaffung des NÖGUS Soziales und dem Auftrag, den NÖ Psychiatrieplan 1995 in die Realität umzusetzen, konkrete Formen angenommen, meinte Kranzl. Mittlerweile sei die Umsetzung des Psychiatrieplans, der jetzt überarbeitet werden müsse, sehr weit gediehen.

Ziel sei, so Kranzl, eine Regionalisierung der Versorgung: Erkrankte müssen nicht mehr weit von ihrer Heimat entfernt in spezielle Landeskrankenhäuser gebracht werden. Damit können Erkrankte meistens auch weiterhin in ihrem sozialen Umfeld verbleiben. Im Jahr 2000 seien zwei neue psychiatrische Abteilungen in den Krankenhäusern Neunkirchen und Waidhofen an der Thaya in Betrieb genommen worden. In der bereits bestehenden Abteilung in Hollabrunn sei ein Übergangsbereich zwischen stationärem Aufenthalt und extramuraler Betreuung eingerichtet worden. Für 2001 seien Tageskliniken – voraussichtlich in Neunkirchen und in Hollabrunn – geplant. Zudem sei die sozialpsychiatrische Versorgung, also die Betreuung der entlassenen psychiatrischen Patienten, durch eine Aufstockung des Personals und durch eine Erweiterung des Angebotes ausgebaut worden. „Niederösterreich hat eine Vorreiterrolle in Österreich eingenommen“, Oberösterreich sei jetzt dabei, diesem Beispiel zu folgen, meinte Kranzl, die auch auf den Ausbau von Arbeits- und Wohnprojekten zur psychischen Gesundung und zur Integration in der Gesellschaft sowie auf durchgeführte bzw. laufende Projekte verwies.

Zudem präsentiere man jetzt auch eine weitere Broschüre, „Alles besser als ein Geisteskranker“, die von „pro mente Austria“ entwickelt und vom NÖGUS Soziales in einer Auflage von 10.000 Stück finanziert worden sei, sagte Kranzl weiter. Sie werde mit speziellen Hinweisen über das Bundesland – z.B. das Krisentelefon 0800/20 20 16 – ergänzt. Einer der Protagonisten ist Christian Horvath, der in der Broschüre stellvertretend für 50 Millionen psychisch Erkrankte auf der ganzen Welt steht. Erst vier Jahre später, als die Auswirkungen seiner Krankheit immer ernster wurden, begab sich Horvath in ärztliche Behandlung. Viele der erlebten Kränkungen haben sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt. Horvath begann diese Vorurteile zu sammeln, welche die geballte Kraft der Abwertung und Ausgrenzung psychisch Kranker dokumentieren. In der heutigen Gesellschaft werden nämlich nach wie vor nur körperliche Gebrechen toleriert. Krankheiten der Seele werden hingegen weiterhin tabuisiert und mit Vorurteilen belegt, die Horvath übrigens treffend widerlegte. Mittlerweile betreut sein Selbsthilfeprojekt „Crazy Industries“ 60 bis 80 Menschen, gibt ausgegrenzten Personen eine Heimat und trägt wesentlich zum Heilungsprozess bei.


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