11.09.2001 | 00:00

Denkmalamt: Rätsel um den Hadersdorfer Fund

Erstmalige Präsentation im Weinstadtmuseum Krems

Nach dreijähriger Restaurierungstätigkeit und wissenschaftlicher Bearbeitung sind die Rätsel um den Aufsehen erregenden „Hadersdorfer Fund“ aus den Jahren 1997/98 noch immer nicht gelöst. Allerdings kann man die geheimnisvollen Gegenstände aus der Bronzezeit (1900 bis 1600 v. Chr.) jetzt erstmals betrachten: Das Bundesdenkmalamt zeigt den Fund im Rahmen der Ausstellung „Gerettet: archäologische Schätze Österreichs“ bis 25. November im Weinstadtmuseum in der Kremser Dominikanerkirche. Die Eröffnung findet heute Abend um 18.15 Uhr im Rahmen der heuer vom 10. bis 14. September in Krems stattfindenden Österreichischen Konservatorentagung statt.

Der Hadersdorfer Fund gibt Rätsel auf: Rund 100 kleine Tongefäße mit Farbresten, Tonkugeln, pfeilspitzenartige Gegenstände sowie Tonplastiken in Form von Menschenmasken und Tierköpfen wurden gefunden. Größtes Objekt ist ein vogelförmiges Tongefäß mit menschlichem Kopf, in dessen Hohlkörper sich weitere Tonobjekte und Gegenstände aus reinem Kupfer befanden: eine Pfeilspitze, ein herzförmiger Anhänger, zwei Ringe sowie eine Säge.

Wozu diese Objekte verwendet und weshalb sie sorgsam deponiert wurden, weiß noch niemand zu sagen. Dr. Christa Farka, Archäologin im Bundesdenkmalamt: „Es dürfte sich um einmalige Zeugnisse ritueller Praktiken der Frühbronzezeit handeln. Der geistige und kulturelle Hintergrund ist bisher in Mitteleuropa unbekannt.“

Das Hadersdorfer Beispiel zeigt wie andere, noch nie gezeigte archäologische Funde aus Rettungsgrabungen des Bundesdenkmalamtes Methoden, Ziele und Ergebnisse der archäologischen Denkmalpflege. Dokumentiert wird aber auch, dass bei zahllosen Bauarbeiten Zeugnisse vergangenen Lebens unwiederbringlich verloren gehen. Farka: „Das ist bedauerlich, sind doch die ‚Archive im Boden‘ oft die einzigen Quellen, aus denen man Erkenntnisse über Lebensweisen, Arbeit, Sitten und Gebräuche gewinnen kann. Für Zeiten mit schriftlicher Überlieferung bilden archäologische Sachquellen eine wesentliche Ergänzung.“

Weinstadtmuseum Krems: „Gerettet: archäologische Schätze Österreichs“, 12. September bis 25. November, geöffnet jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Auskünfte: 01/534 15-267.


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