03.09.2001 | 00:00

Waldviertelfestival auf den Spuren der NS-Vergangenheit

Ausstellung „Stalag XVII B – Leben und Kunst hinter Stacheldraht“

Während der NS-Zeit befand sich in Gneixendorf, heute Katastralgemeinde von Krems, das größte Kriegsgefangenenlager auf österreichischem Boden. Im Rahmen des Waldviertelfestivals findet vom 9. bis 29. September in der Rathaushalle Krems die Ausstellung „Stalag XVII B – Leben und Kunst hinter Stacheldraht“ statt. Die Eröffnung ist für Sonntag, 9. September, um 11 Uhr vorgesehen. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Barbara Stelzl-Marx, Mitarbeiterin des Grazer Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung, die Gestaltung beim Kremser Künstler Christian Gmeiner.

Das Lager in Gneixendorf, das „Stalag XVII B“, bot bis zu 66.000 Kriegsgefangenen unterschiedlicher Nationalität Platz, darunter Franzosen, Belgier, Serben, Polen, Briten, Italiener und sowjetische Gefangene. Im Oktober 1943 entstand für mehr als 4.000 amerikanische Fliegerunteroffiziere ein eigenes Teillager der Luftwaffe. Der überwiegende Teil der Gefangenen war in einem der zahlreichen Arbeitskommandos außerhalb des Lagers untergebracht, wo sie in der Land- und Forstwirtschaft, im Bergbau, in der Industrie sowie im Gewerbe und im Bauwesen arbeiteten. Das Überleben der Gefangenen hatte auch mit der rassisch-ideologisch motivierten unterschiedlichen Behandlung zu tun: Die Sterblichkeit der sowjetischen Gefangenen war ungleich höher als die von Angehörigen anderer Nationen.

Kunst und Kultur dienten auch in diesem Lager der Erhaltung der moralischen und intellektuellen Integrität und waren Teil einer Überlebensstrategie. Die Ausstellung geht auf die Geschichte des Lagers ebenso ein wie auf Kunst und Kultur hinter Stacheldraht, auf Menschenbilder und auf die heute angestellte Spurensuche – Motto „Was ist heute noch vom Lager zu finden“. Gezeigt wird auch ein Film von Billy Wilder aus dem Jahr 1952, der, obwohl Oscar-preisgekrönt, bei uns kaum bekannt ist: „Stalag 17“ wurde auf Grundlage der Gneixendorfer Vorgaben gedreht.

Ausstellung „Stalag XVII B – Leben und Kunst hinter Stacheldraht“ in der Rathaushalle Krems, 9. bis 29. September, Montag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr, Freitag von 9 bis 12 Uhr, Samstag, 29. September, Filmvorführung „Stalag 17“ von Billy Wilder. Nähere Auskünfte: 02732/801-222.


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