18.07.2001 | 00:00

„Höhlenführer Österreich“ erschienen

Von der Karnerhöhle bis zum Ötscherhöhlensystem

„Höhlenführer Österreich“ lautet der Titel des neuen Buches von Robert Bouchal und Josef Wirth, das kürzlich im Pichler Verlag zum Preis von 345 Schilling (25,07 Euro) herausgekommen ist. Der 288 Seiten umfassende Band informiert über 100 Höhlen mit Skizzen, Plänen und Zugangsbeschreibungen und beinhaltet außerdem 150 Fotos.

Auch Höhlen aus Niederösterreich werden in diesem Buch beschrieben, wie beispielsweise die Allander Tropfsteinhöhle, in der bei Erweiterungsarbeiten ein Bärenskelett, Knochen von Wölfen und Rindern und ein menschlicher Zahn gefunden wurden. Die Einhornhöhle im nordöstlichen Teil der Hohen Wand ist durch sein brekziöses Gestein mit vielen Knochen pleistozäner Großsäuger und ausgestorbenen Arten wie das wollhaarige Nashorn und der Höhlenbär bekannt. Die Eisensteinhöhle bei Brunn in den Fischauer Vorbergen hat ein warmes, durch Thermalquellen beeinflusstes Klima. Die Nixhöhle bei Frankenfels ist durch große Mengen von Bergmilch, einer weißen, meist weichen Masse aus wässrigen Kalkablagerungen, besonders markant. In früheren Zeiten wurde die Bergmilch als „Nix“ bezeichnet und als Heilmittel für Mensch und Tier verwendet. Die Ötschertropfsteinhöhle in den Vorderen Tormäuern der Erlauf bezaubert durch seine fantastische Stimmung, wenn die müde Dämmerung des Lichtes von wenigen Sonnenstrahlen durchbrochen wird. Die ganz kurze Karnerhöhle im Burgfelsen von Pitten ist durch den Stapel gebleichter Menschenknochen, durch Reste von Fresken und durch die Grabplatte eines Zöberner Vikars bekannt. Die Höhlen im Kremszwickel sind durchwegs klein, aber durchaus bedeutend. Denn in der Gudenushöhle unter der Burg Hartenstein im Waldviertel fand man Steinwerkzeuge der Kulturstufe des Moustèrien. Sie diente also vor rund 90.000 Jahren Neandertalern als Wohnplatz. Aus dieser Höhle stammt auch die einzige in Österreich gefundene, realistische altsteinzeitliche Tierdarstellung, die einen Rentierschädel mit Geweihstangen zeigt. Das Ötscherhöhlensystem war bis 1994 in Taubenloch und Geldloch getrennt. Damals gelang der Nachweis, dass die beiden Höhlen miteinander verbunden sind und derzeit miteinander 26.292 Meter Länge aufweisen. Die Königshöhle im Badener Lindkogel wiederum wurde für die Forscher besonders durch Funde aus dem Mittlerem Neolithikum, der Kupferzeit und der frühen Bronzezeit interessant. Die Seegrotte bei Hinterbrühl ist ein Schaubergwerk, das 1848 als Fundstätte für Gips erschlossen wurde. 1912 wurde der Bergbau abrupt durch einen gigantischen Wassereinbruch beendet. 1932 folgte ein Intermezzo als Schaubergwerk, ein paar Monate später sogar mit Bootsfahrten auf dem 6.200 Quadratmeter großen unterirdischen See. Im Zweiten Weltkrieg wurde der See abgepumpt und die Grotte zu einer Düsenjäger-Fertigung ausgebaut. Übrigens: Das ist nur ein winzig kleiner Teil der Höhlen in Niederösterreich. In ganz Österreich sind rund 13.000 Objekte erfasst.


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