16.07.2001 | 00:00

„Verschlagene“ Werkstücke wurden im Mittelalter bestattet

Denkmalamt inszeniert Bernhard-Fest zu „Geheimnis im Stein“

Die Zunft der Steinmetze war abergläubisch: Im Mittelalter wurde ein „verschlagenes“ Werkstück als „Bernhard“ bezeichnet und feierlich bestattet, damit es auf keinen Fall den Weg in das Mauerwerk findet. Jener Steinmetz, dem das Werkstück misslungen war, musste das Begräbnis inszenieren und das Fest, das sich rundherum ergab, finanzieren. Das konnte teuer werden

Das Bundesdenkmalamt inszeniert am 27. Juli ein solches Fest aus Anlass der derzeit laufenden Ausstellung „Geheimnis im Stein. Das Erbe der mittelalterlichen Dombauhütte und ihre Meister“ in der Kartause Mauerbach. Zunächst gibt es einen Vortrag von Dipl.Ing. Walter Frenzl über die Rekonstruktion der Dresdener Frauenkirche, eines der spektakulärsten Restaurierungsvorhaben im Kirchenbau. Anschließend beginnt das eigentliche Bernhard-Fest: Ein fahrender Geselle auf der Walz, gekleidet in historisches Zunftgewand, bewirbt sich beim Meister der Dombauhütte. Die Bewerbung erfolgt in Form eines geheimen Spruches, der seit Jahrhunderten mündlich weitergegeben wird. Der Meister, dem dieser Spruch aus seiner eigenen Gesellenzeit bekannt ist, erkennt dadurch einen Angehörigen seiner Zunft und nimmt den fahrenden Gesellen in der Hütte auf. Dieser stellt sein handwerkliches Geschick unter Beweis und führt historische Handwerkstechniken vor. Leider verschlägt er ein Werkstück, verunsichert dadurch das prüfende Auge des Meisters. Ein „Bernhard“ ist entstanden, er wird zu Grabe getragen und feierlich bestattet. Der Abend klingt bei mittelalterlicher Musik mit Speis und Trank aus.

Die Ausstellung „Geheimnis im Stein“, die an diesem Tag ebenfalls besichtigt werden kann, ist noch bis 30. September geöffnet. Eine Publikation über die „Hauptperson“ dieser Ausstellung, den bisher nicht richtig bewerteten Dombaumeister Lorenz Spenning, ist in Vorbereitung.

Die Veranstaltung beginnt am 27. Juli um 14 Uhr, Anmeldungen sind nicht erforderlich. Nähere Auskünfte gibt es beim Bundesdenkmalamt, Telefon 01/53415-220.


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