11.07.2001 | 00:00

Das „Wildnisgebiet Dürrenstein“ soll Nationalpark werden

Ansuchen um Aufnahme unterzeichnet

Landeshauptmannstellvertreterin Heidemaria Onodi unterzeichnete kürzlich das Ansuchen für die Aufnahme des letzten mitteleuropäischen Urwaldes – des „Wild-nisgebietes Dürrenstein“ in Niederösterreich – in die Liste der Nationalparks und Schutzgebiete der Vereinten Nationen. Das Schreiben ging an das IUCN-Headquarter in der Schweiz. Das rund 2.000 Hektar umfassende Gebiet soll in die Kategorie Ia, also als „strenges Naturreservat/Wildnisgebiet“, aufgenommen werden. „Wir wollen mit unserem Antrag nicht nur die internationale Bedeutung des letzten mitteleuropäischen Urwalds in Österreich würdigen. Unsere Unterschutzstellung soll auch international anerkannt werden. Zudem tritt nun der Managementplan, welcher eine Grundlage des umfassenden Schutzes des Gebietes darstellt, in Kraft“, meinte Niederösterreichs Naturschutzreferentin.

Im Sommer 1997 veröffentlichte das World Resources Institute in Washington die bisher ausführlichste Studie über die Situation großer Urwälder. Die Bilanz: Rund 80 Prozent aller ursprünglich existierenden Urwälder der Erde sind bereits verschwunden. Afrika und Asien haben sogar mehr als 90 Prozent ihrer Urwälder verloren. In 78 Ländern, darunter in fast ganz Europa, sind sie völlig zerstört. In Österreich konnten sich nur etwa 1.000 Hektar Urwald behaupten. Das sind ganze 0,3 Promille der gesamten Waldfläche. Die bedeutendsten österreichischen „Urwaldgebiete“ liegen in Niederösterreich. Mit den Urwäldern verschwinden jedes Jahr auch Tausende Tier- und Pflanzenarten, ohne jemals erforscht worden zu sein.

Die Kosten des 102 Millionen Schilling (7,4 Millionen Euro) umfassenden Projektes wurden zu 60 Prozent von der Europäischen Kommission, zu 26 Prozent vom Land Niederösterreich und zu 14 Prozent vom Bund getragen. Es handelt sich dabei um eines der größten Life-Projekte, die jemals europaweit vergeben wurden.

Im „Wildnisgebiet Dürrenstein" und im unmittelbar angrenzenden Natura 2000-Gebiet „Ötscher-Dürrenstein" findet man eine Vielzahl von Tierarten wie Braunbär oder Luchs, Fledermäuse, zahlreiche Vogelarten wie Steinadler, Wanderfalke, Wespenbussard, Uhu, Rauhfußkauz, Sperlingskauz, Schwarzstorch, Schwarzspecht etc. Nicht zu vergessen ist die reichhaltige Totholzfauna, also von Insekten, deren Überleben eng an das Vorhandensein von moderndem Holz gebunden ist. Zahlreiche Erstfunde von Insekten unterstreichen die Einzigartigkeit dieses Gebietes. Aber nicht nur Tiere, sondern auch seltene Pflanzen haben hier neben den Baumriesen von bis zu 1,50 Metern Stammdurchmesser ihr Zuhause.


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