11.06.2001 | 00:00

LR Knotzer: Sorge um Trinkwasser und Abwasser

Trinkwasser darf nicht zur „reinen Handelsware“ werden

„Man muss vorsichtig sein und die Alarmglocken läuten lassen“. So fasste am Freitag Landesrat Fritz Knotzer seine Sorge um das Trinkwasser und die Abwasserentsorgung in Österreich bei einer Pressekonferenz in Ternitz-Pottschach (Bezirk Neunkirchen) zusammen. Die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit reinem Trinkwasser könnte nämlich schon bald der lukrative Geschäftszweig für in- und ausländische Konzerne werden, meinte Knotzer. Er bezog sich dabei auf Vorhaben der Bundesregierung, die Liberalisierung des Wasser- und Abwassermarktes in Österreich für private Betreiber zu forcieren. Auslöser der aktuellen Diskussion über diese Frage ist ein Gutachten von PriceWaterHouse-Coopers, das im Auftrag vom Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer in Auftrag gegeben wurde. In diesem Gutachten werden eine stärkere Marktöffnung der österreichischen Wasserwirtschaft und eine Gründung von zehn großen Wasserunternehmen vorgeschlagen. In einem nächsten Schritt sollen diese zehn Unternehmen vollständig privatisiert werden. Aber auch immer mehr Privatpersonen drängen in das Geschäft mit einem gewerbsmäßigen Wasserverkauf.

Als niederösterreichischer Gemeindereferent steht Knotzer dem Vorhaben, das Trinkwasser und die Abwasserversorgung zu privatisieren, strikt ablehnend gegenüber: „Wasser ist ein Gemeingut. Unsere Bevölkerung hat das Recht auf günstiges Trinkwasser, das für alle in gleicher Weise vorhanden sein muss.“ Auch dürfe Trinkwasser nicht zu einer „reinen Handelsware“ werden, „wo die Gewinninteressen der Maßstab aller Dinge sind.“ Er verwies auf das Beispiel der Privatisierung der Siedlungswasserwirtschaft in Großbritannien. Dort bezahlen laut Knotzer die Konsumenten den privaten Wasser-Betreibern einen Preis, der von 1989 bis 1999 um 102 Prozent stieg. Gleichzeitig stiegen die Gewinne der britischen privaten Wassergesellschaften zwischen 103 und 1.250 Prozent. Die Investitionen in den Ausbau der Trinkwasserversorgung wurden jedoch ebenso vernachlässigt wie notwendige Nachrüstungen und Reparaturen.

Der Gemeindewasserleitungsverband Ternitz und Umgebung, in dessen Büro die Pressekonferenz stattfand, feiert heuer sein 50-Jahr-Jubiläum und versorgt die Gemeinden Ternitz, Wimpassing und Grafenbach-St.Valentin. Dem Verbandsgebiet gehören heute rund 20.500 Einwohner an, die über ein bestens gewartetes Netz mit dem kostbaren Nass versorgt werden, bei dem allein die Hauptrohrleitungen eine Länge von 150.000 Laufmetern aufweisen. Landtagsabgeordneter Werner Feurer, der Obmann des Verbandes, dazu: „Wir leisten eine Vollversorgung der drei Gemeindegebiete mit Trinkwasser. In den letzten zehn Jahren reduzierte sich der Schuldenstand des Verbandes von 16 auf 10 Millionen Schilling.“

Der Gemeindewasserleitungsverband Ternitz und Umgebung hat gemeinsam mit der NÖSIWAG und mit dem Verband der Triestingtalgemeinden rund 50 Prozent der Versorgung mit reinem Trinkwasser in ganz Niederösterreich inne. In Österreich liegt der Wasserbedarf bei 2,6 Milliarden Kubikmetern, also bei rund drei Prozent des kostbaren Nasses. Für Trinkwasser werden österreichweit pro Jahr rund 700 Millionen Kubikmeter benötigt. Industrie und Gewerbe verbrauchen rund 1,7 Milliarden Kubikmeter Brauchwasser, die Landwirtschaft 0,3 Milliarden Kubikmeter. Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Person liegt täglich bei 140 Litern. Das Trinkwasser kommt zur Hälfte aus Quellen, zur anderen Hälfte aus Grundwasser. Nicht einmal ein Prozent stammt aus Oberflächenwasser.


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