17.05.2001 | 00:00

Information und Aufklärung statt Repression

Sucht-Studie hatte große Resonanz bei den Eltern

Das Suchtproblem hat in Niederösterreich bei den Eltern Alarm ausgelöst: Die Fachstelle für Suchtvorbeugung NÖ befragte Eltern von 4.000 Schülern im ländlichen und städtischen Bereich über Suchtprobleme ihres Nachwuchses und erhielt Aufschluss über den Wissensstand im Elternkreis. Statt den erwarteten 700 ausgefüllten Fragebögen kamen aber fast 1.800 zurück, was beweist, dass die Elternschaft schon in hohem Maß sensibilisiert ist. Die Studie ist in allen Einzelheiten im Internet unter www.fachstelle.at abrufbar.

Derzeit werden 74 Prozent aller finanziellen Mittel, die im Drogenbekämpfungsbereich ausgegeben werden, durch polizeiliche und gerichtliche Maßnahmen verursacht. 24 Prozent gehen für Beratung und Therapie auf, nur 2 Prozent werden für Prävention ausgegeben. „Dabei wäre es am allerbesten, durch Prävention den Jugendlichen zu zeigen, dass es Tätigkeiten und Lebensinhalte gibt, für die es sich lohnt zu leben, und dass sich ein Suchtverhalten negativ auswirkt“, betont der Leiter der Fachstelle für Suchtvorbeugung NÖ, Kurt Fellöcker. Die Untersuchung stellt den Eltern in vielen Bereichen ein gutes Zeugnis aus: 80 bis 90 Prozent sind von der Notwendigkeit überzeugt, dass es mehr Information und Aufklärung über Suchtmittel und Ursachen von Sucht geben sollte. Als wesentliche Ursachen werden richtiger Weise Minderwertigkeitsgefühle, persönliche Probleme, Einfluss durch Freunde und Gruppen und Familienprobleme erkannt. Die Zustimmung für repressive Maßnahmen, also Anzeige bei der Polizei, Hinauswurf aus der Schule und Gefängnisstrafe ist verschwindend gering, bei Vätern aber etwas größer als bei Müttern. Unterschätzt wird allgemein die Gefährdung durch Alkohol und Tabak, die aus anderen Studien bekannt ist. „Im Jahr 2000 gab es in Niederösterreich zwölf Drogentote, hingegen aber 2.000 Alkoholtote“, zeigt Fellöcker die Relationen auf.

Von den Ergebnissen der Studie profitiert auch die NÖ Suchtkoordinatorin Mag. Margit Itzenthaler beim Amt der NÖ Landesregierung. Sie arbeitet an Maßnahmenpaketen der Landespolitik und erkennt als Mängel der Suchtberatungsstellen im Lande, dass ihre Öffnungszeiten viel zu kurz sind. Sie verweist auf den von allen Landtagsfraktionen abgesegneten Suchtplan, in dem die Grundsätze von Prävention, Beratung und Therapie verankert sind. Wesentliche Maßnahmen wären die Schulung von Ärzten und Apothekern und die Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit. Die Notwendigkeit dazu ist auch aus der neuen Elternstudie abzuleiten: Nur 17 Prozent der befragten Eltern wissen, dass es Sucht-Beratungsstellen gibt.


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